{"id":110091,"date":"2013-06-13T00:14:11","date_gmt":"2013-06-13T00:14:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=110091"},"modified":"2013-06-12T14:20:49","modified_gmt":"2013-06-12T14:20:49","slug":"podium-musikschule-der-lange-weg-zur-buhne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=110091","title":{"rendered":"Podium Musikschule: Der lange Weg zur B\u00fchne"},"content":{"rendered":"<p>Fulda (cp). Beim \u201ePodium Musikschule\u201c pr\u00e4sentierte die Musikschule der Stadt Fulda\u00c2\u00a0 einige ihrer gr\u00f6\u00dften Talente. Die Veranstaltung bietet die f\u00fcr den Nachwuchs so unglaublich wichtige M\u00f6glichkeit, auch erste gr\u00f6\u00dfere Werke vor Publikum spielen zu k\u00f6nnen. Das Gef\u00fcge aus richtiger Wahl des St\u00fcckes, effizientem \u00dcben, Entwicklung der Ausdruckskraft und dem Erlangen von Nervenst\u00e4rke auf der B\u00fchne ist fragil und muss st\u00e4ndig trainiert werden. Die Perfektion im professionellen Konzertbetrieb ist schlie\u00dflich nicht vom Himmel gefallen, sondern das Ergebnis der im Vorfeld geleisteten p\u00e4dagogischen Basisarbeit.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Gro\u00dfe Lebendigkeit<\/strong><\/p>\n<p>Die Violinsolistinnen Agnes Berb\u00e9e und Cecilia Steinmacher haben ihre Aufgabe bei dem Vivace aus Bachs Doppelkonzert schon ziemlich souver\u00e4n\u00c2\u00a0 gemeistert. Der st\u00e4ndige, stilgerecht ausgefeilte Dialog mit dem von Zolt\u00e1n Udvardy\u00c2\u00a0 engagiert geleiteten Streichorchester sorgte f\u00fcr gro\u00dfe Lebendigkeit am Anfang des zweist\u00fcndigen Konzertes. Drei ausgew\u00e4hlte S\u00e4tze aus der Orchestersuite h-moll bot anschlie\u00dfend \u2013 wieder vom Streichorchester begleitet \u2013 die Querfl\u00f6tistin Franziska K\u00fcmmel. Ihr gelang ebenfalls ein sehr sch\u00f6n gestalteter Solopart. Die Zeit f\u00fcr die solide Entwicklung eines noch tragf\u00e4higeren, solistischen Tones r\u00e4umt man ihr gerne ein. Zupackend und spielfreudig zeigte sich Nicole Gerdt am Klavier. Wie die Gro\u00dfen ihre Faches nahm sie sich ihre Freiheiten, was die Gestaltung der Dynamik betrifft und fasste den filigranen Beginn von Schuberts As-Dur Impromptu op. 90 eher virtuos auf. Dadurch kamen melodische Elemente der linken Hand sowie der Kontrast zu den eigentlichen dynamischen H\u00f6hepunkten des Werkes zwar fast etwas zu kurz, das Publikum konnte sie aber allemal \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p><strong>Ausdrucksvolle Darbietung<\/strong><\/p>\n<p>Von sch\u00f6ner Schlichtheit und ganz nach innen gekehrt war die Interpretation der Nocturne Es-Dur, op.2 von Fr\u00e9d\u00e9ric Chopin, die Laura Kontschak mit wunderbar gesanglicher Melodief\u00fchrung gelang. Sanft wiegende Klavierfiguren und eine die Vorz\u00fcge des warmen Viola-Klanges sch\u00f6n beleuchtende Melodiestimme zeichnen Gabriel Faur\u00e9s Berceuse (Wiegenlied) aus. Die Schwestern Annika und Janina Welchar \u00fcberzeugten hier mit einer homogenen und ausdrucksvollen Darbietung. Amelie Briselat und Annalea Meisel waren zun\u00e4chst leicht irritiert, als Schulleiter Christoph Stibor erz\u00e4hlte, dass Johann Sebastian Bachs Fl\u00f6tensonate g-moll weder von Vater Bach (sondern vermutlich von seinem Sohn Carl Philipp Emanuel), noch ein St\u00fcck f\u00fcr Fl\u00f6te (sondern f\u00fcr Violine) sei.<\/p>\n<p>Solche Adaptionen f\u00fcr andere Instrumente sind jedoch \u00fcblich und so begannen die beiden K\u00fcnstlerinnen ganz erleichtert ihren Vortrag. Durch ihre Stilsicherheit und den liebevollen Umgang mit den Details hatten die beiden eine so solide Basis, dass sie kleine Unsicherheiten souver\u00e4n wegstecken konnten. Nach der Pause gab es dann den umgekehrten Fall, n\u00e4mlich ein von der Geigerin Tabea Welchar \u201evereinnahmtes\u201c Fl\u00f6tenst\u00fcck: den \u201eReigen seliger Geister\u201c aus Glucks Oper Orpheus und Euridike. Ihre Schwester Annika begleitete sie auf Augenh\u00f6he, so dass das Duo die gebotene Leichtigkeit und Eleganz des St\u00fcckes perfekt getroffen hat.<\/p>\n<p><strong>H\u00f6rgenuss<\/strong><\/p>\n<p>Als Vorl\u00e4uferin des argentinischen Tangos gilt die Milonga. Eine der bekanntesten ist sicher Astor Piazzollas melancholische \u201eMilonga del Angel\u201c, die Pianistin Lisa Lindenthal sehr gef\u00fchlvoll spielte. Vom selben Komponisten war auch \u201eCaf\u00e9 1930\u201c, ein gerade am Klavier schwer umzusetzender Tango aus der Feder des Meisters. Mit einer ausgereiften, sehr authentischen Interpretation \u00fcberraschte Anna Fischer das gebannt lauschende Publikum. Toll artikuliert, in passendem Tempo und dynamisch gut gestaltet hat das Trio Eva R\u00fctzel, Katharina Schaub (beide Querfl\u00f6te) und Johanna Mellin (Cello) das Konzert h-moll von Georg Philipp Telemann. An der Intonation darf zwar gelegentlich noch gefeilt werden, dem H\u00f6rgenuss tat das jedoch keinen gro\u00dfen Abbruch. David Dechant hat sich mit Rachmaninows cis-moll Pr\u00e9lude op. 3, Nr. 2 ein sehr ausdrucks- wirkungsvolles Konzertst\u00fcck ausgesucht, welches an den Spieler gro\u00dfe klangliche und technische Herausforderungen stellt. Ihm gelang es, mit Hingabe und Freude am Musizieren das Publikum zu fesseln.<\/p>\n<p><strong>Mit viel Charme<\/strong><\/p>\n<p>Ebenso weit entwickelt zeigte sich Mirjam Tielmann an der Geige, die Edouard Lalos Violinkonzert \u201eSymphonie espagnole\u201c leidenschaftlich, eindringlich und risikofreudig wiedergab. Dadurch gelang zwar nicht alles ganz perfekt, der Lebendigkeit des Vortrages tat der packende Zugriff jedoch sehr gut, was sich in wohlverdientem, \u00fcppigen Beifall niederschlug. In Liszts ber\u00fchmtem Liebestraum Nr. 3 wechseln sich fast intim wirkende Melodiepassagen mit perlenden Solokadenzen ab, so dass das St\u00fcck nie seicht bleibt, sondern an Tiefe und Ernsthaftigkeit gewinnt. Das wusste Maximilian M\u00f6ller ad\u00e4quat umzusetzen und ging ebenfalls mit viel Anerkennung von der B\u00fchne. Sommerlich-leicht\u00c2\u00a0 beschloss das Streichquartett mit Andr\u00e9 Musch, Amelie Becker (beide Violine), Janina Welchar (Viola) und Benedikt Kaiser (Cello) das Programm. Das Kammermusikensemble gestaltete das grazi\u00f6s-cantable Allegretto der Canzonetta aus Mendelssohns op. 12 schlank, fl\u00fcssig und mit viel Charme. Die jungen K\u00fcnstler wurden f\u00fcr einen tollen Abend mit \u00fcppigem Applaus belohnt, einige von ihnen waren zum letzten Mal dabei und haben nach dem Konzert durchaus wehm\u00fctig die musikalisch fruchtbaren Jahre an der Musikschule noch einmal Revue passieren lassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Fulda (cp). Beim \u201ePodium Musikschule\u201c pr\u00e4sentierte die Musikschule der Stadt Fulda\u00c2\u00a0 einige ihrer gr\u00f6\u00dften Talente. Die Veranstaltung bietet die f\u00fcr den Nachwuchs so unglaublich wichtige M\u00f6glichkeit, auch erste gr\u00f6\u00dfere Werke vor Publikum spielen zu k\u00f6nnen. 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