{"id":119620,"date":"2014-02-10T16:42:17","date_gmt":"2014-02-10T16:42:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=119620"},"modified":"2014-02-11T15:48:37","modified_gmt":"2014-02-11T15:48:37","slug":"der-erzaehler-der-nacht-trat-seine-letzte-reise-an-rudolg-herget","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=119620","title":{"rendered":"Der &#8220;Erz\u00e4hler der Nacht&#8221; trat seine letzte Reise an"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/img_start01.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-119621\" alt=\"img_start01\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/img_start01-265x175.jpg\" width=\"265\" height=\"175\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/img_start01-265x175.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/img_start01.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a>Fulda. Am vergangenen Samstag starb v\u00f6llig unerwartet der Schauspieler, Poet und Mensch Rudolf H. Herget im Alter von 74 Jahren. Seinem Publikum ist er bestens von den &#8220;N\u00e4chten der Poesie&#8221; in der Rh\u00f6n bekannt. Niemand zuvor hat so spielerisch, liebevoll und warnherzig seinem Publikum \u00fcber viele Jahre die Worte gro\u00dfer Dichter nahegebracht. In einen Schlafsack oder eine Decke gekuschelt lauschte man vergn\u00fcgt dem &#8220;Erz\u00e4hler der Nacht&#8221;, der in wei\u00dfer Kleidung durch die Reihen der Zuh\u00f6rer schritt.<!--more--><\/p>\n<p>Doch anders als auf der B\u00fchne, vertraute er dabei lediglich auf seine Stimme. Vermischt mit den Eindr\u00fccken der Umgebung, dem Wind, der untergehenden Sonne und dem aufziehenden Sternenhimmel kehrte Harmonie und Stille ein. Konturen schwanden und man wurde eins mit der Natur und Hergets Worten. Sch\u00f6ne Worte, Gedanken von gro\u00dfen Dichtern, ein Fest f\u00fcr die Sinne. Eine Anregung zum Nachdenken, Entspannen und Innehalten.Unvergessen bleiben Platons Gastmahl, Kurt Tucholskys &#8220;Ideal&#8221; oder Ludwig Fuldas &#8220;Erschaffung der Frau&#8221;. Auch Ausz\u00fcge aus Faust I und II von Johann Wolfgang von Goethe waren dabei.<\/p>\n<p>Auf der einen Seite die einzigartige Literatur von Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller, Heinrich Heine, Hermann Hesse, Kurt Tucholsky, auf der anderen Seite die wundervollen Ausblicke in die Natur, die Sonnenunterg\u00e4nge und der Sternenhimmel. All das erg\u00e4nzte sich in einer unnachahmlichen Art und Weise zu einem gro\u00dfen Ganzen. Die &#8220;N\u00e4chte der Poesie&#8221; waren \u00fcber viele Jahre das Veranstaltungs-Ereignis in der Rh\u00f6n. Zwischen 8.000 und 10.000 Leute aus ganz Deutschland str\u00f6mten\u00c2\u00a0 Jahr f\u00fcr Jahr zu seiner Reihe. Seit 1997 gab es mehr als 350 Termine &#8220;N\u00e4chte der Poesie&#8221;. Viele reisten aus ganz Deutschland an, nahmen Urlaub, aber die meisten Besucher kamen aus der Region Osthessen, Rh\u00f6n-Grabfeld, Kissingen und Vogelsberg. Es war der Treffpunkt der Region.<\/p>\n<p>Und lange nachdem Herget sein Programm beendet hatte, lagen die Menschen noch immer da, genossen die Natur, tranken Wein und plauderten. Sogar manche Ehe \/ Beziehung bahnte sich dabei an. Aber auch viele Freundschaften wurden hier geschlossen. Die Menschen liebten ihren &#8220;Erz\u00e4hler der Nacht&#8221;, wie sie ihn respektvoll nannten. War die Reihe vorbei, trafen sich viele zu eigenen Poesieabenden und schw\u00e4rmten vom Erlebten.Auf Bergen, Burgen und Pl\u00e4tzen der Rh\u00f6n in freier Natur und unter dem Sternenzelt Gedichte und Worte gro\u00dfer Schriftsteller den Menschen nahe- bringen, das war die Ursprungsidee von Rudolf H. Herget.<\/p>\n<p>Alles begann vor 30 Jahren im Planetarium Wolfsburg, damals das modernste seiner Art in der Welt, sp\u00e4ter folgten die Planetarien Hamburg und Berlin. Musste man dort Eintritt bezahlen, bekam man hier Literatur gratis. Sein komplettes Programm umfasste ca. 13 Stunden (bestehend aus ca. 9 Einzelprogrammen). Die erste &#8220;Nacht der Poesie&#8221; fand vor ca. 25 Jahren in der Bellerkirche statt. Am 16. August 1997 folgte dann die Veranstaltung auf der Milseburg, \u00fcbrigens Hergets Lieblingsplatz. Von 21 &#8211; 6 Uhr morgens begeisterte er fast 1000 Menschen. Sein Programm schloss er stets mit Schillers zeitloser &#8220;Ode an die Freude&#8221;. Dazwischen brachte er Geschichten, Weltgedichte, Liebeslyrik und Sternenpoesie. Wichtig war ihm immer die Beziehung des Menschen zu den Sternen und Planeten, zur eigenen Sterblichkeit und der Unendlichkeit des Alls.<br \/>\nSobald die Sonne untergegangen war, setzte Herget mit den Worten ein: &#8220;Sonne, gigantischer Ball aus Hitze und Licht&#8221;. Und sobald sich die Sterne zeigten, sagte er &#8220;Wende dich, du kleiner Stern&#8230;&#8221; oder &#8220;Der Mond ist aufgegangen&#8221; von Matthias Claudius.<\/p>\n<p>Was als Versuch gestartet war, entwickelte sich schnell zum Selbstl\u00e4ufer. Aus einer &#8220;Nacht der Poesie&#8221; wurden schnell 5, 12, dann 15, 22, 27 und seit einigen Jahren waren es \u00fcber 30 Termine. Es kam eine eigene Homepage und ein gedrucktes Programmheft hinzu. Die Pressearbeit wurde intensiviert.Die Veranstaltungen dauerten 1 bis 2 Stunden, eine Art &#8220;Poesiewolke \u00fcber der Rh\u00f6n&#8221;, wie Herget sie liebevoll bezeichnete. In der Verwaltungsstelle des Biosph\u00e4renreservats Rh\u00f6n (bei Heinrich He\u00df und Martin Kremer) auf der Wasserkuppe fand er einen engen Kooperationspartner. Veranstalter waren meist Vereine, wie der Rh\u00f6nklub und Gemeinden, wie Bischofsheim, Gersfeld oder Hilders. Herget besuchte die sch\u00f6nsten Orte der Rh\u00f6n wie den Wachtk\u00fcppel, Guckaisee und den Schulzenberg. Auf der Wasserkuppe brachte er vor vielen Hundert Besuchern den &#8220;Kleinen Prinzen&#8221;. Segelflieger kreuzten am Himmel \u00fcber dem Veranstaltungsort und verst\u00e4rkten die Atmosph\u00e4re.<\/p>\n<p>Im Jahre 2000 kam die zweite lange &#8220;Nacht der Poesie&#8221; auf dem 928 m hohen Kreuzberg hinzu und 2007 die Veranstaltung auf dem Kaliberg Neuhof. Zwischen 400 bis 600 Leute str\u00f6mten auf Osthessens h\u00f6chstgelegenen Salzstrand und genossen Hergets Worte und die grandiose Aussicht. Rudolf Herget erweiterte die Reihe um den Vogelsberg. Hier fand vor 11 Jahren die 1. Nacht der Poesie auf dem Bechtelsberg statt. Termine auf dem Totenk\u00f6ppel und auf der Burgruine Wartenberg folgten. In Wartenberg konnten die Zuschauer 2012 einen wahren Sternschnuppenregen bewundern. Der Region und den Menschen wird Rudolf H. Herget fehlen, aber in ihren Herzen wird er ganz sicher weiterleben. Das Programm 2014 wird als Andenken ab Ende Februar wie gewohnt in den Tourist-Infos der Region ausliegen. Infos auch unter www.naechte-der-poesie.de. (Thomas Bayer)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Fulda. Am vergangenen Samstag starb v\u00f6llig unerwartet der Schauspieler, Poet und Mensch Rudolf H. Herget im Alter von 74 Jahren. Seinem Publikum ist er bestens von den &#8220;N\u00e4chten der Poesie&#8221; in der Rh\u00f6n bekannt. Niemand zuvor hat so spielerisch, liebevoll und warnherzig seinem Publikum \u00fcber viele Jahre die Worte gro\u00dfer Dichter nahegebracht. 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