{"id":116155,"date":"2013-11-02T00:09:40","date_gmt":"2013-11-02T00:09:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=116155"},"modified":"2013-11-01T15:35:29","modified_gmt":"2013-11-01T15:35:29","slug":"familie-rhein-morbe-baut-altes-bauerngut-aus-dem-17-jahrhundert-in-urspruenglichen-zustand-zurueck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=116155","title":{"rendered":"Familie Rhein-Morbe baut altes Bauerngut aus dem 17. Jahrhundert in urspr\u00fcnglichen Zustand zur\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/480-Fachwerk-Hosenfeld.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-116156\" alt=\"480-Fachwerk Hosenfeld\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/480-Fachwerk-Hosenfeld.jpg\" width=\"560\" height=\"359\" \/><\/a><\/p>\n<p>Hosenfeld. Ein wundersch\u00f6nes Anwesen \u2013\u00c2\u00a0\u00c2\u00a0 zu diesem Urteil k\u00e4men die meisten Betrachter des 350 Jahre alten, denkmalgesch\u00fctzten Fachwerkhauses in der Gemarkung Hosenfeld vermutlich. Doch der Besitzerfamilie geht es um mehr als um \u00e4u\u00dfere Sch\u00f6nheit. Sie m\u00f6chte die fast vollst\u00e4ndig erhaltene Bausubstanz aus Eichenholz, Lehm und Sandsteinen sichern und verbessern. Modernisierungen sollen sich harmonisch darstellen.<!--more--><\/p>\n<p>Engagement und professionelle Beratung\u00c2\u00a0 der Denkmalpflege des Landkreises\u00c2\u00a0 Fulda sowie die Unterst\u00fctzung von Helmut Vogler vom Fachdienst Dorferneuerung und l\u00e4ndliche Entwicklung der Kreisverwaltung haben dazu beigetragen, dass sie dem Ziel ein gutes St\u00fcck n\u00e4her gekommen sind.<\/p>\n<p>Wenn Familie Rhein-Morbe von der Geschichte ihres Hauses erz\u00e4hlt, fallen auch selbstkritische Worte: \u201eJede Generation hat hier ihre Baus\u00fcnden hinterlassen\u201c, urteilt Stefan Rhein-Morbe mit Ernst, aber nicht ohne ein Augenzwinkern. Denn das Haus, das als Bauerngut um das Jahr 1680 errichtet wurde, hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich und befindet sich bereits seit 50 Jahren in Familienbesitz. Seine Eltern haben hier eine Zeit lang gelebt und das meiste zu der heutigen Atmosph\u00e4re beigetragen. In den 1970er und 1980er Jahren wurde mit regionalen Handwerkern grundlegend saniert, renoviert und modernisiert.<\/p>\n<p>Doch trotz der fachlichen Begleitung der damaligen Denkmalschutzbeh\u00f6rden, erz\u00e4hlt Rhein-Morbe, konnten die aus heutiger Sicht gemachten Fehler und falsch eingesetzte Baumaterialien der beauftragten Handwerksbetriebe nicht vermieden werden: \u201eHeute w\u00fcrde man zum Beispiel einen v\u00f6llig anderen Verputz auftragen und die Fugen zwischen Lehmausfachung und Eichenfachwerk so ausgestalten, dass eingedrungene Feuchtigkeit auch wieder von selbst austreten und verdunsten kann.\u201c Damals handelte man anders.<\/p>\n<p>\u201eVon au\u00dfen sieht das sehr sch\u00f6n aus, die Sch\u00e4den nimmt man nur aus der N\u00e4he wahr\u201c, sagt Rhein-Morbe. Diese aufzuhalten, das ist das Anliegen der heutigen Besitzer, die selbst in dem Geb\u00e4ude leben: \u201eMeine Frau und ich haben ein Faible daf\u00fcr, das Haus m\u00f6glichst in einen originalgetreu angen\u00e4herten Zustand zur\u00fcckzubauen, die Substanz so zu erhalten und denkmalschutzgerecht zu sanieren\u201c, erl\u00e4utert er und f\u00fcgt an: \u201eUm den Erhalt wirklich zu gew\u00e4hrleisten, m\u00fcsste man das Fachwerk am besten komplett verschindeln, so wie es im 19. Jahrhundert auch \u00fcblich war.\u201c<\/p>\n<p>Doch diese Arbeiten hatten in dem zweigeschossigen Haus mit einer Gesamtfl\u00e4che von zirka 240 Quadratmetern nicht die oberste Priorit\u00e4t. Stattdessen widmete sich die Familie dem Geb\u00e4ude zun\u00e4chst im wahrsten Sinne des Wortes von Grund auf: Die Sanierung begann im Keller, wo sie bereits auf Puzzlesteine zur Hausgeschichte stie\u00dfen. Dort entdeckten sie einen zugesch\u00fctteten Oberfl\u00e4chenbrunnen, neben dem ein schon bei der Grundsteinlegung eingebauter, runder Sandsteintrog stand \u2013 vermutlich diente er der Aufbewahrung von Trinkwasser.<\/p>\n<p>Beim Ausgraben dieses Brunnens sowie bei Grabungen hinter dem Haus im vergangenen Jahr unter Leitung des Kreisarch\u00e4ologen Dr. Frank Verse wurden Verh\u00fcttungsschlacke, viele Scherben von \u201eGieseler Keramik\u201c sowie ein sogenannter \u201eGrenzzeuge\u201c der Gemarkung Hosenfeld gefunden, erz\u00e4hlt Rhein-Morbe. Sie deuten auf eine bis ins Mittelalter zur\u00fcckreichende \u201egewerbliche\u201c Nutzung des Grundst\u00fccks hin.\u00c2\u00a0 Wie bei denkmalgesch\u00fctzten H\u00e4usern \u00fcblich, wurde auch von diesem Haus ein dendrochronologisches Gutachten erstellt. Es datiert das untersuchte, zum Bau verwandte Holz etwa auf das Jahr 1673, wobei nicht zwingend das \u00e4lteste Holz gepr\u00fcft wurde.<\/p>\n<p>Damit die Geschichte des Hauses auch noch weit in die Zukunft fortgeschrieben werden kann, galt eine der Hauptsanierungsarbeiten dem Erhalt der noch fast vollst\u00e4ndig vorhandenen, original Lehmausfachungen des Hauses: \u201eWir haben unter anderem den gesamten Wandaufbau im Innenbereich mit einer speziellen Lehm-Schaumglasmischung in der Dicke verst\u00e4rkt und in diese Fl\u00e4chen eine wasserf\u00fchrende Wandheizung eingebaut, die vom Lehmputz komplett verdeckt wird\u201c, erkl\u00e4rt Rhein-Morbe. \u201eDiese Strahlungsheizung mit \u00e2\u20ac\u0161Kachelofeneffekt\u00e2\u20ac\u02dc wurde direkt und ohne weitere Isolierung in die W\u00e4nde verlegt, um sie auch nach au\u00dfen hin trockener zu halten\u201c, erl\u00e4utert der Hausbesitzer, der dieses System gemeinsam mit seiner Frau, die Architektin ist, entwickelt und umgesetzt hat.<\/p>\n<p>Technisch ist das Haus f\u00fcr die Zukunft gewappnet: \u201eWir haben eine W\u00e4rmepumpe mit einer Festbrennstoffheizung kombiniert\u201c, sagt Rhein-Morbe. Vor rund zwei Jahren wurde das Dach erneuert \u2013 hier verbirgt sich ein weiterer bauhistorischer Schatz: ein aufwendig gezimmerter \u201eLiegender Kehlbalken-Dachstuhl aus massiver Eiche\u201c. Im vergangenen Jahr wurden vor der barocken Eingangst\u00fcr die alten original Sandstein-Pflastersteine von einer Betonplatte befreit. Behutsam wurde nach und nach auch der Innenausbau begonnen und bewusst zeitlos ausgef\u00fchrt. Dabei wurden Materialien gew\u00e4hlt, die schon seit Jahrhunderten im Haus zu finden waren, wie Sandsteine, Eichendielen, handwerklich hergestellte Kassettent\u00fcren und Solnhofer-Steinflie\u00dfen. \u201eEs ist noch viel zu tun, aber Sanierungsarbeiten, denen die Ideen der Denkmalpflege und des Erhalts von Kulturg\u00fctern zu Grunde liegen, , brauchen handwerkliches K\u00f6nnen und Zeit\u201c, wirft Rhein-Morbe einen Blick in die Zukunft.<\/p>\n<p>Die Denkmaltopographie des Landkreises Fulda beschreibt die Besonderheiten des Eichenfachwerks folgenderma\u00dfen: \u201eVor allem die n\u00f6rdliche Giebelseite weist interessantes Fachwerk auf: Das Obergeschoss sowie das Giebeldreieck sind hier mit Mannfiguren aus gebogenen Fu\u00dfstreben, Sporen und Halsriegeln versehen. Erst im Inneren wird auch die au\u00dfergew\u00f6hnliche Zimmermeisterkunst deutlich. Das Dach wird von einem Liegenden Kehlbalken-Dachstuhl aus massiver Eiche getragen. Er kommt durch ausgekl\u00fcgelte Statik v\u00f6llig ohne St\u00fctzen aus.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Hosenfeld. Ein wundersch\u00f6nes Anwesen \u2013\u00c2\u00a0\u00c2\u00a0 zu diesem Urteil k\u00e4men die meisten Betrachter des 350 Jahre alten, denkmalgesch\u00fctzten Fachwerkhauses in der Gemarkung Hosenfeld vermutlich. Doch der Besitzerfamilie geht es um mehr als um \u00e4u\u00dfere Sch\u00f6nheit. Sie m\u00f6chte die fast vollst\u00e4ndig erhaltene Bausubstanz aus Eichenholz, Lehm und Sandsteinen sichern und verbessern. 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