{"id":123621,"date":"2014-05-06T00:12:12","date_gmt":"2014-05-06T00:12:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=123621"},"modified":"2014-05-05T13:59:03","modified_gmt":"2014-05-05T13:59:03","slug":"dem-zeitgeist-anpassen-oder-klare-kante-zeigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=123621","title":{"rendered":"\u201eDem Zeitgeist anpassen oder klare Kante zeigen?\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Fulda. \u201eWie herrlich ist es, dass niemand eine Minute zu warten braucht, um damit zu beginnen, die Welt zu ver\u00e4ndern.\u201c Mit diesen Worten von Anne Frank pl\u00e4dierte Bernd-M. Wehner bei einem Vortrag vor der Kreisseniorenunion Fulda in K\u00fcnzell f\u00fcr ein gr\u00f6\u00dferes Engagement der Christen in der Gesellschaft. Da der freiheitliche, s\u00e4kularisierte Staat von Voraussetzungen lebe, die er selbst nicht garantieren k\u00f6nne, wie es der ehemalige Verfassungsrichter Ernst Wolfgang B\u00f6ckenf\u00f6rde formuliert habe, sei es um so notwendiger, dass sich Christen offensiver daf\u00fcr einsetzten, dass christliche Wertvorstellungen in Staat und Gesellschaft, in Wirtschaft und Arbeitswelt mehr und mehr verwirklicht w\u00fcrden. <!--more--><\/p>\n<p>Der KKV-Bundesvorsitzende, der geb\u00fcrtiger Fuldaer ist, warb deshalb unter dem Motto \u201eDem Zeitgeist anpassen oder klare Kante zeigen? Welchen Einfluss haben Christen noch in Gesellschaft und Politik?\u201c f\u00fcr ein klares christliches Profil in der Politik. \u201eStreichen Sie deshalb Formulierungen wie \u00e2\u20ac\u0161man m\u00fcsste\u00e2\u20ac\u2122 oder \u00e2\u20ac\u0161man sollte\u00e2\u20ac\u2122, sondern setzen Sie sich einfach daf\u00fcr ein, dass unsere Welt christlicher und somit menschlicher wird\u201c, so sein Appell an die Mitglieder der Seniorenunion.<\/p>\n<p><strong>Schweigespirale<\/strong><\/p>\n<p>Im \u00dcbrigen entspreche das Schwinden der Bekenntnisbereitschaft nach Elisabeth Noelle-Neumanns Theorie der \u201eSchweigespirale\u201c. Danach wollten Menschen sich nicht isolieren, beobachteten st\u00e4ndig ihre Umwelt und registrierten aufs Feinste, welche Werte, Meinungen und Verhaltensweisen zu- und welche abn\u00e4hmen. Wer den Eindruck habe, dass seine Einstellung an Boden verliere, verfalle zunehmend in Schweigen: Anh\u00e4nger der (vermeintlichen) Mehrheitsmeinung bek\u00e4men \u201eOberwasser\u201c und exponierten sich umso ungehemmter, mit dem Ergebnis dass sie schlie\u00dflich noch st\u00e4rker erschienen, als sie tats\u00e4chlich seien.<\/p>\n<p>Und weil sich der christliche Glaube nicht auf das Religi\u00f6se beschr\u00e4nken d\u00fcrfe, so der KKV-Bundesvorsitzende, m\u00fcssten sich Christen vor allem im Alltag bew\u00e4hren. \u201eStatt unsere Sch\u00e4tze zu vergraben, m\u00fcssen wir mit ihnen wuchern.\u201c Einer dieser Sch\u00e4tze sei die Katholische Soziallehre \u2013 unser bestgeh\u00fctetes Geheimnis. Schlie\u00dflich suchten gerade in der heutigen Zeit, in der vielfach aus <em>Gleichg\u00fcltigkeit<\/em>alles <em>gleich g\u00fcltig<\/em> erscheine, die Menschen Orientierung. \u201eAls Christen k\u00f6nnen wir ihnen diese Orientierung geben. Wir haben ein Menschenbild, das ohnegleichen ist. Denn nur wenn man den Menschen als Ebenbild Gottes sieht, kann man seine menschliche W\u00fcrde wirklich begr\u00fcnden.\u201c Insofern sollten auch Menschen, die nicht an Gott glauben, froh sein, dass auch ihre Menschenw\u00fcrde durch dieses christlich gepr\u00e4gte Bild gesch\u00fctzt w\u00fcrde, unterstrich Wehner.<\/p>\n<p><strong>Anpassung ist der falsche Weg<\/strong><\/p>\n<p>Gleichzeitig wies der Referent darauf hin, dass der Wind des Relativismus insbesondere der katholischen Kirche m\u00e4chtig um die Ohren blase. \u201eBei vielen Themen steht sie quer zum Zeitgeist: Lebensschutz, Unaufl\u00f6slichkeit der Ehe, Frauenordination, Z\u00f6libat, um nur ein paar Reizthemen zu benennen.\u201c Viele Katholiken meinten deshalb, Kirche m\u00fcsse sich dem Zeitgeist anpassen, da sie sonst Gefahr laufe, in die Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. <strong>Deswegen d\u00fcrften auch<\/strong>Gesetze nicht einfach einer unvern\u00fcnftigen Lebenswirklichkeit angepasst werden. Vielmehr m\u00fcsse die Lebenswirklichkeit den Gesetzen der Vernunft gehorchen.<\/p>\n<p><strong>Lebensschutz \u2013 ohne Wenn und Aber<\/strong><\/p>\n<p>So zeige die aktuelle Diskussion um den Lebensschutz, wie schnell man hier auf eine schiefe Ebene komme. \u201eEs ist geradezu absurd, die Beihilfe zur T\u00f6tung mit Solidarit\u00e4tsgef\u00fchlen f\u00fcr den Kranken zu verbinden\u201c, so Wehner w\u00f6rtlich. Wer k\u00f6nne mit Sicherheit erkennen, ob der \u00e2\u20ac\u0161Wunsch\u00e2\u20ac\u2122 sich selbst zu t\u00f6ten, wirklich aus freiem Willen erfolge? Nicht selten seien es schwere psychische Erkrankungen, die Menschen dazu bewegten, ihrem Leben ein Ende zu setzen. \u201eLeben ist aber ein Geschenk, \u00fcber das wir weder am Anfang noch am Ende frei verf\u00fcgen k\u00f6nnen.\u201c Gefragt sei vielmehr eine liebevolle Betreuung <strong>bis zum<\/strong> Tod und nicht die Bef\u00f6rderung <strong>in den<\/strong> Tod.<\/p>\n<p><strong>Ehe und Familie bilden das Fundament f\u00fcr die Gesellschaft<\/strong><\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus pl\u00e4dierte Wehner eindringlich f\u00fcr die christliche Sicht von Ehe und Familie. Schlie\u00dflich sei die Familie Grundlage f\u00fcr unsere Gesellschaft. Basis hierf\u00fcr sei die Ehe zwischen Frau und Mann. Als kleinste Zelle unserer Gemeinschaft vollbringe die Familie Leistungen, die von anderen Institutionen nicht erbracht werden k\u00f6nnen. In ihr erf\u00fchren Menschen Geborgenheit und Zuwendung. In ihr k\u00f6nnten am besten Werte vermittelt und Verhaltensweisen einge\u00fcbt werden. In der Familie erhielten Kinder Orientierung f\u00fcr ihr sp\u00e4teres Leben. Leider w\u00fcrden aber mehr und mehr Ehe und Familie in der heutigen Zeit in Frage gestellt werden. Das bedingungslose Ja sei jedoch f\u00fcr den Zusammenhalt von Menschen der entscheidende Faktor.<\/p>\n<p><strong>Ethik in der Wirtschaft<\/strong><\/p>\n<p>Ein weiterer Schwerpunkt seiner Ausf\u00fchrungen war die Finanz- und Wirtschaftskrise. Hier habe man zwar wieder die Ethik in der Wirtschaft entdeckt und damit auch den \u201eEhrbaren Kaufmann\u201c, doch \u00fcberwiege inzwischen schon wieder die Einstellung nach dem schnellen Gewinn. \u201eMit einer \u00e2\u20ac\u0161Geiz-ist-geil-Mentalit\u00e4t\u00e2\u20ac\u2122 kann man im Einzelfall mal ein Schn\u00e4ppchen machen\u201c, unterstrich Wehner, \u201elangfristig schadet man aber einer am Menschen orientierten Wirtschaft. Nur wenn der Mensch im Mittelpunkt steht und Werte wie Ehrlichkeit, Zuverl\u00e4ssigkeit und Ma\u00df Leitschnur f\u00fcr das Handeln in Politik und Gesellschaft sind, kann es eine auf Nachhaltigkeit basierende Wirtschafts- und Sozialordnung geben.\u201c Der \u201eehrbare Kaufmann\u201c m\u00fcsse nicht nur in aller Munde sein, sondern er m\u00fcsse vor allem praktiziert werden.<\/p>\n<p><strong>Sonntagsschutz wichtiger denn je<\/strong><\/p>\n<p>Wehner beklagte sodann die zunehmende Arbeitszeit an Sonn- und Feiertagen. So habe in Deutschland die Sonn- und Feiertagsarbeit in einem erschreckenden Ma\u00dfe zugenommen. W\u00e4hrend vor 20 Jahren noch 7,5 Millionen Erwerbst\u00e4tige gelegentlich, regelm\u00e4\u00dfig oder st\u00e4ndig von Sonntagsarbeit betroffen waren, sei diese Zahl inzwischen auf elf Millionen gestiegen. Von daher brauche man sich nicht zu wundern, wenn gerade die junge Generation heute zunehmend \u00fcber Stress und burn-out am Arbeitsplatz klage, weil von der Werkbank bis zur Chefetage der Sonntag als Tag des Abschaltens, des Innehaltens und der Ruhe fehle. Eltern und Kindern helfe es nicht, wenn alle zu unterschiedlichen Zeiten frei h\u00e4tten. Selbst im Handel gehe ein Verzicht auf den freien Sonntag zu Lasten von Mittelstand und Familienunternehmen.<\/p>\n<p><strong>\u201eMut zur Balance zwischen Arbeit und Freizeit\u201c <\/strong><\/p>\n<p>Die Meldung, dass knapp 75.000 M\u00e4nner und Frauen in 2012 wegen psychischer St\u00f6rungen arbeitsunf\u00e4hig geworden seien und erstmals eine Erwerbsminderungsrente bezogen h\u00e4tten, zeige, dass der KKV mit seinem Jahresthema \u00e2\u20ac\u0161Mensch bleib im Gleichgewicht \u2013 Mut zur Balance zwischen Arbeit und Freizeit\u00e2\u20ac\u2122 den Nerv der Zeit getroffen habe. Deshalb pl\u00e4diere man immer wieder f\u00fcr eine Arbeitsphilosophie, die den Menschen in den Mittelpunkt stelle. Hierzu geh\u00f6rten auch eine Kultur der Unerreichbarkeit \u2013 zumindest am Sonntag und im Urlaub.<\/p>\n<p>So h\u00e4tten viele Erkrankungen \u2013 wie beispielsweise Burn out \u2013 seelische Ursachen haben. Nach Auskunft der \u00c4rzte seien etwa 60 Prozent der heutigen Krankheiten sogenannte Leiderkrankungen. Das hei\u00dft: Sie haben ihre Ursachen in einer gest\u00f6rten Seele, einem instabilen Innenleben, einer fehlenden inneren Balance. Im KKV diskutiere man das Thema auch im Rahmen der bundesweit angesto\u00dfenen Kampagne <a href=\"http:\/\/www.neue-arbeitskultur.de\/\">www.neue-arbeitskultur.de<\/a>. Mit einem eigenen Plakatmotiv werbe man bereits seit l\u00e4ngerem via facebook f\u00fcr die &#8220;Kultur der Unerreichbarkeit&#8221;.<\/p>\n<p>Zusammenfassend stellte der KKV-Bundesvorsitzende fest: \u201eDie Themenpalette, bei denen wir als Christen gefragt sind und wo wir Stellung beziehen m\u00fcssten, ist riesig.\u201c Die Frage sei also: Wie gehen wir als Christen damit um? Legen wir die H\u00e4nde in den Scho\u00df und sagen, wir k\u00f6nnen eh nichts \u00e4ndern? Oder sagen wir: Als Christen sind wir heute mehr denn je gefordert, uns in die Gesellschaft einzubringen. \u201eVergraben wir also nicht unsere Talente, sondern wuchern wir mit ihnen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Fulda. \u201eWie herrlich ist es, dass niemand eine Minute zu warten braucht, um damit zu beginnen, die Welt zu ver\u00e4ndern.\u201c Mit diesen Worten von Anne Frank pl\u00e4dierte Bernd-M. 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