{"id":119533,"date":"2014-02-08T08:15:03","date_gmt":"2014-02-08T08:15:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=119533"},"modified":"2014-02-08T08:15:03","modified_gmt":"2014-02-08T08:15:03","slug":"tk-in-hessen-ergreift-initiative-gegen-onlinesucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=119533","title":{"rendered":"TK in Hessen ergreift Initiative gegen Onlinesucht"},"content":{"rendered":"<p>Frankfurt am Main. Die Techniker Krankenkasse (TK) in Hessen und die Hessische Landesstelle f\u00fcr Suchtfragen (HLS) kooperieren in dem bundesweit einmaligen Projekt &#8220;webC@RE&#8221; gegen Internetsucht. Das Besondere daran: Es ist ein virtuelles Selbsthilfeangebot, das onlines\u00fcchtige Menschen direkt dort erreicht, wo sie sich die meiste Zeit aufhalten \u2013 im Netz. Durch die Netzpr\u00e4senz auf der Website und bei Facebook ist Webcare jederzeit und von nahezu jedem Fleck der Erde erreichbar. Betroffene k\u00f6nnen auf der Website einen Test machen, der hilft einzusch\u00e4tzen, ob der Computerkonsum oder auch die Vorliebe zum Smartphone noch &#8220;normal&#8221; sind. Besorgte Angeh\u00f6rige finden ebenfalls Rat. Ziel ist es, mediens\u00fcchtige Menschen zun\u00e4chst in eine virtuelle Selbsthilfegruppe zu integrieren und langfristig eine Gruppe in der realen Welt zu schaffen.<!--more--><\/p>\n<p>Auf Facebook gen\u00fcgt die Freundschaftsanfrage bei &#8220;web care&#8221; (hier getrennt geschrieben). Diese kleine H\u00fcrde bezweckt, dass sich die Betroffenen bewusst daf\u00fcr entscheiden auf der Seite mitzumischen und damit den ersten Schritt zur Selbsthilfe wagen. &#8220;Sobald man befreundet ist, kann man auch einfach besser interagieren&#8221;, sagt Benjamin Wockenfu\u00df, Suchttherapeut und Leiter des Projektes. In lockerem Ton erhalten die User von ihm kompetente Unterst\u00fctzung, im Chat kl\u00e4rt er die wichtigsten Fragen und vereinbart dann f\u00fcr die individuelle Beratung einen festen Termin zum Austausch im Netz oder per Telefon. Denn: &#8220;Wir machen keine K\u00fcchentischpsychologie. F\u00fcr eine seri\u00f6se Beratung muss man sich Zeit nehmen&#8221;, so Wockenfu\u00df. &#8221;<\/p>\n<p>Derzeit existieren deutschlandweit weniger als zehn Selbsthilfeangebote f\u00fcr onlines\u00fcchtige Menschen. Um diese zu nutzen, m\u00fcssen sich die Betroffenen &#8220;ganz real&#8221; auf den Weg zum Therapieort begeben. Das passt jedoch nicht zu deren Bed\u00fcrfnissen, denn die meisten Betroffenen schaffen es nicht, sich vom Computer zu l\u00f6sen und f\u00fcr einen festen Termin rechtzeitig mit dem Auto loszufahren oder den Bus zu erreichen. Das geht so weit, dass sie mitunter sogar Hunger, Durst oder Harndrang \u00fcbergehen. &#8220;Diese Menschen brauchen f\u00fcr den ersten Kontakt ein Angebot, das h\u00f6chstens einen Klick entfernt ist. Bei der Entwicklung von Webcare war es uns wichtig, genau darauf zu schauen, welche Bed\u00fcrfnisse diese Menschen haben und welche L\u00f6sungen die Menschen wirklich erreichen k\u00f6nnen&#8221;, sagt Dr. Barbara Vo\u00df, Leiterin der Landesvertretung der TK in Hessen, &#8220;deshalb gehen wir durch Webcare, gemeinsam mit der HLS, direkt in das Wohnzimmer der Hilfsbed\u00fcrftigen, die dann in Ruhe w\u00e4hlen k\u00f6nnen, ob sie das Angebot annehmen m\u00f6chten oder nicht.\u201c<\/p>\n<p>In Deutschland gelten offiziell etwa 560.000 Menschen als internetabh\u00e4ngig. Experten vermuten eine deutlich h\u00f6here Dunkelziffer. Etwa 25 Millionen \u201eGamer\u201c in Deutschland nutzen mehrmals im Monat Internetspiele am Computer, Laptop oder Smartphone. Davon sind etwa drei Viertel im Alter zwischen zehn und 19 Jahren sowie rund ein Viertel zwischen 20 und 39 Jahre alt. Aber nicht jeder Nutzer ist auch gleich mediens\u00fcchtig. &#8220;Gef\u00e4hrdet sind Menschen, die mehr als 30 Stunden in der Woche im Netz unterwegs sind und gleichzeitig ihr soziales Leben ausblenden\u201c, sagt Benjamin Wockenfu\u00df. Onlinesucht sei dabei nicht nur ein Ph\u00e4nomen der Jugend. Auch \u00e4ltere Erwachsene k\u00f6nnten betroffen sein, von dem Drang in die virtuelle Welt abzudriften, so der Fachmann.<\/p>\n<p>Ursachen f\u00fcr Mediensucht sind oft soziale Probleme und die Suche nach einer Welt, in der die Betroffenen erfolgreich und anerkannt sind und in der sie frustrierende Alltagserlebnisse kompensieren. Begleitet wird die Mediensucht h\u00e4ufig von anderen stofflichen S\u00fcchten oder psychischen St\u00f6rungen. Diese Menschen sp\u00fcren \u00fcberdies durchaus, dass sie Hilfe ben\u00f6tigen, sie k\u00f6nnen jedoch dem Teufelskreis der Sucht nicht entrinnen. Das moderne Medium bindet sie zu stark und die Au\u00dfenwelt erscheint ihnen zu fern. Das Projekt Webcare macht deutlich, wie stark sich die TK in Hessen f\u00fcr die Bed\u00fcrfnisse der Menschen interessiert und versucht, bedarfsgerechte Angebote zu schaffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Frankfurt am Main. Die Techniker Krankenkasse (TK) in Hessen und die Hessische Landesstelle f\u00fcr Suchtfragen (HLS) kooperieren in dem bundesweit einmaligen Projekt &#8220;webC@RE&#8221; gegen Internetsucht. Das Besondere daran: Es ist ein virtuelles Selbsthilfeangebot, das onlines\u00fcchtige Menschen direkt dort erreicht, wo sie sich die meiste Zeit aufhalten \u2013 im Netz. 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