{"id":120986,"date":"2014-03-15T00:09:15","date_gmt":"2014-03-15T00:09:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=120986"},"modified":"2014-03-14T17:11:21","modified_gmt":"2014-03-14T17:11:21","slug":"thema-asyl-ist-zu-kompliziert-fuer-einfache-antworten-unterrichtsprojekt-migration-an-der-bardoschule","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=120986","title":{"rendered":"Thema Asyl ist zu kompliziert f\u00fcr einfache Antworten &#8211; Unterrichtsprojekt \u201eMigration\u201c an der Bardoschule"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/103-Asylbewerberheim.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-120987\" alt=\"103-Asylbewerberheim\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/103-Asylbewerberheim.jpg\" width=\"560\" height=\"360\" \/><\/a><\/p>\n<p>Fulda. Mit dem Projekt &#8220;Migration&#8221; wollten die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler der Klasse R9a der Bardoschule den Unterricht im Fach Politik und Wirtschaft lebensnah gestalten. Dabei kam es \u2013 auch dank der Unterst\u00fctzung der zust\u00e4ndigen Stellen beim Landkreis \u2013 zu mehreren Begegnungen mit Bewohnern der Gemeinschaftsunterkunft f\u00fcr Asylbewerber in der Frankfurter Stra\u00dfe. Zu dem Projekt ist am vergangenen Sonntag in den \u201eKreisseiten\u201c der nachfolgende Bericht der R9a (Klassenlehrerin: Anja Listmann) erschienen.<!--more--><\/p>\n<p>Im August 2013 startete unsere Klasse ein Projekt zum Thema Migration. In dem Projekt besch\u00e4ftigen wir uns mit dem Thema Asyl, um zu verstehen, was das \u00fcberhaupt ist und wieso man sich um Asyl bewirbt. Ausl\u00f6ser war die Fl\u00fcchtlingssituation auf Lampedusa in Italien. Zuerst fiel es uns schwer, Kontakte zu Beh\u00f6rden und Asylbewerbern zu kn\u00fcpfen und etwas ,,live&#8221; zu erfahren. Wir kannten allerdings die Asylbewerberunterkunft in der Frankfurter Stra\u00dfe in Fulda und trafen dort auf einige Fl\u00fcchtlinge, unter anderem aus Eritrea und Somalia.<\/p>\n<p>Bis wir die Erlaubnis zum Betreten der Asylbewerberunterkunft erhielten, eigneten wir uns theoretische Kenntnisse an. Hierbei unterst\u00fctzte uns Dr. Vinzenzo Grauso von \u201eEngagement Global\u201c, der uns auf Vermittlung von Frau Volck an zwei Vormittagen in der Bardoschule besuchte und \u00fcber die Fl\u00fcchtlingsproblematik in den Heimatl\u00e4ndern der Asylbewerber und in Deutschland referierte. Er selbst hatte mehrere Jahre als Entwicklungshelfer im S\u00fcdsudan gearbeitet.<\/p>\n<p>An einem weiteren Vormittag luden wir einige Fl\u00fcchtlinge aus der Unterkunft in der Frankfurter Stra\u00dfe zu einem gemeinsamen Fr\u00fchst\u00fcck ein. Zwei Leute folgten unserer Einladung. Dies jedoch verstand die Klasse sehr gut, da es ja nicht so einfach ist, \u00fcber die Flucht zu reden. Doch von diesen zwei Asylbewerbern lernten wir sehr viel. Sie erz\u00e4hlten von ihrer Flucht aus Eritrea und \u00fcber die Gefahren. Eine von diesen Gefahren war, dass man einfach so Fremden vertrauen musste und nur sehr wenig Geld zum Essen und Trinken hatte.<\/p>\n<p>Sie erz\u00e4hlten, dass sie zun\u00e4chst mehrere hundert Kilometer zu Fu\u00df in das Nachbarland Sudan liefen und dort von einem fremden Mann sehr weit in einem Kofferraum eines alten Autos mitgenommen wurden. Immer wieder mussten sie weitere Etappen ihrer Flucht im Kofferraum, auf Lastwagen oder zu Fu\u00df zur\u00fccklegen. F\u00fcr jede einzelne Etappe musste vor der Abfahrt gezahlt werden. Dieses Fluchtgeld brachten ihre Familien und Freunde auf und \u00fcberwiesen das Geld an die Schleuser.<\/p>\n<p>Beide berichteten, dass es zumeist junge M\u00e4nner sind, die die Flucht wagen, da man ihnen zutraut, es bis Europa zu schaffen. Nach 15 Monaten kamen die beiden Eritreaer dann an der \u00e4gyptischen K\u00fcste an und bestiegen ein altes Boot, das mit Menschen \u00fcberf\u00fcllt war. Die \u00dcberfahrt war be\u00e4ngstigend, doch irgendwann landeten sie in Sizilien und versteckten sich vor den Grenzpolizisten.<\/p>\n<p>Wieder vertrauten sie sich einem Schleuser an, der sie bis nach Norwegen bringen sollte. In Deutschland fielen sie allerdings bei einer Kontrolle auf und beantragten nun hier Asyl und wurden nach einigen Wochen der Asylbewerberunterkunft in Fulda zugeteilt. Die Erz\u00e4hlungen der beiden jungen M\u00e4nner bewegten uns sehr und uns wurde bewusst, was sie alles auf sich genommen haben, um der Diktatur in Eritrea zu entgehen.<\/p>\n<p>Nachdem wir nun auch die Erlaubnis zum Betreten der Fl\u00fcchtlingsunterkunft in der Frankfurter Stra\u00dfe erhalten hatten, vereinbarten wir ein Treffen vor Ort mit dem Hausmeister. Er war sehr hilfsbereit und beantwortete unsere Fragen. Bei dem Besuch sahen wir, dass die Zimmer sehr spartanisch eingerichtet waren und es nur Gemeinschaftstoiletten, -k\u00fcchen und -duschen gibt. Meist wohnten mehrere Personen in einem Zimmer. Wir konnten uns mit zwei Familien l\u00e4nger unterhalten und freuten uns, dass unser Angebot, mit ihren kleinen Kindern gelegentlich etwas zu unternehmen, so begeistert aufgenommen wurde.<\/p>\n<p>Nach den ersten Ergebnissen des Projekts sind wir erstaunt, wieviel man \u00fcbereinander lernen kann, wenn man aufeinander zugeht. Das Thema Flucht und Asyl ist viel komplizierter, als wir bislang durch B\u00fccher und Medien erfahren haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Fulda. Mit dem Projekt &#8220;Migration&#8221; wollten die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler der Klasse R9a der Bardoschule den Unterricht im Fach Politik und Wirtschaft lebensnah gestalten. 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