{"id":126199,"date":"2014-06-27T05:58:53","date_gmt":"2014-06-27T05:58:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=126199"},"modified":"2014-06-27T05:58:53","modified_gmt":"2014-06-27T05:58:53","slug":"die-ruedesheimer-seilbahn-wird-60","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=126199","title":{"rendered":"Die R\u00fcdesheimer Seilbahn wird 60"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_126200\" style=\"width: 275px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Schweben-\u00fcberm-Rebenmeer_R\u00dcD-AG.jpg\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-126200\" class=\"size-thumbnail wp-image-126200\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Schweben-\u00fcberm-Rebenmeer_R\u00dcD-AG-265x176.jpg\" alt=\"Bild: R\u00dcD AG\" width=\"265\" height=\"176\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-126200\" class=\"wp-caption-text\">Bild: R\u00dcD AG<\/p><\/div>\n<p>R\u00fcdesheim. \u00dcber 200 H\u00f6henmeter \u00fcberwindet die 1373 Meter lange Seilbahnstrecke, um Passagiere hoch zur Germania zu gondeln. Manchmal auch nachts. Bis zu 720 G\u00e4ste kann die R\u00fcdesheimer Seilbahn pro Stunde in jeder Richtung bef\u00f6rdern. Der Zustieg ist bequem und stufenlos m\u00f6glich. Jede Kabine kann zum Ein- und Aussteigen angehalten werden. Auch Fahrr\u00e4der, Kinderwagen und Rollst\u00fchle d\u00fcrfen mit. Die Fahrt ist ein Genuss: Mit pr\u00e4chtigem Blick auf Rhein und Reben schweben die Fahrg\u00e4ste in zehnmin\u00fctiger Fahrt hinauf auf den Niederwald. Jedes Jahr nutzen Hunderttausende die Seilbahn. \u201eUnfallfrei\u201c, wie Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Orben betont. Inzwischen wurden mehr als 30 Millionen Besucher bef\u00f6rdert. Der 35-millionste Gast wird noch in diesem Sommer erwartet. Das passt gut, denn in 2014 feiert die R\u00fcdesheimer Institution ihren 60sten Geburtstag.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Den Vorl\u00e4ufer zog Kaiser Wilhelm hoch<\/strong><\/p>\n<p>Einst schnauften \u201eKaiser Wilhelm\u201c und \u201eMoltke\u201c den Berg hinauf und bliesen dicke Qualmwolken \u00fcber die Rebst\u00f6cke. \u201eKaiser Wilhelm\u201c und \u201eMoltke\u201c hie\u00dfen zwei der Lokomotiven, die auf der Zahnradbahnstrecke von R\u00fcdesheim zum Niederwalddenkmal betrieben wurden. Diese Zahnradbahn ist der \u201eVorl\u00e4ufer\u201c der R\u00fcdesheimer Seilbahn. Als das Niederwalddenkmal als Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr den deutsch-franz\u00f6sischen Krieg von 1870\/71 im Jahre 1883 fertig gestellt worden war, blickte von seinem wuchtigen Sockel wahrlich kein leichtes M\u00e4dchen ins Rheintal hinab: die bronzene \u201eGermania\u201c ist mehr als 12 Meter hoch und wiegt 32 Tonnen. Sie wirkte trotzdem anziehend. Doch wer sie und das fast 38 Meter hohe Monument besichtigen wollte, musste die 225 H\u00f6henmeter vom Flussufer bis zur vorspringenden Bergnase des Niederwalds hinauf schnaufen. Das war in einer knappen Stunde zu schaffen, schreckte aber manch untrainierten Reisenden von einem Stelldichein mit Germania ab.<\/p>\n<p><strong>Der Zahn der Zeit nagte auch an der Zahnradbahn <\/strong><\/p>\n<p>In R\u00fcdesheim war der Tourismus bereits Ende des 19. Jahrhunderts eine wichtige Einnahmequelle. Und die Touristen zogen hinauf zur preu\u00dfischen Madonna, wie die Germania heute noch liebevoll genannt wird. So nahm 1885 die Niederwaldbahn-Gesellschaft den Betrieb einer Zahnradbahn auf, die in manchen Streckenabschnitten eine Steigung von 20 Prozent auf ihrer 2,3 Kilometer langen Fahrt bew\u00e4ltigte. Das endg\u00fcltige Aus f\u00fcr die Zahnradbahn, die bis zu 230.000 Personen im Jahr bef\u00f6rderte, kam am 25. November 1944. Bei der Bombardierung R\u00fcdesheims wurden die Bahnanlagen stark besch\u00e4digt.<\/p>\n<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg stiegen die Besucherzahlen des nur leicht besch\u00e4digten Niederwalddenkmals wieder sprunghaft an. Zun\u00e4chst wurden die G\u00e4ste mit Bussen zum Denkmal bef\u00f6rdert. Aber das war nur eine \u00dcbergangsl\u00f6sung. Inzwischen war klar geworden: Der Wiederaufbau der Zahnradbahnstrecke ist unrentabel. Die Kapazit\u00e4t reicht nicht mehr aus. Eine moderne und zugleich kosteng\u00fcnstigere L\u00f6sung musste her.<\/p>\n<p><strong>Nach oben schweben &#8211; ganz ohne Schnaufen<\/strong><\/p>\n<p>Die Idee f\u00fcr eine Seilschwebebahn stammt aus dem April 1950. Der R\u00fcdesheimer Bauunternehmer Valentin Schlotter schlug dem Stadtparlament vor, eine solche Bahn zu bauen. Doch der Kommune fehlten die daf\u00fcr erforderlichen Mittel. Etwas mehr als drei Jahre sp\u00e4ter, am 22. Juli 1953, konstituierte sich die Privatinitiative \u201eInteressengemeinschaft R\u00fcdesheimer Seilbahn\u201c. Im November 1953 schlie\u00dflich wurde die Kommanditgesellschaft \u201eBayer, Opitz und Co.\u201c gegr\u00fcndet. Neben engagierten B\u00fcrgern geh\u00f6rten ihr auch die Stadt und der damalige Rheingaukreis an. Kurz darauf montierte die Spezialfirma J. Polig AG die Einseil-Umlaufbahn. Das K\u00f6lner Unternehmen hatte damals 80 Jahre Erfahrung mit dem Seilbahnbau. Von der J. Polig AG stammt zum Beispiel auch die Seilbahn zum \u201eZuckerhut\u201c in Rio de Janeiro.<\/p>\n<p>Am Gr\u00fcndonnerstag 1954 setzten sich zum ersten Mal die Zweierkabinen in Bewegung. Die bequemen Gondeln machten in der Berg- und Talstation ein problemloses Ein- und Aussteigen m\u00f6glich. Bereits im Sommer 1955 wurde der einmillionste Fahrgast begr\u00fc\u00dft. Im Sommer 2014 wird der 35-millionste Fahrgast erwartet. Unf\u00e4lle oder technische Defekte gab es in den vergangenen 60 Jahren nie. Wobei Vorsicht die Mutter der Gondel ist: Bei starkem Wind oder Gewitter wird der Betrieb eingestellt.<\/p>\n<p><strong>Die Neue sieht aus wie die Alte &#8211; mit Absicht<\/strong><\/p>\n<p>Seit 2005 ist die neue R\u00fcdesheimer Seilbahn im Einsatz. Die offenen Kabinen, in denen sich die Fahrg\u00e4ste wie eh und je gegen\u00fcber sitzen, bieten mehr Platz und somit mehr Komfort. Ganz wichtig: In ihnen ist modernste Seilbahn-Technik und das bew\u00e4hrte R\u00fcdesheimer Gondel-Design vereinigt.<\/p>\n<p>Technik und Steuerung der neuen Anlage kommen aus dem Alpen-Raum. Und die R\u00fcdesheimer Firma Anschau lieferte die neuen Gondeln im traditionellen Outfit. F\u00fcnfundachtzig eierf\u00f6rmige Edelstahlkabinen f\u00fcr jeweils zwei Personen wurden montiert.<\/p>\n<p>Die Seilbahntechnik stammt von dem Lenggrieser Anbieter LST Loipolder, die Steuerung kommt von Siemens Austria, die Elektrik war Aufgabe des Greilinger Unternehmens Luidl. Mit Planung und Ausf\u00fchrung wurden ortsans\u00e4ssige Firmen betraut \u2013 so zum Beispiel das R\u00fcdesheimer Architekturb\u00fcro Schlotter + Tr\u00e4uptmann und das Bauunternehmen Schlotter. Gebaut wurde unter anderem eine 400 Quadratmeter gro\u00dfe Halle, in der die Kabinen in der Bergstation untergebracht werden k\u00f6nnen. Sie ist gleichzeitig auch f\u00fcr Veranstaltungen konzipiert.<\/p>\n<p>Heute ist die Seilbahn im Besitz der Stadt R\u00fcdesheim, des Landkreises und zw\u00f6lf privater Gesellschafter. Neben f\u00fcnf Angestellten werden zehn Saisonkr\u00e4fte besch\u00e4ftigt. Sie haben gut zu tun, denn jedes Jahr nutzen Hunderttausende die Seilbahn, deren Talstation in der R\u00fcdesheimer Oberstra\u00dfe liegt.<\/p>\n<p>Modern und doch mit ihrem ganz besonderen Charme schwebt die Seilbahn R\u00fcdesheim so auch im 60sten Jahr von der Oberstra\u00dfe Nummer 37 zum Fu\u00dfe des Niederwalddenkmals. Dort \u00fcbrigens findet sich auch Kaiser Wilhelm I. noch: Er ist lebensgro\u00df als eine der 200 Figuren im Bronzerelief des Monuments verewigt.<\/p>\n<p>Weitere Infos:Seilbahn R\u00fcdesheim, Tel. 06722 24 02, <a href=\"http:\/\/www.seilbahn-r%9Fdesheim.de\/\">www.seilbahn-ruedesheim.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>R\u00fcdesheim. \u00dcber 200 H\u00f6henmeter \u00fcberwindet die 1373 Meter lange Seilbahnstrecke, um Passagiere hoch zur Germania zu gondeln. Manchmal auch nachts. Bis zu 720 G\u00e4ste kann die R\u00fcdesheimer Seilbahn pro Stunde in jeder Richtung bef\u00f6rdern. Der Zustieg ist bequem und stufenlos m\u00f6glich. Jede Kabine kann zum Ein- und Aussteigen angehalten werden. 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