{"id":12480,"date":"2008-10-02T15:40:26","date_gmt":"2008-10-02T13:40:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=12480"},"modified":"2008-10-05T15:40:48","modified_gmt":"2008-10-05T13:40:48","slug":"vergleich-zwischen-land-und-bund-mit-verspaetung-umgesetzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=12480","title":{"rendered":"Vergleich zwischen Land und Bund mit Versp\u00e4tung umgesetzt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gersfeld\/Wildflecken.<\/strong> In den letzten Wochen wurde heftig diskutiert, ob die Aufl\u00f6sung des Naturschutzgebietes Haderwald durch die hessische Landesregierung den Interessen des Biosph\u00e4renreservats Rh\u00f6n zuwider laufe. Wer die Geschichte der Ausweisung des Naturschutzgebiets nicht kennt, konnte leicht den Eindruck gewinnen, dass Naturschutzbe-lange nicht hinreichend gew\u00fcrdigt w\u00fcrden. F\u00fcr den Leiter des Biosph\u00e4renreservats beim Landkreis Fulda, Otto Evers, ist dies Veranlassung zu einer Stellungnahme. Tats\u00e4chlich werde jetzt umgesetzt, was seit geraumer Zeit zwischen Bund und Land ausgehandelt sei.<!--more-->Anfang der neunziger Jahre habe es erbitterte Diskussionen gegeben, ob der Truppen-\u00fcbungsplatz \u00fcberhaupt in das Biosph\u00e4renreservat aufgenommen werden sollte. Gegner h\u00e4t-ten es als Widerspruch in sich betrachtet, wenn die UNESCO als Kultur- und Bildungsorga-nisation mit klarem Friedensauftrag Fl\u00e4chen zu einem Biosph\u00e4renreservat erkl\u00e4re, die der Ausbildung von Soldaten dienten. Hingegen h\u00e4tten Bef\u00fcrworter in den weitgehend beruhigten Abschnitten des Truppen\u00fcbungsplatzes die hohe Artenvielfalt als sch\u00fctzens- und erhal-tenswert erachtet. Diese Meinung habe sich, so der Diplom-Ingenieur, letztlich durchsetzt.<\/p>\n<p><strong>Sympathie in Bev\u00f6lkerung f\u00fcr naturschutzfachliche L\u00f6sung<\/strong><\/p>\n<p>Mit der Erarbeitung des Rahmenkonzeptes sei dann der Wunsch immer gr\u00f6\u00dfer geworden, den hessischen Teil des Truppen\u00fcbungsplatzes, den Haderwald, mit seinen 1.800 Hektar insgesamt zur Kernzone zu erkl\u00e4ren. Diese Forderung habe die Bev\u00f6lkerung mitgetragen, da im Raum Gersfeld bedingt durch die erheblichen milit\u00e4rischen Belastungen die Sympathie f\u00fcr eine naturschutzfachliche L\u00f6sung gro\u00df gewesen sei. Dabei d\u00fcrfe nicht vergessen werden, dass das Biosph\u00e4renreservat auch damals unter dem Druck gestanden habe, geeignete gro\u00dffl\u00e4chige Kernzonen auszuweisen, erinnert sich der Fachdienstleiter beim Landkreis.<\/p>\n<p>Nach Aussage von Otto Evers sei es Mitte der neunziger Jahre ein \u201egewagter Schachzug\u201c seitens der Landesregierung gewesen, insgesamt 1.400 Hektar des hessischen Haderwalds per Naturschutzgebietsverordnung auszuweisen und gleichzeitig als Kernzone zu deklarieren. Gewagt deshalb, weil sich der Truppen\u00fcbungsplatz im Bundeseigentum befinde und dem \u00fcbergeordneten Ziel der Landesverteidigung diene. \u201eWeil der Grundsatz gilt, dass Bun-desrecht Landesrecht bricht, war diese Ma\u00dfnahme juristisch umstritten.\u201c 1999 habe schlie\u00df-lich der Bund Normenkontrollklage beim hessischen Verwaltungsgerichtshof angestrengt.<\/p>\n<p>Nach z\u00e4hen Verhandlungen h\u00e4tten sich Bundesverteidigungs- und Bundesfinanzministerium mit der Landesregierung auf einen Vergleich geeinigt. Evers: \u201eDie Naturschutzgebietsverord-nung muss aufgehoben werden. Im Gegenzug erhielt das Land die Zusage, dass Teile des hessischen Haderwalds als Kernzone zur Verf\u00fcgung gestellt werden.\u201c Diese Regelung sei dem Biosph\u00e4renreservat seit der Evaluierung 2003 bekannt. Im Zuge der Planungen zum Schutzgebietssystem NATURA 2000 h\u00e4tten rund 560 Hektar als zusammenh\u00e4ngende Kern-zone abgegrenzt werden k\u00f6nnen. Dementsprechend habe man in den Diskussionen der letz-ten Jahre immer nur von den vereinbarten 560 Hektar gesprochen und diese in die Kalkula-tionen einbezogen.<\/p>\n<p><strong>Bei Ausweisung von Kernzonen auf einem gutem Weg <\/strong><\/p>\n<p>Erst im Sommer 2008 habe die hessische Landesregierung die damals getroffene Vereinba-rung in die Tat umgesetzt und mit dem Verfahren zur Aufhebung der Naturschutzgebietsver-ordnung \u201eHaderwald\u201c entsprechend dem Vergleich aus dem Jahre 2005 begonnen. Unter dem Strich k\u00f6nne sich das Biosph\u00e4renreservat Rh\u00f6n mit dieser Situation durchaus einver-standen erkl\u00e4ren, lautet das Fazit des Verwaltungsstellenleiters. Otto Evers sieht es als Erfolg an, dass auf diese Weise 560 Hektar im hessischen Teil des Truppen\u00fcbungsplatzes dauerhaft als Kernzone zur Verf\u00fcgung st\u00fcnden. H\u00e4tte das Land das Klageverfahren streitig zu Ende gef\u00fchrt, w\u00e4re mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit gar keine Kernzone zur Verf\u00fcgung gestellt worden.<\/p>\n<p>Insgesamt sieht sich die hessische Verwaltungsstelle des Biosph\u00e4renreservats Rh\u00f6n auf \u201eguten Weg\u201c. Evers: \u201eDas hessische Defizit von rund 380 Hektar Kernzone ist beherrschbar. Wir stehen deswegen mit dem Land, Kommunen, Eigent\u00fcmern, Naturschutz, dem Verein Natur- und Lebensraum Rh\u00f6n sowie den Fachbeh\u00f6rden in engem Dialog.\u201c Das Fachform Naturschutz und Kulturlandschaft arbeite aktuell mit einer fachlich fundierten Kernzonenkon-zeption f\u00fcr den hessischen Teil des Biosph\u00e4renreservats. Grundsatzfragen w\u00fcrden mit dem MaB-Komitee unmittelbar abgekl\u00e4rt. \u201eWir sind daher zuversichtlich, dass bis zur n\u00e4chsten \u00dcberpr\u00fcfung des Biosph\u00e4renreservats in 2012\/2013 im Konsens mit der Region geeignete Fl\u00e4chen gefunden und als Kernzonen ausgewiesen werden k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Gersfeld\/Wildflecken. In den letzten Wochen wurde heftig diskutiert, ob die Aufl\u00f6sung des Naturschutzgebietes Haderwald durch die hessische Landesregierung den Interessen des Biosph\u00e4renreservats Rh\u00f6n zuwider laufe. Wer die Geschichte der Ausweisung des Naturschutzgebiets nicht kennt, konnte leicht den Eindruck gewinnen, dass Naturschutzbe-lange nicht hinreichend gew\u00fcrdigt w\u00fcrden. 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