{"id":128108,"date":"2014-08-09T07:24:19","date_gmt":"2014-08-09T07:24:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=128108"},"modified":"2014-08-09T07:24:19","modified_gmt":"2014-08-09T07:24:19","slug":"adoption-eine-entscheidung-zum-wohle-des-kindes-expertinnen-im-interview","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=128108","title":{"rendered":"Adoption: Eine Entscheidung zum Wohle des Kindes &#8211; Expertinnen im Interview"},"content":{"rendered":"<p>Fulda. Wie kann man das tun? Sein eigenes Kind zur Adoption freigeben. Das passt doch so gar nicht ins Mutterbild. Oder doch? Was abgebende M\u00fctter und V\u00e4ter bewegt, wissen Irmgard Plappert und Ines George von der gemeinsamen Adoptionsvermittlungsstelle der Landkreise Fulda und Hersfeld-Rotenburg sowie der Stadt Fulda \u201eJe mehr Aufkl\u00e4rung es gibt, umso gr\u00f6\u00dfer wird das Verst\u00e4ndnis\u201c, meinen die beiden Diplom-Sozialp\u00e4dagoginnen, die im Interview \u00fcber ihre Erfahrungen mit abgebenden M\u00fcttern berichten.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Wie werden abgebende M\u00fctter aus Ihrer Sicht in der \u00d6ffentlichkeit wahrgenommen?<br \/>\n<\/strong>Irmgard Plappert: Weil die \u00fcberwiegende Zahl der abgebenden M\u00fctter, mit denen wir es zu tun haben, die Freigabe zur Adoption geheim halten m\u00f6chte, gehen wir davon aus, dass es noch keine fl\u00e4chendeckende Akzeptanz gibt.<\/p>\n<p><strong>Warum m\u00f6chten die Frauen es geheim halten?<\/strong><br \/>\nInes George: Nach unserer Erfahrung spielen Angst und Scham oft eine gro\u00dfe Rolle. Obwohl der gesamtgesellschaftliche Druck wenig greifbar ist, wollen die Frauen m\u00f6glichen Repressionen aus dem Weg gehen.<\/p>\n<p><strong>Welche Umst\u00e4nde f\u00fchren dazu, dass Frauen ihr Kind zur Adoption freigeben?<\/strong><br \/>\nInes George: Die Geschichten der Frauen sind ganz unterschiedlich. Es gibt Frauen, die von der Schwangerschaft \u00fcberrascht worden sind. Frauen, die Gewalterfahrungen gemacht haben und gegen ihren Willen schwanger geworden sind, oder Frauen beziehungsweise Paare, die schon mehrere Kinder haben und an der Grenze dessen sind, was sie leisten k\u00f6nnen. In den meisten F\u00e4llen fehlt es an einem Partner und an finanziellen Mitteln. Hinzu kommt h\u00e4ufig die Sorge vor Verlust des Ausbildungs- oder Arbeitsplatzes<\/p>\n<p><strong>Was bewegt die abgebenden M\u00fctter bei ihrer Entscheidungsfindung?<\/strong><br \/>\nIrmgard Plappert: Die Frauen werden nicht von egoistischen Motiven geleitet. Sie schauen eher, was das Kind braucht, was sie ihm bieten k\u00f6nnen oder eben nicht. Deshalb denken wir, dass M\u00fctter und V\u00e4ter, die diesen Weg gehen, die gleiche Wertsch\u00e4tzung wie alle anderen M\u00fctter und V\u00e4ter verdient haben. Die Entscheidung f\u00fcr die Adoption ist eine Entscheidung zum Wohle des Kindes und f\u00fcr das Leben. M\u00fctter, mit denen wir es zu tun haben, sagen: \u201eAbtreibung w\u00e4re f\u00fcr mich nicht in Frage gekommen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Suchen die M\u00fctter nach der Adoption den Kontakt zum Kind oder eher nicht?<br \/>\n<\/strong>Ines George: Ein Teil der M\u00fctter sagt, dass sie den Kontakt herstellen, wenn das Kind es m\u00f6chte. Manche sagen, dass sie erstmal Abstand brauchen, um das Ganze selbst zu verarbeiten. Andere haben das Bed\u00fcrfnis, das Thema abzuschlie\u00dfen. Die meisten sind jedoch prinzipiell bereit, mit dem Kind in Kontakt zu treten, wenn es seine Herkunft sucht. In unseren Gespr\u00e4chen legen wir den Grundstein daf\u00fcr, dass die M\u00fctter offen sind f\u00fcr die Nachfragen der Kinder.<\/p>\n<p><strong>Wie verarbeiten die M\u00fctter die Freigabe des eigenen Kindes?<\/strong><\/p>\n<p>Irmgard Plappert: Ganz unterschiedlich. Manche holen sich Beratung und Hilfe, andere machen alles mit sich alleine ab. Oft gibt es eine enge Vertraute oder die Eltern, die bei der Verarbeitung helfen. Manchmal ist das Rausgehen aus der Anonymit\u00e4t schon sehr hilfreich. Als Adoptionsvermittlungsstelle bieten wir den M\u00fcttern an, dass sie jederzeit zu uns kommen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Welche Unterst\u00fctzung k\u00f6nnen Sie konkret bieten?<\/strong><br \/>\nIrmgard Plappert: Die Frauen werden nicht alleine gelassen. Wir sind so lange in Kontakt mit ihnen, wie sie selbst es w\u00fcnschen. Wir w\u00fcrden beispielsweise gerne einen Gespr\u00e4chskreis mit abgebenden M\u00fcttern gr\u00fcnden, aber so etwas setzt eben noch mehr Akzeptanz in der \u00d6ffentlichkeit voraus.<\/p>\n<p><strong>Welche Konsequenzen hat die Freigabe des eigenen Kindes f\u00fcr das weitere Leben der Frauen?<br \/>\n<\/strong>Ines George: Die Frauen, die wir erlebt haben, stehen durchg\u00e4ngig zu ihrer Entscheidung, die prim\u00e4r mit dem Verstand getroffen wird, aber eben auch eine gro\u00dfe emotionale Tragweite hat. Und diese ist ein Leben lang pr\u00e4sent. Wie schwer die Frau daran tr\u00e4gt, h\u00e4ngt sicher von der eigenen Geschichte, vom Umfeld und vom pers\u00f6nlichen Reflektionsgrad ab. Das Leben kann auf jeden Fall eine positive Entwicklung nehmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Fulda. Wie kann man das tun? Sein eigenes Kind zur Adoption freigeben. Das passt doch so gar nicht ins Mutterbild. Oder doch? 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