{"id":118429,"date":"2014-01-02T09:02:16","date_gmt":"2014-01-02T09:02:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=118429"},"modified":"2014-01-02T09:02:16","modified_gmt":"2014-01-02T09:02:16","slug":"die-botschaft-des-evangeliums-authentisch-leben-bischof-algermissen-hielt-traditionellen-neujahrsempfang-in-fulda-ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=118429","title":{"rendered":"Die Botschaft des Evangeliums authentisch leben &#8211; Bischof Algermissen hielt traditionellen Neujahrsempfang in Fulda ab"},"content":{"rendered":"<p>Fulda (bpf). \u201eF\u00fcr mich wird im Jahr 2014 eine Schl\u00fcsselfrage sein, wie wir die Botschaft des Evangeliums authentisch leben und als Kirche \u00fcberzeugend auftreten. Wir m\u00fcssen herausfinden, wie wir mehr Barmherzigkeit mit den Menschen zeigen und bezeugen k\u00f6nnen, die in einer Welt voller Br\u00fcche und Widerspr\u00fcche leben.\u201c Dies betonte der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen am Mittwoch, 1. Januar, beim traditionellen Neujahrsempfang im Fuldaer Priesterseminar. Das Misstrauen gegen\u00fcber dem kirchlichen Amt und den kirchlichen Strukturen, wie sie im vergangenen Jahr 2013 zutage getreten seien, bezeichnete der Oberhirte vor \u00fcber 100 Vertretern aus Kirche und Gesellschaft als Alarmzeichen. Denn Misstrauen hebe Vertrauen auf, und ohne Vertrauen k\u00f6nne keine Glaubensverk\u00fcndigung gelingen. Algermissen betonte, dass es wichtig sei, die im R\u00fccktritt Papst Benedikts XVI. sichtbare Demut und die Zuwendung des neuen Papstes Franziskus zu den Menschen auch im Bistum Fulda umzusetzen. \u201eTats\u00e4chlich brauchen wir neue Wege der N\u00e4he und m\u00fcssen viel deutlicher an die R\u00e4nder gehen, um die Menschen dort zu finden, wo sie sind.\u201c<!--more--><\/p>\n<p><strong>Anfrage an das Verh\u00e4ltnis von Staat und Kirche<\/strong><br \/>\nDie zunehmenden Anfragen aus der Politik an das bestehende Verh\u00e4ltnis von Staat und Kirchen in den Bereichen wie Kirchensteuer, Arbeitsrecht und Religionsunterricht sowie die st\u00e4rker werdende Religionsfeindlichkeit in der Gesellschaft m\u00fcssten der Kirche in Deutschland zu denken geben. Bischof Algermissen rief dazu auf, sich offensiv auf diese Diskussion einlassen. \u201eNach meiner \u00dcberzeugung ist zu dem funktionierenden Staat-Kirche-System in Deutschland derzeit keine Alternative erkennbar, die f\u00fcr die Gesellschaft und das Gemeinwohl n\u00fctzlicher w\u00e4re.\u201c<\/p>\n<p><strong>Einsatz f\u00fcr Ehe und Familie erforderlich<\/strong><br \/>\n\u201eDie ehebegr\u00fcndete Familie ist f\u00fcr mich das fundamentale Band zwischen den Menschen, auf das Gesellschaft und Staat aufbauen k\u00f6nnen. Politik und Sozialstaat k\u00f6nnen die famili\u00e4ren Bindungen und die menschliche F\u00fcrsorge weder ersetzen noch schaffen.\u201c Es sei notwendig, die Familienpolitik aus der Schublade der Sozialpolitik herauszunehmen und in das Zentrum unserer Gesellschafts- und Zukunftspolitik zu stellen. Hier sei auch das Engagement der katholischen Verb\u00e4nde Kolping, KAB und Frauengemeinschaft gefragt. Laut dem Zweiten Vatikanischen Konzil seien n\u00e4mlich die Laien inmitten der Welt berufen, vom Geist Christi beseelt nach Art des Sauerteigs ihr Apostolat in der Welt auszu\u00fcben. Der Bischof verwies darauf, dass es zum Thema \u201eDie pastoralen Herausforderungen der Familie im Rahmen der Evangelisierung\u201c im Oktober eine Bischofssynode in Rom geben werde. Die Diskrepanz zwischen kirchlicher Lehre und der Wirklichkeit werfe die Frage auf, wie man die Lehre von der Unaufl\u00f6slichkeit der sakramentalen Ehe zur Geltung bringen und zugleich den Menschen, die in ihrer Ehe gescheitert seien, glaubw\u00fcrdig Gottes Erbarmen vermitteln k\u00f6nne.<\/p>\n<p><strong>Kein Freibrief f\u00fcr ethische Beliebigkeit<\/strong><br \/>\nDer Oberhirte zeigte sich zudem alarmiert vom Gesetzentwurf der letzten Bundesregierung zur Strafbarkeit der gewerbsm\u00e4\u00dfigen Beihilfe zur Selbstt\u00f6tung. \u201eDenn wenn nur die gewerbsm\u00e4\u00dfige F\u00f6rderung der Selbstt\u00f6tung strafbar ist, bietet das vorgesehene Gesetz gerade solchen Organisationen Schlupfl\u00f6cher, die in Deutschland schon heute in organisierter Form Suizidbeihilfe anbieten und zum Teil aggressiv daf\u00fcr werben.\u201c Ein solches Gesetz f\u00fchre zu einer \u201eschleichenden Erosion des Rechtsbewusstseins\u201c in der Gesellschaft. Das grunds\u00e4tzliche Verbot einer organisierten Beihilfe zur Selbstt\u00f6tung geh\u00f6re in den Koalitionsvertrag. Es gelte, mit Nachdruck f\u00fcr eine Verbesserung der Situation schwerstkranker und sterbender Menschen einzutreten.<\/p>\n<p>\u201eChristen glauben nicht an die Utopie des perfekten, endg\u00fcltig erl\u00f6sten menschlichen Lebens auf Erden.\u201c Das christliche Menschenbild sei ein \u201ekritischer Stachel\u201c gegen die \u00dcberzeugung, Politik und Technologie k\u00f6nnten das Paradies auf Erden oder den \u201eerl\u00f6sten\u201c Menschen schaffen. Die s\u00e4kulare Gesellschaft sei zwar darauf angewiesen, im Widerstreit und argumentativen Diskurs ihren Weg zu finden. \u201eDie Erkenntnis, dass ein ethischer Konsens nicht zu diktieren ist, darf allerdings kein Freibrief f\u00fcr ethische Beliebigkeit oder Gleichg\u00fcltigkeit sein.\u201c Die biomedizinischen und technologischen M\u00f6glichkeiten stellten nicht nur die Politik vor neue Aufgaben und Entscheidungen, sondern auch die Gesellschaft insgesamt m\u00fcsse sich mit ihren Tr\u00e4umen, W\u00fcnschen und Idealen kritischer auseinandersetzen.<\/p>\n<p>\u201eDie Gottebenbildlichkeit des Menschen, seine daraus resultierende Heiligkeit und seine ihm eigene Menschenw\u00fcrde gelten bedingungslos und d\u00fcrfen nie zur Disposition gestellt werden. Es darf deshalb auch keine Abstufung im Lebensschutz des embryonalen menschlichen Lebens geben.\u201c Wer am Anfang den Lebensschutz unter Konditionen stelle, so der Bischof, der tue dies auch am Ende des Lebens. Wer am Anfang und am Ende menschliches Leben nur graduell sch\u00fctze, werde dies auch angesichts extremer, durch Krankheiten oder Unf\u00e4lle erzeugter Situationen in der Spanne des Lebens zwischen Zeugung und Tod tun.<\/p>\n<p>Zum Schluss dankte Bischof Algermissen den Haupt- und Ehrenamtlichen in Pfarrgemeinden, Verb\u00e4nden und der Di\u00f6zesanverwaltung f\u00fcr ihre konstruktive Begleitung.<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Generalvikar Prof. Dr. Gerhard Stanke hatte zu Beginn des Neujahrsempfangs im Namen des Bischofs die anwesenden G\u00e4ste aus Kirche und \u00f6ffentlichem Leben willkommen gehei\u00dfen und hervorgehoben, dass die Kirche auch in einer sich ver\u00e4ndernden Welt den Auftrag habe, die frohe Botschaft zu verk\u00fcnden. Im neuen Jahr 2014 w\u00fcrden vor dem Hintergrund der in der Vergangenheit abgehaltenen Dekanatstage Perspektiven f\u00fcr die Seelsorge des kommenden Jahrzehnts mit entsprechenden Leitlinien erarbeitet. Sodann werde das denkmalgesch\u00fctzte Geb\u00e4ude des bisch\u00f6flichen Generalvikariats aus dem Jahre 1965 altersbedingt saniert und funktionell verbessert, unter anderem durch einen barrierefreien Zugang und eine energetische Sanierung, mit deren Hilfe 80 Prozent des Energieverbrauchs eingespart w\u00fcrden. Die Bistumsverwaltung ziehe f\u00fcr die geplante Bauzeit von eineinhalb Jahren in das ehemalige Liobaheim des Landkreises Fulda um. Der von den zust\u00e4ndigen Gremien begutachtete und genehmigte Umbau des Generalvikariats inklusive tempor\u00e4rem Umzug in das Provisorium werde rund 10 Millionen Euro kosten.<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Der Vorsitzende des Katholikenrats der Di\u00f6zese, Steffen Flicker (Fulda), hob hervor, dass eine verbesserte Familienpolitik ein zentrales Anliegen der katholischen Laien sei. \u201eFamilie schafft Werte und gibt Werte weiter, und jedes Kind ist ein Geschenk Gottes\u201c, machte er deutlich. Eine gute Familienpolitik sei die beste F\u00f6rderung junger Menschen. Die Kirche als ganze brauche ferner Vertrauen und Glaubw\u00fcrdigkeit als ihr wichtigstes \u201eKapital\u201c.<\/p>\n<p>Der Fuldaer Oberb\u00fcrgermeister Gerhard M\u00f6ller sprach, auch im Namen von Landrat Bernd Woide, f\u00fcr Landkreis und Stadt Fulda der Kirche seine besten Neujahrsw\u00fcnsche aus und hob in seiner Ansprache hervor, dass Kirche und Kommune f\u00fcr dieselben Menschen t\u00e4tig seien, nur auf verschiedene Art. Der Region w\u00fcrde vieles fehlen, wenn es keine gut funktionierenden kirchlichen Einrichtungen g\u00e4be. Der \u201eantikatholische Furor\u201c mancher Medien im vergangenen Jahr habe die Finanzen der Kirche bewusst angegriffen, aber es sei zu bedenken, dass die Kirche ihre vielf\u00e4ltigen Aufgaben f\u00fcr die Gesellschaft ohne ihre finanziellen Grundlagen nicht erf\u00fcllen k\u00f6nne. Diese Finanzen w\u00fcrden letztendlich in die Menschen vor Ort investiert.<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Am Ende des Neujahrsempfangs gab Bischof Algermissen eine p\u00e4pstliche Ehrung bekannt: F\u00fcr sein herausragendes kirchliches Engagement wurde Winfried M\u00f6ller aus Rasdorf von Papst Franziskus mit dem Orden \u201ePro Ecclesia et Pontifice\u201c ausgezeichnet. M\u00f6ller, geboren am 7. Mai 1950 in Fulda und Vater von vier Kindern, ist seit seiner Jugend kirchlich engagiert gewesen, unter anderem in der Katholischen jungen Gemeinde, und war viele Jahrzehnte als Sozialarbeiter in kirchlichen Einrichtungen t\u00e4tig. Von April 1999 bis Mai 2012 wirkte er als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer im Caritasverband f\u00fcr Fulda und Geisa. Dar\u00fcber hinaus organisiert er seit vielen Jahren die Walld\u00fcrnwallfahrt mit. \u201eSie haben \u00fcber Jahrzehnte Bewundernswertes geleistet und ihren sozialen Beruf als Berufung authentisch gelebt\u201c, sagte Bischof Algermissen bei der Ehrung. Unter anderem habe M\u00f6ller mit gro\u00dfem pers\u00f6nlichen Engagement die Weihnachtsfeier der Heimatlosen organisiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Fulda (bpf). \u201eF\u00fcr mich wird im Jahr 2014 eine Schl\u00fcsselfrage sein, wie wir die Botschaft des Evangeliums authentisch leben und als Kirche \u00fcberzeugend auftreten. 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