{"id":127166,"date":"2014-07-18T00:13:11","date_gmt":"2014-07-18T00:13:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=127166"},"modified":"2014-07-17T12:44:24","modified_gmt":"2014-07-17T12:44:24","slug":"fachkraeftebedarf-in-hessen-zwischenbilanz-und-ausblick","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=127166","title":{"rendered":"Fachkr\u00e4ftebedarf in Hessen \u2013 Zwischenbilanz und Ausblick"},"content":{"rendered":"<p>Frankfurt am Main. Zwei Jahre nach Ver\u00f6ffentlichung des Berichtes der Fachkr\u00e4fte\u00c2\u00adkommission Hessen haben die Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit (RD Hessen), die Vereinigung der hessischen Unternehmerverb\u00e4nde (VhU) und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Hessen-Th\u00fcringen heute in einer Pressekonferenz einen Zwischenbericht vorgelegt. Im September 2012 hatte die Kommission sechs Handlungsfelder mit Ma\u00dfnahmenvorschl\u00e4gen zur Sicherung des Fachkr\u00e4ftepotentials in Hessen vorgestellt:<!--more--><\/p>\n<ul>\n<li>Optimierung des \u00dcbergangs von Schule und Beruf<\/li>\n<li>Erhalt individueller Besch\u00e4ftigungsf\u00e4higkeit \u00c4lterer<\/li>\n<li>Entwicklung Lebenslangen Lernens zum Standard in Hessen<\/li>\n<li>Zentrale Bedeutung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie<\/li>\n<li>Sicherung des Arbeitsmarktzugangs f\u00fcr Menschen mit Behinderungen<\/li>\n<li>Erg\u00e4nzung des inl\u00e4ndischen Potentials durch ausl\u00e4ndische Fachkr\u00e4fte.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen, gab eine Zwischenbilanz: \u201eVieles hat sich in den letzten zwei Jahren bewegt und wir k\u00f6nnen in fast allen Bereichen deutliche Fortschritte erkennen. Exemplarisch m\u00f6chte ich die deutlich gestiegene Teilnahme am Arbeitsleben von Frauen und Schwerbehinderten, aber auch von \u00c4lteren und Migranten benennen. Es bleiben aber auch Handlungsfelder. Ein Beispiel ist die noch immer hohe Zahl von jungen Menschen im sogenannten \u00dcbergangsbereich von Schule und Beruf. Hier gibt es deutlichen Bedarf zur weiteren Gegensteuerung, um die unn\u00f6tige Zeit in Warteschleifen zu vermeiden und die Chancen auf einen direkten Einstieg in das Berufsleben zu erh\u00f6hen. Auch im Bereich der Nachqualifizierung von Personen ohne Berufsabschluss m\u00fcssen die in Erarbeitung befindlichen Konzepte zeitnah zur Umsetzung kommen. Politik und Unternehmen, Arbeitsagenturen und Gewerkschaften sind hier gleicherma\u00dfen in der Pflicht &#8211; Fachkr\u00e4ftesicherung ist Politik zum Erhalt und Ausbau des starken Wirtschaftsstandorts Hessen.\u201c<\/p>\n<p>Martin hob hervor: \u201eGute Voraussetzungen haben junge Menschen, die einen Schulabschluss aufweisen k\u00f6nnen. Die Zahl der Schulabg\u00e4nger ohne Schulab\u00c2\u00adschluss ist erfreulicherweise gesunken und der selbstgesetzte Zielwert der Kommission bald erreicht.\u201c Der Anteil der Schulabg\u00e4nger ohne Schulabschluss eines Jahrgangs lag 2013 bei 4,1 Prozent. Im Jahr 2000 waren noch \u00fcber 10,0 Prozent aller Absolventen eines Jahrgangs ohne Abschluss.<\/p>\n<p>Weitere Fortschritte gibt es bei:<\/p>\n<ul>\n<li>der Besch\u00e4ftigungsquote der 60 bis unter 65-j\u00e4hrigen: Innerhalb von sechs Jahren stieg die Quote um \u00fcber 10,0 Prozentpunkte auf 26,8 Prozent an.<\/li>\n<li>der Zahl erwerbst\u00e4tiger Frauen: von 2005 bis 2013 stieg die Zahl um \u00fcber 200.000 Personen auf 1.420 Millionen an.<\/li>\n<li>der Zahl schwerbehinderter Menschen in Besch\u00e4ftigung: 2013 waren rund 92.000 Menschen mit einer Behinderung besch\u00e4ftigt, das sind 20,0 Prozent mehr als noch 2005.<\/li>\n<li>der Begleitung von Migranten ins Erwerbsleben. Mit der Einrichtung des Frankfurter Welcome Centers sowie der mobilen Anerkennungsberatung hat das Land Hessen wegweisende und wichtige Schritte initiiert.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Abschlie\u00dfend res\u00fcmierte Martin, dass sich aktuell kein fl\u00e4chendeckender Fachkr\u00e4fte\u00c2\u00adbedarf in Hessen zeige. Es g\u00e4be jedoch Engp\u00e4sse in einzelnen technischen Berufen sowie in den Gesundheits- und Pflegeberufen. Die ersten Ergebnisse zeigten, dass durch die steigende Erwerbst\u00e4tigkeit von \u00c4lteren, Frauen und Menschen mit Behin\u00c2\u00adde\u00c2\u00adrungen Bedarfe gedeckt werden k\u00f6nnen. Die Integration von Langzeitar\u00c2\u00adbeits\u00c2\u00ad\u00c2\u00adlo\u00c2\u00adsen und Fl\u00fcchtlingen sei ein zus\u00e4tzliches Handlungsfeld, dem sich die Bundesagentur f\u00fcr Arbeit verst\u00e4rkt widmen werde.<\/p>\n<p>Volker Fasbender, VhU-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer: \u201eEine duale Berufsausbildung, verbunden mit einer Hochschulzugangs\u00c2\u00adberechtigung und damit der Option, jederzeit die eigene Qualifikation auszubauen, ist der erfolgreiche Praxis-Weg f\u00fcr Fach- und F\u00fchrungskr\u00e4fte, der einem rein schulischen Weg zum Studium und erst danach in den Beruf mindestens ebenb\u00fcrtig ist. In der hessischen Wirtschaft gewinnen wir aber Jahr f\u00fcr Jahr weni\u00c2\u00adger Jugendliche f\u00fcr die duale Berufsausbildung. Sch\u00fcler, die fr\u00fcher die anspruchs\u00c2\u00advollen Ausbildungsberufe besetzt haben, gehen heute direkt an die Hochschule. Dabei ist das sogenannte \u00dcbergangssystem ein Teil des Problems, denn es bietet eine leicht zug\u00e4ng\u00c2\u00adliche Alternative zur dualen Berufsausbildung und die Aussicht auf die Fachhoch\u00c2\u00adschulreife. Also folgen Jugendliche dem allgemeinen Trend, bleiben im Schul\u00c2\u00adsystem und umgehen die Praxis. Aber der Trend zur Akade\u00c2\u00admi\u00c2\u00adsierung geht am Arbeitsmarkt vorbei, da er theoretisch orientierte Qualifika\u00c2\u00adtionen vermittelt, die in diesem Umfang auf dem Arbeitsmarkt nicht nachgefragt werden.\u201c Fasbender verwies auf das letzte Woche vorgestellte 5-Punkte-Programm der VhU f\u00fcr eine attraktivere duale Ausbildung mit Hochschulzugang f\u00fcr Facharbeiter.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend jeder Azubi durch ein Bewerbungsverfahren seinen Arbeitgeber von seiner pers\u00f6nlichen Eignung \u00fcberzeugen m\u00fcsse, st\u00fcnden vollschulische Bildungswege und Hochschulen (au\u00dferhalb des Numerus clausus) jedem offen, der die formalen Vor\u00c2\u00adaus\u00c2\u00adsetzungen erf\u00fclle. Und Jahr f\u00fcr Jahr gingen 17.000 Jugendliche in das \u00dcber\u00c2\u00adgangssystem, statt in die erfolgreiche duale Ausbildung. 5.100 Sch\u00fcler besuchen nach der allgemeinbildenden Schule zwei Jahre die Berufsfachschule, 1.200 die einj\u00e4hrige h\u00f6here Berufsfachschule, 4.400 Sch\u00fcler Bildungsg\u00e4nge zur Berufs\u00c2\u00advorberei\u00c2\u00adtung an Berufsschulen und 4.600 befinden sich in Berufsvorberei\u00c2\u00adtungs\u00c2\u00adma\u00dfnahmen der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit. Diese kompensatorischen Ma\u00dfnahmen h\u00e4tten sich inzwischen als Standard etabliert.<\/p>\n<p>Hinzukomme die schulische Berufsausbildung, eine sinnvolle Alternative, solange es mehr Bewerber als Ausbildungsstellen gab, aber beim heutigen Bewerber\u00c2\u00admangel entbehrlich. 2.500 Sch\u00fcler beg\u00e4nnen j\u00e4hrlich eine Assistenten\u00c2\u00adausbildung an der zweij\u00e4hrigen h\u00f6heren Berufsfachschule und erhielten einen berufsqualifizierenden Abschluss, f\u00fcr den es jedoch keine nennenswerte Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt gebe. Der Arbeitsmarkt sei aber in der Regel nicht das Ziel dieser Gruppe. Mit einem weiteren Jahr an der Fachoberschule erhielten sie die Fachhochschulreife.<\/p>\n<p>Viele Absolventen des \u00dcbergangssystems zielten sowieso auf die Fachoberschule, die aufbauend auf einem mittleren Abschluss die Fachhochschulreife biete. Dieser Schulzweig wachse im allgemeinen Trend der Akademisierung von Jahr zu Jahr. Im Schuljahr 2012\/13 h\u00e4tten 9.550 Sch\u00fcler in der zweij\u00e4hrigen Form begonnen. Aber dieser Weg habe einen Preis. Studienanf\u00e4nger, die \u00fcber diesen Weg an die Hochschulen k\u00e4men, seien unter den Studienabbrechern weit \u00fcberrepr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>Sandro Witt, stellv. Vorsitzender des DGB Hessen-Th\u00fcringen: \u201eMomentan ist die Zahl der Schulabg\u00e4nger noch stabil. Das sollte aber nicht dar\u00fcber hinweg t\u00e4uschen, dass nach wie vor zu viele junge Menschen ohne Schulabschluss die Schule verlas\u00c2\u00adsen, um dann im so genannten \u00dcbergangssystem zu verharren. Sie m\u00fcssen in die Betriebe, um einen Beruf zu erlernen. Die Warteschleifen sind unn\u00f6tige Bremskl\u00f6tze in der Biografie dieser Menschen.\u201c Witt forderte von allen Beteiligten, die n\u00e4chsten Jahre konsequent im Sinne der Fachkr\u00e4ftesicherung zu nutzen. \u201eDie Ausbildung von heute, ist die Fachkr\u00e4ftesicherung von morgen. Der Ver\u00e4nderungsbedarf in der beruflichen Bildung ist un\u00fcbersehbar.\u201c<\/p>\n<p>In Hessen herrsche angesichts von 120.000 Menschen ohne Berufsabschluss dringen\u00c2\u00adder Nachqualifizierungsbedarf. \u201eDer DGB schl\u00e4gt ein kollegiales Mentoring f\u00fcr die Nachqualifizierung vor. Geschulte Kolleginnen und Kollegen begleiten die Bildungs\u00c2\u00adwege der zu Qualifizierenden.\u201c Zudem m\u00fcsse die Anerkennung ausl\u00e4ndischer Berufsabschl\u00fcsse zwingend neu geregelt werden. \u201e500 Euro f\u00fcr die Anerkennung des tschechischen Restaurantmeisters zum deutschen Referenzberuf ist weniger eine Einladung als eine finanzielle H\u00fcrde.\u201c<\/p>\n<p>Nicht vergessen werden d\u00fcrfe die Qualit\u00e4t der angebotenen betrieblichen Ausbil\u00c2\u00addungs\u00c2\u00adpl\u00e4tze, so Witt abschlie\u00dfend. \u201eDas oft genannte Argument der Ausbildungs\u00c2\u00adunreife von jungen Menschen seitens der Arbeitgeber ist nicht haltbar. Es sind die Branchen, die h\u00e4nderingend nach Auszubildenden suchen, wo die Ausbildungsqualit\u00e4t sehr oft zu w\u00fcnschen \u00fcbrig l\u00e4sst.\u201c<\/p>\n<p>Die RD Hessen und die beteiligten Sozialpartner sind sich dar\u00fcber einig, dass die ersten Schritte helfen, der demografischen Herausforderung angemessen zu begeg\u00c2\u00adnen. Es besteht Einigkeit, dass die noch offenen Handlungsfelder gemeinsam mit der Politik angegangen werden m\u00fcssen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Frankfurt am Main. Zwei Jahre nach Ver\u00f6ffentlichung des Berichtes der Fachkr\u00e4fte\u00c2\u00adkommission Hessen haben die Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit (RD Hessen), die Vereinigung der hessischen Unternehmerverb\u00e4nde (VhU) und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Hessen-Th\u00fcringen heute in einer Pressekonferenz einen Zwischenbericht vorgelegt. 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