{"id":116917,"date":"2013-11-21T00:19:23","date_gmt":"2013-11-21T00:19:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=116917"},"modified":"2013-11-21T08:07:28","modified_gmt":"2013-11-21T08:07:28","slug":"zu-gast-im-kroatischen-vukovar-ein-bericht-von-dietmar-kuschel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=116917","title":{"rendered":"Zu Gast im kroatischen Vukovar &#8211; Ein Bericht von Dietmar Kuschel"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_116918\" style=\"width: 275px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/CSC_0135.jpg\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-116918\" class=\"size-thumbnail wp-image-116918\" alt=\"Die wiederhergestellt Klosterkirche der Franziskaner beim Weihegottesdienst. Foto: privat\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/CSC_0135-265x175.jpg\" width=\"265\" height=\"175\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/CSC_0135-265x175.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/CSC_0135.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-116918\" class=\"wp-caption-text\">Die wiederhergestellt Klosterkirche der Franziskaner beim Weihegottesdienst. Foto: privat<\/p><\/div>\n<p>Vukovar\/Geisa\/Fulda (dk). Was erwartet uns in Vukovar? In der Stadt, die am meisten gelitten hat im Krieg, der sich von 1991 bis 1995 in Kroatien hinzog, ausgel\u00f6st von den serbischen Nachbarn. So fragten sich drei M\u00e4nner und drei Frauen aus dem Bistum Fulda, die zur Weihe der Klosterkirche der Franziskaner eingeladen worden waren.<\/p>\n<p>Es gibt Daten, die sich in das kollektive Ged\u00e4chtnis des kroatischen Volkes eingebrannt haben. Dazu geh\u00f6rt der Beginn des ,,gro\u00dfserbischen bewaffneten Eroberungskriegs\u201c am 2. Mai 1991. In besonderer Weise waren die etwa 35 000 Menschen der Stadt an der Donau betroffen. Am 25. August 1991 begann das Werk der serbischen Zerst\u00f6rung in der ostkroatischen Grenzstadt Vukovar. Kein Haus der Stadt blieb verschont von der Verw\u00fcstung, die als eine der sch\u00f6nsten galt in Kroatien. <!--more--><\/p>\n<p>Eine Gedenktafel im Stadtzentrum erinnert: ,,Die Bev\u00f6lkerung und die Verteidiger von Vukovar haben die H\u00f6lle und die t\u00e4gliche Beschie\u00dfung mit Hunderttausenden Granaten erleben m\u00fcssen.\u201c\u00c2\u00a0 Am 18. November war die Stadt milit\u00e4risch besetzt worden. Die Gedenktafel berichtet weiter: ,,Mehr als 5000 Einwohner Vukovars wurden in zahlreiche Lager nach Serbien verschleppt, wo sie massive Misshandlungen erlitten haben. Der Rest der nichtserbischen Bev\u00f6lkerung wurde vertrieben.\u201c Im Jahr 1997 habe der Wiederaufbau der total zerst\u00f6rten Stadt begonnen.<\/p>\n<div id=\"attachment_116920\" style=\"width: 275px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/DSC_0092.jpg\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-116920\" class=\"size-thumbnail wp-image-116920\" alt=\"Wieder aufgebaut und erneuert: Das Foto zeigt eine Teilansicht des Klostergeb\u00e4udes mit der Kirche (links) in Vukovar. Foto: privat\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/DSC_0092-265x175.jpg\" width=\"265\" height=\"175\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/DSC_0092-265x175.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/DSC_0092.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-116920\" class=\"wp-caption-text\">Wieder aufgebaut und erneuert: Das Foto zeigt eine Teilansicht des Klostergeb\u00e4udes mit der Kirche (links) in Vukovar. Foto: privat<\/p><\/div>\n<p>Die Wiedererrichtung der Stadt begann damit, dass bedeutende \u00f6ffentliche Geb\u00e4ude m\u00f6glichst originalgetreu aufgebaut wurden sowie Pl\u00e4tze und Stra\u00dfen neu entstanden. Viele neue Wohnh\u00e4user wurden gebaut \u2013 oft neben Kriegsruinen. Eines der wichtigsten Geb\u00e4ude in Vukovar ist die auf einem H\u00fcgel an der Donau stehende Klosteranlage der Franziskaner mit der den Heiligen Philipp und Jakobus geweihten Kirche. Die Franziskaner siedelten bereits im 14. Jahrhundert an der Stelle, wo sie, nach der Vertreibung der T\u00fcrken (1526 bis 1687), die Stadt Vukovar gr\u00fcndeten. In den Jahren 1723 bis 1736 errichteten die Franziskanerbr\u00fcder die Kirche im Barockstil, die 1896 erweitert wurde zum dreischiffigen neoklassizistischen Gotteshaus.<\/p>\n<p>Klaus Tiller, langj\u00e4hriger Caritas-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer im th\u00fcringischen Dekanat Geisa, hat mit seiner Frau Ursula und weiteren ehrenamtlichen Helfern jahrelang Sachspenden und finanzielle Hilfe nach Vukovar und zuvor bereits in die benachbarte Gro\u00dfstadt Osijek gebracht. Tiller und die f\u00fcnf weiteren G\u00e4ste aus dem Bistum Fulda, die zur Kirchweihe kamen, waren erstaunt, ,,schon wieder ungez\u00e4hlte private und historische Geb\u00e4ude in neuem Glanz\u201c vorzufinden.<\/p>\n<div id=\"attachment_116919\" style=\"width: 275px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/DSC_0199.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-116919\" class=\"size-thumbnail wp-image-116919\" alt=\"Pater Zlatko Spehar am Seitenaltar der Traurigen Madonna, der Krieg v\u00f6llig zerst\u00f6rt wurde. Foto: Dietmar Kuschel\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/DSC_0199-265x399.jpg\" width=\"265\" height=\"399\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/DSC_0199-265x399.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/DSC_0199-398x600.jpg 398w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/DSC_0199.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-116919\" class=\"wp-caption-text\">Pater Zlatko Spehar am Seitenaltar der Traurigen Madonna, der Krieg v\u00f6llig zerst\u00f6rt wurde. Foto: Dietmar Kuschel<\/p><\/div>\n<p>Nachdem die im Krieg zerst\u00f6rten Klostergeb\u00e4ude innen und au\u00dfen wieder aufgebaut wurden und auch die kaputte, ausgebrannte Kirche au\u00dfen wieder hergestellt wurde, samt Turm, auf den die kriegf\u00fchrenden serbischen Angreifer offenbar ein Zielschie\u00dfen veranstaltet hatten, wurde als letzte Bauma\u00dfnahme das Gotteshaus innen v\u00f6llig erneuert. Anstatt der vorherigen farbigen Ausmalung ist sie in hellen Farben gehalten. Nur zwei gr\u00f6\u00dfere Fl\u00e4chen in den beiden Seitenschiffen weisen auf Vergangenes. Links in der Kirche erinnert ein Teil der Wand an die einstige farbliche Gestaltung der Kirche. Gegen\u00fcber, im rechten Seitenschiff, das den Altar von der Traurigen Madonna birgt, ist der Zustand konserviert, den die Granaten verursacht hatten. Die Wand blieb unverputzt, L\u00f6cher klaffen, von Granatsplittern gerissen.<\/p>\n<p>Die Franziskanerbr\u00fcder hatten den Altar mit dem Bildnis der Pieta im Jahr 1918 errichtet im Gedenken an die gefallenen Gemeindemitglieder im Ersten Weltkrieg. Auf diesen Altar hatten die serbischen Aggressoren im Heimatkrieg, wie die Kroaten die Zeit von Fr\u00fchjahr 1991 bis Herbst 1995 bezeichnen, es besonders abgesehen. Mienen zerst\u00f6rten ihn v\u00f6llig. Einige Teile des Altars, so berichtet ein Hinweis, sind verschwunden. Mit noch vorhandenen Resten wurde der heutige Altar zusammengesetzt. Das aus dem 17. Jahrhundert stammende Bild von der Traurigen Madonna wurde von Geschossen durchsiebt. 29 L\u00f6cher wurden gez\u00e4hlt. Das neue Altarbild ist eine fotografische Reproduktion. Das restaurierte Original wird im Kloster aufbewahrt.<\/p>\n<p>Infotafeln informieren Besucher der Klosterkirche, dass die serbischen Angreifer 22 L\u00f6cher in die W\u00e4nde des zerst\u00f6rten Gotteshauses gebrochen hatten, um auch die wenigen erhaltenen Mauerreste dem Erdboden gleichzumachen. Die geplante Schandtat wurde von wachsamen B\u00fcrgern vereitelt.<\/p>\n<p>Im Gotteshaus herrschte eine drangvolle Enge, als der Erzbischof von Djakovo mit f\u00fcnf weiteren Bisch\u00f6fen sowie vielen Franziskanern und anderen Geistlichen den Weihegottesdienst hielt, musikalisch begleitet von der Orgel, die vor wenigen Jahren noch in einer Kirche in Amsterdam stand, dort abgebaut und in Vukovar wieder aufgebaut wurde. Zwei Tage zuvor hatte der kroatische Organist Viseslav Jaklin an dem importierten Instrument ein Konzert gegeben. Auf dem Programm standen Werke von Durufle (1902 bis 1986), Vivaldi (1678 bis 1741), Bach (1685 bis 1750) und Papandopulo (1906 bis 1991).<\/p>\n<p>In Vukovar begegneten die Sechs aus dem Bistum Fulda vielen ,,alten\u201c und neuen Freunden. Besonders herzlich gestaltete sich das Wiedersehen mit Pater Zlatko Spehar. Der Tatkraft und dem Weitblick des langj\u00e4hrigen Guardians des Franziskanerklosters in Vukovar ist es zu verdanken, dass die zerst\u00f6rte Klosteranlage in wenigen Jahren wieder aufgebaut wurde. Pater Zlatko wirkt seit einigen Jahren als Seelsorger der Kroaten in Salzburg.<\/p>\n<p>Die sechs G\u00e4ste aus dem Bistum Fulda nahmen an einer F\u00fchrung durch einen Teil des Schlosses des Grafen zu Eltz teil, das im Krieg v\u00f6llig zerst\u00f6rt, mit allen Nebengeb\u00e4uden wieder aufgebaut wurde und heute ein Museum beherbergt. Wie die deutschen G\u00e4ste h\u00f6rten, d\u00fcrfen die einstigen Schlossbesitzer nicht einmal einen Feriensitz im Schloss beanspruchen. Jakob Graf zu Eltz (1921 bis 2006), der den Titel Graf zu Vukovar f\u00fchrte, kehrte 1990 nach der Erlangung der staatlichen Souver\u00e4nit\u00e4t Kroatiens in seine alte Heimat zur\u00fcck und war Mitglied im kroatischen Parlament in Zagreb.<\/p>\n<p>Die Sechs aus dem Bistum Fulda trugen sich im G\u00e4stebuch des Schlosses ein. Sie w\u00fcnschten der Bev\u00f6lkerung einen dauerhaften Frieden und \u00e4u\u00dferten die Hoffnung, dass den Mitgliedern der Familie zu Eltz k\u00fcnftig im Schloss eine Wohnung zur Verf\u00fcgung gestellt wird. Die Kommunisten hatten die Familie zu Eltz nach dem Zweiten Weltkrieg enteignet und von ihrem Stammsitz in Vukovar vertrieben. Die Familie Eltz lebte daraufhin in Eltville am Rhein. Im Zuge der Auseinandersetzung um den Neubau des Bischofssitzes in Limburg hat sich mehrfach ein Mitglied der Familie kraftvoll zu Wort gemeldet. Es ist der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz, j\u00fcngster Sohn des Grafen Jakob zu Eltz.<\/p>\n<p>Auf der Heimfahrt machten die Sechs aus dem Bistum Fulda Station in dem \u00f6sterreichischen St\u00e4dtchen Frohnleiten in der Steiermark, nahe der Landeshauptstadt Graz. Pater Dominikus Ramljak, der von 1977 bis 2005 in der Propstei Blankenau (Dekanat Neuhof\u2013Gro\u00dfenl\u00fcder) mit weiteren kroatischen Franziskanerbr\u00fcdern lebte und als Pfarrer in Hainzell wirkte, verlebt seinen ,,Unruhestand\u201c dort, wo er 1967 als Kaplan seinen seelsorglichen Dienst begonnen hatte.<\/p>\n<p>G\u00e4ste in Vukovar<\/p>\n<p>Drei M\u00e4nner und drei Frauen aus dem Bistum Fulda vertraten bei der Kirchweihe in Vukovar den Caritasverband f\u00fcr die Regionen Fulda und Geisa. Es waren: Klaus und Ursula Tiller sowie Berthold Knauf aus Geisa, Christa Riemer (Geisa-Wiesenfeld), Daniela Tischendorf (Vacha) und Dietmar Kuschel (K\u00fcnzell-Dirlos).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Vukovar\/Geisa\/Fulda (dk). Was erwartet uns in Vukovar? In der Stadt, die am meisten gelitten hat im Krieg, der sich von 1991 bis 1995 in Kroatien hinzog, ausgel\u00f6st von den serbischen Nachbarn. So fragten sich drei M\u00e4nner und drei Frauen aus dem Bistum Fulda, die zur Weihe der Klosterkirche der Franziskaner eingeladen worden waren. 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