{"id":125141,"date":"2014-06-12T07:04:12","date_gmt":"2014-06-12T07:04:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=125141"},"modified":"2014-06-12T07:04:12","modified_gmt":"2014-06-12T07:04:12","slug":"tatort-e-mail-im-schwurgerichtssaal-digitaler-krieg-im-kampf-um-daten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=125141","title":{"rendered":"Tatort E-Mail im Schwurgerichtssaal &#8211; Digitaler Krieg im Kampf um Daten"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Fischer.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-125142\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Fischer-265x158.jpg\" alt=\"Fischer\" width=\"265\" height=\"158\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Fischer-265x158.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Fischer.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a>Fulda. Die Tische der Staatsanwaltschaft waren wegger\u00e4umt und vor dem Richterpult eine gro\u00dfe Leinwand aufgebaut, der Schwurgerichtssaal des Landgerichts Fulda zur B\u00fchne f\u00fcr den \u201eTatort E-Mail\u201c vorbereitet. Vor gut 40 heimischen Unternehmern referierte der Spiegelbestseller Autor und Cyberfahnder Michael George auf Einladung des Fuldaer IT-Systemhauses Drimalski + Partner, dort wo sonst Kapitaldelikte wie Mord und Totschlag verhandelt werden.<\/p>\n<p>Vor die K\u00fcr hatten die Sicherheitsbeamten des Landgerichts f\u00fcr die G\u00e4ste von Drimalski + Partner die Pflicht gesetzt. Alle mussten die Sicherheitsschleuse passieren und wurden so schon einmal auf die Brisanz des Themas eingestellt. Landgerichtspr\u00e4sident Erich Fischer freute sich nicht nur \u00fcber den engen Kontakt zur Wirtschaft, sondern r\u00e4umte auch ein, dass der Gesetzgeber, das aus dem vergangenen Jahrtausend stammende Strafgesetzbuch erst noch den Tatbest\u00e4nden der Cyberkriminalit\u00e4t anpassen m\u00fcsse. So sei der Handel mit gestohlenen Daten nicht unbedingt mit Hehlerei gleichzusetzen.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Stroscher: \u201eNiemand h\u00e4ngt das gern an die gro\u00dfe Glocke\u201c.<\/strong><\/p>\n<p>J\u00fcrgen Stroscher, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Drimalski + Partner, stimmte die G\u00e4ste auf den Tatort ein. Er betonte, dass mittlerweile drei von vier Unternehmen von Cyberkriminalit\u00e4t betroffen seien. Im schlimmsten Fall habe dies Existenz bedrohende Konsequenzen. Tatort, Taten und Folgen blieben dabei meist im Verborgenen. Denn h\u00e4ufig w\u00fcssten die betroffenen Unternehmen gar nicht, dass sie ausgesp\u00e4ht werden. \u201eUnd niemand h\u00e4ngt es an die gro\u00dfe Glocke, dass er ein IT-Sicherheitsproblem hat\u201c. Stroscher freute sich, mit Michael George, dem Leiter des Zentrums f\u00fcr Cyber Allianz beim Bayrischen Verfassungsschutz einen Experten gewonnen zu haben, der nicht nur m\u00f6gliche Fehlerquellen, sondern auch L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten aufzeige.<\/p>\n<p>George, der mit seinem Buch \u201eGeh@ckt\u201c auf der Spiegelbestsellerliste steht, betonte, dass in 80 Prozent der Cyberspionagef\u00e4lle der Mensch der Schl\u00fcsselfaktor sei. \u201eDie eigenen Mitarbeiter sind das gr\u00f6\u00dfte Risikopotenzial\u201c. Immer mehr erhielten Cyberangriffe eine soziale Kompetenz. Angreifer nutzten dabei bewusst den \u201eExhibitionismus in den sozialen Netzwerken\u201c aus. Kein Angriff erfolge ohne Interesse. \u201eDer digitale Krieg im Kampf um Daten ist in vollem Gange\u201c, sagte George. Daten seien das neue Gold. Eine ganz neue Dimension der Bedrohung entstehe im Zeitalter der Vernetzung von Maschinen und Anlagen. Derzeit seien vier Milliarden Ger\u00e4te vernetzt, bis 2020 soll die Zahl auf \u00fcber 50 Milliarden steigen. \u201eDie Produktionsanlagen der Industrie haben den IT-Sicherheitsstandard der 1990er Jahre\u201c.<\/p>\n<p><strong>George: \u201eSpionagetechnik gibt\u00e2\u20ac\u2122s bei Ebay\u201c.<\/strong><\/p>\n<p>Anhand einer alten Postkartensammlung stellte der Cyberfahnder vor, wie Hacker mit unverschl\u00fcsselter E-Mail-Kommunikation umgehen. Die Mails k\u00f6nnten nicht nur gelesen, sondern auch ver\u00e4ndert werden, ohne, dass Sender und Empf\u00e4nger etwas davon mitbek\u00e4men. Auch die mobilen Endger\u00e4te wie Smartphones und Tabletts seien l\u00e4ngst ins Fadenkreuz der Cyberkriminellen geraten. Mit einem kleinen Experiment f\u00fchrte George vor, wie leicht es ist, mobile Tan\u00c2\u00b4s f\u00fcr das elektronische Bankverfahren abzufangen und auf ein anderes Handy umzuleiten. \u00dcber die Anbindung an betriebliche und private WLAN-Netze seien die mobilen Endger\u00e4te zudem f\u00fcr die Hacker willkommene Eintrittspforten in die Netze. Die ben\u00f6tigte Spionagetechnik, so George abschlie\u00dfend, k\u00f6nne f\u00fcr wenige Euro bei Ebay und anderen Internetplattformen erworben werden.<\/p>\n<p><strong>Nach Snwoden nichts ge\u00e4ndert<\/strong><\/p>\n<p>Den Wunsch nach einer kritischen Einsch\u00e4tzung der aktuellen Bedrohungslage und den Folgen der Snowden Aff\u00e4re blieb der Referent den Zuh\u00f6rern allerdings schuldig. Nach den Worten von J\u00fcrgen Stroscher ist \u201eseit der Ver\u00f6ffentlichung des NSA Skandals ist viel passiert. Oder besser gesagt: Nichts ist passiert! Der B\u00fcrger hat nicht das Gef\u00fchl, dass der Staat viele Anstrengungen unternimmt, die Geheimdienste in ihrem Tun in Frage zu stellen.\u201c Hier h\u00e4tte der Zuh\u00f6rer sich \u00fcber eine etwas klarere Aussage zu dem Engagement der Politiker oder zumindest der neu geschaffenen Einrichtung, dem Zentrum f\u00fcr Cyber Allianz, gew\u00fcnscht. \u201eDiese Stelle soll ja den Unternehmen nicht nur als Anlaufstelle bei akuten Spionagevorf\u00e4llen dienen, sondern vielmehr Aufkl\u00e4rungsarbeit leisten, zu den potentiellen Gefahren der Cyberkriminalit\u00e4t, da ist der Staat (als Gegner) nicht ausgenommen.\u201c<\/p>\n<p><strong>E-Mail wie Postkarten<\/strong><\/p>\n<p>Bernhard G\u00f6ssel vom Unternehmen Infinigate Deutschland, das sich auf den Handel mit IT Sicherheitssoft- und -hardware spezialisiert hat, gab einen \u00dcberblick \u00fcber die gebr\u00e4uchlichsten E-Mail Verschl\u00fcsselungsverfahren. Die Wahl des Verfahrens h\u00e4nge dabei von der Sensibilit\u00e4t der Daten und vom Volumen des Datenverkehrs ab. In jedem Fall entstehe durch die Verschl\u00fcsselung ein zus\u00e4tzlicher Aufwand, sowohl zeitlich f\u00fcr den Nutzer als auch finanziell f\u00fcr die Anpassung der Kommunikationssysteme in den Unternehmen. Wer auf E-Mail-Verschl\u00fcsselung verzichte, so G\u00f6ssel, bewege sich auf dem Niveau von mit Bleistift beschriebenen Postkarten. G\u00f6ssel empfahl den Unternehmern, das Thema nicht auf die leichte Schulter zu nehmen und sich von professionellen Experten beraten zu lassen. Denn auf Dauer w\u00fcrden immer mehr Lieferanten und Kunden auf einer verschl\u00fcsselten E-Mail-Kommunikation bestehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Fulda. 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