{"id":111504,"date":"2013-07-19T00:16:27","date_gmt":"2013-07-19T00:16:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=111504"},"modified":"2013-07-18T10:40:07","modified_gmt":"2013-07-18T10:40:07","slug":"potential-bei-beschaftigung-von-frauen-wird-noch-nicht-ausreichend-genutzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=111504","title":{"rendered":"Potential bei Besch\u00e4ftigung von Frauen wird noch nicht ausreichend genutzt"},"content":{"rendered":"<p>Frankfurt am Main. Trotz aller Bem\u00fchungen der letzten Jahren durch Elterngeld, betriebliche Ma\u00dfnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, junge M\u00e4dchen und Frauen f\u00fcr MINT-Berufe zu interessieren oder dem gesetzlichen Anspruch auf einen Kitaplatz zeigt sich f\u00fcr Frauen: Ihre Teilhabe am Arbeitsmarkt unterscheidet sich immer noch deutlich von der der M\u00e4nner.\u00c2\u00a0 Obwohl in Hessen die Arbeitsmarktintegration von Frauen verbessert werden konnte, gibt es noch zu viele ungenutzte Potenziale, findet Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen:<!--more--><br \/>\n\u201eTrotz punktueller Verbesserungen gibt es weiterhin Handlungsbedarf. Auf der einen Seite bem\u00fchen sich Betriebe um Fachkr\u00e4fte, auf der anderen Seite bietet die Personengruppe der Frauen ein erhebliches Potenzial. Arbeitslosigkeit zu beenden, einer Vollzeitbesch\u00e4ftigung nachzugehen oder regional mobil zu sein, ist h\u00e4ufig nur m\u00f6glich, wenn eine entsprechende Kinderbetreuung gew\u00e4hrleistet ist und individuelle Arbeitszeitmodelle vorhanden sind. Viele gute Ans\u00e4tze existieren bereits heute, jedoch m\u00fcssen wir intensiv an einer Verbreitung arbeiten. Elternauszeiten d\u00fcrfen nicht l\u00e4nger als KO-Kriterien in die Erwerbsbiografien von Frauen zementiert werden.\u201c<\/p>\n<p><strong>Genderbericht der Regionaldirektion:<\/strong><br \/>\n<strong>Arbeitsplatzgewinne vor allem aus Anstieg der Teilzeitbesch\u00e4ftigung von Frauen<\/strong><\/p>\n<p>Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Besch\u00e4ftigten in Hessen hat in den letzten zehn Jahren insgesamt leicht zugenommen; von 2.192.552 im Juni 2002 auf 2.272.259 im Juni 2012. Die Arbeitsplatzgewinne resultierten dabei in den letzten Jahren vor allem aus der Zunahme der Teilzeitbesch\u00e4ftigten. Obwohl sich die Zahl teilzeitbesch\u00e4ftigter M\u00e4nner seit 2001 stetig erh\u00f6ht hat, betrifft Teilzeit in gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfe Frauen. Gingen 2001 noch 4,2 Prozent aller erwerbst\u00e4tigen M\u00e4nner in Hessen einer Teilzeitbesch\u00e4ftigung nach, waren es 2011 bereits 6,9 Prozent. Dem gegen\u00fcber stehen Frauen mit einem Anteil von 37,1 Prozent (2001: 29,9 Prozent).<br \/>\nDie Besch\u00e4ftigungsquote von Frauen lag 2012 in Hessen bei 48,6 Prozent, die der M\u00e4nner bei 56,4 Prozent.<\/p>\n<p><strong>Frauen h\u00e4ufiger geringf\u00fcgig besch\u00e4ftigt<\/strong><br \/>\n2012 waren 514.103 Frauen und M\u00e4nner unter 65 Jahren geringf\u00fcgig besch\u00e4ftigt. 41,5 Prozent aller geringf\u00fcgig Besch\u00e4ftigten sind Frauen, die au\u00dfer ihrem Minijob kein weiteres Erwerbseinkommen haben; bei den M\u00e4nnern sind es 18,8 Prozent. Die Zahl der Minijobs, die neben einer sozialversicherungspflichtigen T\u00e4tigkeit ausge\u00fcbt werden, ist weiter gestiegen, seit 2003 um 122 Prozent.<\/p>\n<p>Diese Entwicklung korrespondiert mit den Ergebnissen einer bundesweiten Umfrage (Statistisches Bundesamt, M\u00e4rz 2012), nach der sich rund die H\u00e4lfte der Teilzeit- oder geringf\u00fcgig besch\u00e4ftigten Frauen eine Ausweitung ihrer Arbeitszeiten w\u00fcnscht, die Aus\u00fcbung einer ganzt\u00e4gigen Arbeit jedoch f\u00fcr jede f\u00fcnfte Frau mit der Betreuung von Kindern und Angeh\u00f6rigen nicht vereinbar ist. Eine Ausweitung der individuellen Arbeitszeiten von Frauen w\u00fcrde einer m\u00f6glichen Altersarmut vorbauen und den Beitrag von Frauen zum Haushaltseinkommen steigern (Beitrag Frauen: 19 Prozent des Paarhaushaltes mit Kindern zwischen drei und sechs Jahren laut BIB, Juli 2013)<\/p>\n<p><strong>Handlungsfelder der Beauftragten f\u00fcr Chancengleichheit (BCA)<\/strong><br \/>\nDie Bundesagentur f\u00fcr Arbeit verfolgt die Gleichstellung von Frauen und M\u00e4nnern als durchg\u00e4ngiges Prinzip der Arbeitsf\u00f6rderung. Ihre F\u00f6rderleistungen sollen insbesondere die berufliche Situation von Frauen verbessern, indem sie auf die Beseitigung bestehender Nachteile sowie auf die \u00dcberwindung eines geschlechtsspezifisch gepr\u00e4gten Ausbildungs- und Arbeitsmarktes hinwirkt. Frauen sollen entsprechend ihrem Anteil an den Arbeitslosen und ihrer relativen Betroffenheit von Arbeitslosigkeit gef\u00f6rdert werden.<\/p>\n<p>Die BCA der Agenturen arbeiten in Netzwerken und Kooperationen, beraten Arbeitgeber genauso wie Frauen, die einen Job suchen.. Das Angebot reicht von Telefonaktionen f\u00fcr Wiedereinsteigerinnen und Frauen-Info-Tage \u00fcber Speed-Datings f\u00fcr Alleinerziehende mit Arbeitgebern zur Einrichtung von F\u00f6rderma\u00dfnahmen f\u00fcr arbeitslose Berufsr\u00fcckkehrende, wie die \u201ePerspektive Wiedereinstieg\u201c. Es umfasst neue Kooperationen mit Mehrgenerationenh\u00e4usern und Familienzentren sowie die bew\u00e4hrte Zusammenarbeit mit den kommunalen Partnern.<\/p>\n<p><strong>IAB-Betriebspanel:<\/strong><br \/>\n<strong>Weibliche F\u00fchrungskr\u00e4fte sind in Hessen rar<\/strong><br \/>\nImmer wieder im Raum steht die Frage, inwieweit Frauen in F\u00fchrungspositionen anzutreffen sind. Zum dritten Mal wurden im Rahmen des IAB-Betriebspanels die Betriebe 2012 erneut zu diesem Thema befragt, um Entwicklungen aufzuzeigen. Hierbei sind nur langsame Fortschritte zu verzeichnen, wie die Auswertung des Instituts f\u00fcr Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universit\u00e4t zeigt:<\/p>\n<p>In Hessen waren 2012 knapp 54.000 Frauen in der ersten F\u00fchrungsebene eines Betriebs t\u00e4tig. Dies entspricht einem Anteil von 26 Prozent, der damit gegen\u00fcber der letzten Befragung (2008) um drei Prozentpunkte gestiegen ist. Dies kann nicht als deutlicher Erfolg interpretiert werden, da der Frauenanteil auf der ersten F\u00fchrungsebene im Jahr 2004 bereits bei 25 Prozent lag. Dennoch ist festzustellen, dass in mittelgro\u00dfen und gr\u00f6\u00dferen Betrieben ein Aufw\u00e4rtstrend auszumachen ist. Der Frauenanteil in der ersten F\u00fchrungsebene erh\u00f6hte sich in diesen Betriebsgr\u00f6\u00dfenklassen um jeweils knapp zehn Prozentpunkte innerhalb der letzten acht Jahre, erreicht aber noch nicht den Umfang, wie er in Kleinst- und Kleinbetrieben anzutreffen ist.<\/p>\n<p>Frauen in F\u00fchrungspositionen sind eher in Wirtschaftszweigen mit ohnehin hohen Frauenanteilen zu finden. So arbeiten und f\u00fchren im Bau- und Verarbeitenden Gewerbe nur wenige Frauen. Eine gro\u00dfe Zahl an besch\u00e4ftigten Frauen f\u00fchrt aber nicht zwangsl\u00e4ufig dazu, dass sie auch an die Betriebsspitze gelangen: In vier von zehn Betrieben mit \u00fcberdurchschnittlichem Frauenanteil gibt es keine einzige weibliche F\u00fchrungskraft. Auf der zweiten F\u00fchrungsebene liegt der Frauenanteil mit 39 Prozent deutlich h\u00f6her als auf der ersten F\u00fchrungsebene.<\/p>\n<p><strong>Kaum Ma\u00dfnahmen zur Chancengleichheit<\/strong><br \/>\n69 Prozent der befragten Betriebe sind nicht aktiv bei Ma\u00dfnahmen zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf bzw. zur F\u00f6rderung der Chancengleichheit von Frauen und M\u00e4nnern. Am ehesten wird auf famili\u00e4re Betreuungspflichten R\u00fccksicht genommen. So sieht jeder vierte hessische Betrieb Unterst\u00fctzungen -\u00c2\u00a0 z.B. in Form von flexiblen Arbeitszeitregelungen -\u00c2\u00a0 vor. Auch Angebote an Besch\u00e4ftigte in Elternzeit sind mit knapp zehn Prozent noch relativ verbreitet. Deutlich seltener finden sich Ma\u00dfnahmen, die unmittelbares betriebliches Engagement erfordern, wie die direkte Unterst\u00fctzung der Kinderbetreuung oder die gezielte innerbetriebliche F\u00f6rderung von Frauen. In den letzten vier Jahren haben sich leichte Verbesserungen ergeben. So stieg der Anteil der Betriebe, der Angebote an Besch\u00e4ftigte in Elternzeit macht, deutlich, und der vor vier Jahren noch kaum messbare Anteil an Betrieben, die sich bei der Kinderbetreuung engagieren, stieg auf f\u00fcnf Prozent.<\/p>\n<p>Fazit: Weder auf der ersten noch auf der zweiten F\u00fchrungsebene ist es in den letzten acht Jahren gelungen, \u00fcber alle Betriebsgr\u00f6\u00dfen hinweg den Anteil der Frauen deutlich zu steigern. Auf der ersten und zweiten F\u00fchrungsebene konnten nur Gro\u00dfbetriebe den Frauenanteil deutlich ausbauen; auf der ersten F\u00fchrungsebene konnten kleine und mittlere Unternehmen den Frauenanteil etwas steigern. Ma\u00dfnahmen zur F\u00f6rderung der Chancengleichheit werden nach wie vor nur von einem kleinen Teil der Betriebe angeboten.<\/p>\n<p><strong>Fachkr\u00e4ftekommission:<\/strong><br \/>\n<strong>Frauen stellen gro\u00dfes Potential bei Bek\u00e4mpfung der Fachkr\u00e4ftel\u00fccke<\/strong><\/p>\n<p>Die Handlungsempfehlungen der Fachkr\u00e4ftekommission Hessen bleiben angesichts der aktuellen Besch\u00e4ftigungssituation von Frauen somit als wichtige Meilensteine zur Bek\u00e4mpfung des Fachkr\u00e4ftebedarfs bestehen. Die Fachkr\u00e4ftekommission kam zu dem Ergebnis, dass zu wenige Frauen ihr gew\u00fcnschtes Arbeitszeitvolumen realisieren k\u00f6nnen. Um Frauen das Arbeitszeitvolumen anbieten zu k\u00f6nnen, das ihren individuellen Lebenssituationen entspricht, m\u00fcssten einige gesellschaftspolitische Ver\u00e4nderungen vorangetrieben werden.<\/p>\n<p><strong>Als Handlungsempfehlungen wurden u.a. durch die Fachkr\u00e4ftekommission formuliert:<\/strong><\/p>\n<p>\u00e2\u20ac\u00a2 Deutlicher Ausbau verl\u00e4sslicher Betreuungsangebote (mit langen \u00d6ffnungszeiten, Notbetreuung etc.)<br \/>\n\u00e2\u20ac\u00a2 Erweiterung des Angebots familienunterst\u00fctzender Ma\u00dfnahmen (Fortbildungen, haushaltsnahe Dienstleistungen etc.)<br \/>\n\u00e2\u20ac\u00a2 Verst\u00e4rkte Sensibilisierung von Frauen bei der Berufs- und Studienwahl (Berufsorientierung, Lernangebote an Schulen etc.)<br \/>\n\u00e2\u20ac\u00a2 Vermeidung von Ungleichbehandlung bei Entlohnungsstrukturen und F\u00f6rderung von Aufstiegsm\u00f6glichkeiten (z.B. durch Einsatz von Pr\u00fcfinstrumenten, Klauseln wie \u201ebei gleicher Eignung werden Frauen bevorzugt\u201c).<\/p>\n<p>\u201eEs zeigt sich, so Frank Martin abschlie\u00dfend, dass mit einer Steigerung der Erwerbsbeteiligung von Frauen dem Fachkr\u00e4fteproblem aktiv entgegen gewirkt werden kann.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Frankfurt am Main. 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