{"id":116596,"date":"2013-11-14T00:13:12","date_gmt":"2013-11-14T00:13:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=116596"},"modified":"2013-11-13T17:50:05","modified_gmt":"2013-11-13T17:50:05","slug":"operieren-wie-vor-40-jahren-chefarzt-dr-heimo-weih-behandelte-patienten-in-ghana","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=116596","title":{"rendered":"Operieren wie vor 40 Jahren &#8211; Chefarzt Dr. Heimo Weih behandelte Patienten in Ghana"},"content":{"rendered":"<p>Seligenstadt. Drei Wochen seines Urlaubs hat Dr. Heimo Weih im Oktober dieses Jahres f\u00fcr seinen ehrenamtlichen Einsatz im Sankt Dominics Hospital der ghanaischen Stadt Akwatia geopfert. In dieser Zeit hat der Chefarzt der Abteilung f\u00fcr Allgemein- und Viszeralchirurgie, Asklepios Klinik Seligenstadt, rund 50 Operationen durchgef\u00fchrt. Die medizinische Ausstattung der Klinik und die Gegebenheiten, unter denen operiert wurde, lagen auf dem Niveau der 1970er Jahre in Deutschland. Durch das Fehlen der Hightech-Medizin musste Heimo Weih sich vollst\u00e4ndig auf seine handwerklichen F\u00e4higkeiten als Chirurg zur\u00fcckbesinnen. <!--more--><\/p>\n<p>Keine Computertomographie und kein hochaufl\u00f6sender Ultraschall und jeden Tag hunderte von neuen Patienten, die vor dem Eingang des Sankt Dominics Hospitals in Akwatia warteten. Das war die Ausgangssituation, die Heimo Weih bei seiner Ankunft in der rund 150 Kilometer n\u00f6rdlich der Hauptstadt Accra liegenden Klinik vorfand. Als Schilddr\u00fcsen-Spezialist war Heimo Weih in Ghana genau richtig, denn viele Menschen leiden dort aufgrund von Jodmangel an einer Schilddr\u00fcsenerkrankung. Aufmerksam wurde der 49-j\u00e4hrige Chirurg auf das Sankt Dominics Hospital \u00fcber seinen Rotary-Club Sch\u00f6llkrippen\/Kahlgrund, dessen diesj\u00e4hriger Pr\u00e4sident er ist. Die Koordination des Einsatzes \u00fcbernahmen die German Rotary Volunteer Doctors (GRVD e.V.).<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Nur Erfahrung und chirurgisches K\u00f6nnen z\u00e4hlt<\/span><\/p>\n<p>Nachdem das umfangreiche medizinische Material, das die Asklepios Klinik Seligenstadt gro\u00dfz\u00fcgig gespendet hatte, verteilt war, konnte Heimo Weih sich um seine Patienten k\u00fcmmern. Neben ihm gab es noch zwei weitere ghanaische Chirurgen, einer davon bereits 74-j\u00e4hrig, sowie einen ebenfalls ehrenamtlich arbeitenden deutschen Zahnarzt. \u201eZun\u00e4chst war es nat\u00fcrlich sehr ungewohnt, ohne die \u00fcblichen technischen Hilfsmittel eine Diagnose zu stellen und daraus die weitergehende Behandlung abzuleiten. So musste ich alleine durch Anschauen, Abtasten und Befragen der Patienten entscheiden, ob eine Operation erforderlich ist. Auch die bei uns immer vorab stattfindende OP-Planung war wegen der fehlenden technischen Gegebenheiten nicht m\u00f6glich. So war jede OP eine echte Herausforderung und nur mit viel Erfahrung zu meistern\u201c sagt Heimo Weih.<\/p>\n<p>Die Zusammenarbeit mit den beiden einheimischen Chirurgen hat nach Aussage von Heimo Weih gut funktioniert. Dabei war es keineswegs so, dass die afrikanischen \u00c4rzte zu ihm aufgeblickt haben, sondern ganz im Gegenteil, ihm zun\u00e4chst kritisch \u00fcber die Schulter schauten. \u201eSie haben dann allerdings schnell Vertrauen gefasst, und ich konnte ihnen wichtige Tipps geben\u201c, so Heimo Weih. Beindruckend fand Heimo Weih die hohe Disziplin, mit der die chirurgische Station gef\u00fchrt wurde. Zwei Mal t\u00e4glich gab es eine Visite der rund 70 station\u00e4r versorgten Patienten.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Viele Patienten mit Mehrfacherkrankungen<\/span><\/p>\n<p>Suchen Menschen in Westafrika ein Krankenhaus auf, so sind sie ernsthaft erkrankt\u00c2\u00a0 und haben meist einen langen Weg hinter sich gebracht. Dar\u00fcber hinaus leiden viele Patienten neben der Haupterkrankung, wegen der sie das Krankenhaus aufsuchen, unter weiteren Krankheiten. Dazu z\u00e4hlen chronische Wunden und besonders Malaria. \u00c2\u00a0\u201eViele Patienten leiden auch unter Blutarmut. Deshalb m\u00fcssen Angeh\u00f6rige oft vor einer Operation Blut spenden. \u00dcberhaupt sind die Angeh\u00f6rigen fest in die Versorgung der Patienten mit eingebunden. Da es keine Krankenhausk\u00fcche gibt, kochen die Angeh\u00f6rigen das Essen f\u00fcr die Patienten in einer H\u00fctte vor der Klinik\u201c, so Heimo Weih.<\/p>\n<p>Bei den chronisch infizierten Wunden hat Heimo Weih besonders die hohe Anzahl und die Gr\u00f6\u00dfe der Wunden betroffen gemacht. \u201eSo etwas sieht man bei uns nur ganz selten. Offensichtlich haben in vielen F\u00e4llen paramedizinische \u201eHeiler\u201c \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum diese Wunden behandelt. Hier scheint auch die Angst vor den Kosten eines Krankenhausaufenthaltes dazu zu f\u00fchren, dass Krankenhaus erst dann aufzusuchen, wenn sonst nichts mehr hilft\u201c, so Heimo Weih.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Nachhaltigkeit als wichtiges Prinzip f\u00fcr humanit\u00e4re Eins\u00e4tze<\/span><\/p>\n<p>Damit die Hilfe auch auf Dauer wirkt und zu grundlegenden Ver\u00e4nderungen f\u00fchrt, will Heimo Weih auf jeden Fall im n\u00e4chsten Jahr wieder im Sankt Dominics Hospital ehrenamtlich t\u00e4tig sein. Aber das ist nur ein Schritt in die richtige Richtung. Als zweiten Schritt hat er einen jungen Chirurgen des Sankt Dominics Hospitals nach Seligenstadt an die Asklepios Klinik eingeladen. Hier kann der Arzt aus Ghana hospitieren und seine neuen Fertigkeiten mit nach Hause nehmen, um sie dort an seine Kollegen weiter zu geben. Dar\u00fcber hinaus baut Heimo Weih auch weiter auf den Strukturen auf, die sein Kollege Hans Georg Jester im Sankt Dominics Hospital bereits gelegt. Jester war internistischer Chefarzt am fr\u00fcheren Kreiskrankenhaus Seligenstadt und bereits vier Mal in Ghana. Ihm ist es zu verdanken, dass es jetzt dort eine Abteilung f\u00fcr Endoskopie gibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Seligenstadt. Drei Wochen seines Urlaubs hat Dr. Heimo Weih im Oktober dieses Jahres f\u00fcr seinen ehrenamtlichen Einsatz im Sankt Dominics Hospital der ghanaischen Stadt Akwatia geopfert. In dieser Zeit hat der Chefarzt der Abteilung f\u00fcr Allgemein- und Viszeralchirurgie, Asklepios Klinik Seligenstadt, rund 50 Operationen durchgef\u00fchrt. 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