{"id":118739,"date":"2014-01-15T00:19:57","date_gmt":"2014-01-15T00:19:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=118739"},"modified":"2014-01-14T16:19:01","modified_gmt":"2014-01-14T16:19:01","slug":"ausstellung-im-schlosstheater-die-kunst-der-kleidung-hoefische-und-baeuerliche-kinderkleidung-der-barockzeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=118739","title":{"rendered":"Ausstellung im Schlosstheater: &#8220;Die Kunst der Kleidung: H\u00f6fische und b\u00e4uerliche Kinderkleidung der Barockzeit&#8221;"},"content":{"rendered":"<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-118740\" alt=\"P1020347\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/P1020347-265x198.jpg\" width=\"265\" height=\"198\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/P1020347-265x198.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/P1020347.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/>Fulda. Die gro\u00dfformatigen Bilder zeigen Ergebnisse des Projektunterrichts im Fach Kunst der Klasse 5b der Rabanus Maurus Schule. In einem Theorie-Praxisprojekt haben Sch\u00fclerInnen ausgew\u00e4hlte barocke Gem\u00e4lde betrachtet, unterschiedliche Qualit\u00e4ten von Stoffen kennengelernt, diese zu Kleidungsst\u00fccken an vorgegebenen Umrissfiguren verarbeitet. Im letzten Schritt wurden f\u00fcr die fertigen bekleideten Figuren geeignete Handlungsr\u00e4ume erdacht und gestaltet. Mit der nun stattfindenden Ausstellung im Foyer des Schlosstheaters von Fulda soll die au\u00dfergew\u00f6hnlich kreative Arbeit der beteiligten Kinder gew\u00fcrdigt werden.<\/p>\n<p>Am Beginn der Unterrichtsreihe stand die intensive Betrachtung von barocken Genrebildern und Portr\u00e4ts aus der Zeit des sp\u00e4ten 17. und 18. und fr\u00fchen 19.Jahrhunderts ( Antonis van Dyck, Velaszquez, Rubens, Rembrandt, J. Steen, G. m Kraus, F. G. Waldm\u00fcller). Der zweite Aufh\u00e4nger war eine gro\u00dfe, offene Kiste mit Resten von sehr edlen, luxuri\u00f6sen Stoffen und sehr einfachen, z. T. schon gebrauchten Stoffen, B\u00e4ndern und Litzen.\u00c2\u00a0 Diese Stoffkiste erweckte den Wunsch, die ungew\u00f6hnlichen Textilien zu bef\u00fchlen und irgendwie als Kleidung benutzen zu k\u00f6nnen. Doch zun\u00e4chst wurde auf ca. sechs beispielhaft ausgesuchten barocken Gem\u00e4lden die kunstvolle h\u00f6fische Bekleidung der abgebildeten adeligen Gesellschaft\u00c2\u00a0 erforscht.<\/p>\n<p>Wie zu erwarten, waren die Kinder sehr verbl\u00fcfft, dass die in den Gem\u00e4lden abgebildeten kleinen und gr\u00f6\u00dferen Kinder aus den h\u00f6fischen Kreisen alle so steif dastehen und auch kaum von deren &#8220;erwachsenen&#8221; Eltern zu unterscheiden sind. Neugierig geworden, stellten sie viele Fragen zu den Ursachen f\u00fcr diese zun\u00e4chst r\u00e4tselhaften Verh\u00e4ltnisse. Dass Kinder in diesen Kreisen wie &#8220;kleine Erwachsene&#8221; zu funktionieren hatten, wurde mit Erstaunen quittiert. Sehr schnell\u00c2\u00a0 wurde die Frage gestellt, wie denn die Kinder mit derart luxuri\u00f6sen Kost\u00fcmen ihre ganz normalen Kinderspiele gespielt haben. Weder die eng anliegenden W\u00e4mse, seidenen Str\u00fcmpfe und Absatzschuhe der jungen Herren, noch die tief dekolletierten Mieder und \u00fcberweiten und steifen R\u00f6cke der jungen Damen wurden als alltagstaugliche Kleidung eingesch\u00e4tzt. Das Kinderleben entpuppte sich als ganz sch\u00f6n kompliziertes Leben!<\/p>\n<p>An zwei weiteren Gem\u00e4lden, diesmal mit Kindern aus dem b\u00e4uerlichen Milieu,\u00c2\u00a0 erkannten die Sch\u00fclerInnen ganz klar die enorme Bedeutung von Kleidung als sichtbares Merkmal des sozialen Unterschieds von gesellschaftlichen St\u00e4nden und Bekleidung als Hindernis beim Spielen. Die dezente Farbigkeit der einfachen Jacken und Hosen der Bauernkinder, ihre zerschlissenen Kleidungsst\u00fccke und die nackten F\u00fc\u00dfe erweckten deshalb auch keine sentimentalen Gef\u00fchle des Bedauerns, sondern eine sachliche und klare Haltung gegen\u00fcber den historischen Zusammenh\u00e4ngen. Diese Klarheit war mit wichtig, auch um klischeehafte Ansichten \u00fcber die Kindheit fr\u00fcherer Zeiten mit den Sch\u00fclerInnen diskutieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der praktischen Arbeitsphase haben die M\u00e4dchen wie die Jungen mit gro\u00dfem Geschick und enormer Ausdauer die oft langwierigen und komplizierten Gestaltungsprozesse ausgef\u00fchrt. Nicht zuletzt erwiesen sich die wunderbaren Stoffe als Magnet f\u00fcr aufw\u00e4ndige, barocke Drapierungen von R\u00f6cken und Miedern, W\u00e4msen und Beinkleidern auf der einen Seite und schlichten, alltagstauglichen R\u00f6cken, Hosen und Hemden auf der anderen Seite.<\/p>\n<p>Der sommerliche Wiesengrund (nach Albrecht D\u00fcrers &#8220;Rasenst\u00fcck&#8221; von 1498) und der herrschaftlich gediegen wirkende schwarz-wei\u00df geflieste Ballsaal mit stilvollen S\u00e4ulen entstanden als abschlie\u00dfendes Gemeinschaftswerk. In den Bildern scheint die Zeit still zu stehen, so still wie die dargestellten Kinder, die nun reglos darauf warten, dass sie von m\u00f6glichst vielen kleinen und gro\u00dfen Besucherinnen und Besuchern angesehen werden. Und wer genauer hinschaut und die feinen Gesichter der barocken Kinderfiguren studiert, wird entdecken, dass Kindheit schon immer keine einfache Zeit war.<\/p>\n<p>Am Dienstag, 21. Januar 2014 wird um 11.30 Uhr die Ausstellung \u201eDie Kunst der Kleidung\u201c er\u00f6ffnet. Die Ausstellung wird vom 21. Januar bis 20. Februar 2014 zu den Zeiten der Theaterauff\u00fchrungen zu sehen sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Fulda. Die gro\u00dfformatigen Bilder zeigen Ergebnisse des Projektunterrichts im Fach Kunst der Klasse 5b der Rabanus Maurus Schule. In einem Theorie-Praxisprojekt haben Sch\u00fclerInnen ausgew\u00e4hlte barocke Gem\u00e4lde betrachtet, unterschiedliche Qualit\u00e4ten von Stoffen kennengelernt, diese zu Kleidungsst\u00fccken an vorgegebenen Umrissfiguren verarbeitet. Im letzten Schritt wurden f\u00fcr die fertigen bekleideten Figuren geeignete Handlungsr\u00e4ume erdacht und gestaltet. 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