{"id":109544,"date":"2013-05-31T00:11:39","date_gmt":"2013-05-31T00:11:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=109544"},"modified":"2013-05-31T04:59:08","modified_gmt":"2013-05-31T04:59:08","slug":"katholiken-feierten-fronleichnam-predigt-von-bischof-algermissen-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=109544","title":{"rendered":"Katholiken feierten Fronleichnam \u2013 Predigt von Bischof Algermissen"},"content":{"rendered":"<p>Fulda (bpf). Mit Gottesdiensten und Prozessionen feierten die Katholiken am Donnerstag das Fronleichnamsfest. Eine der gr\u00f6\u00dften Fronleichnamsprozessionen in Hessen fand in Fulda statt, wo das Fest seit \u00fcber 700 Jahren begangen wird. Rund 3.000 Gl\u00e4ubige zogen hier nach einem Gottesdienst im vollbesetzten Hohen Dom unter bei strahlendem Sonnenschein durch die mit frischem Birkengr\u00fcn, bunten Blumenteppichen und gelb-wei\u00dfen Fahnen geschm\u00fcckte Innenstadt.<!--more--><br \/>\n\u201eNur eine Liturgie, die das Geheimnis der Gegenwart Gottes feiert und sich deshalb weder den Menschen als gef\u00e4llig oder unterhaltsam anbiedern m\u00f6chte, sondern das Bestreben hat, Gott zu verehren und ihm zu gefallen, wird fremde und au\u00dfenstehende Besucher erkennen lassen, dass die Gegenwart Gottes in der Feier der Eucharistie die innerste Mitte des Geheimnisses ist.\u201c Darauf wies Bischof Heinz Josef Algermissen in seiner Predigt in dem Pontifikalamt besonders hin. Dann erst k\u00f6nnten die Menschen bekennen: \u201eWir haben erfahren, dass Gott dort unter den Menschen anwesend ist\u201c. Diese Erkenntnis sei der hohe Anspruch der Eucharistie als Feier des Heilsged\u00e4chtnisses Jesu Christi.<\/p>\n<p>Am Beginn seiner Predigt stellte der Oberhirte heraus, dass Jesus in der j\u00fcdischen Tradition Gott gedankt und diesem Dank durch die Hingabe seines Leibes und Blutes eine ganz neue Dimension gegeben habe. \u201eDie Eucharistie der Kirche ist deshalb nicht einfach die Wiederholung eines Mahles, sondern die Ged\u00e4chtnisfeier von Tod und Auferstehung Jesu Christi.\u201c In der Eucharistiefeier erinnerten sich die Christen daran, was der Herr f\u00fcr sie getan habe. Gedenken im biblischen Sinn sei freilich nicht blo\u00df ein Sich-Erinnern an Ereignisse in der Vergangenheit. \u201eIn der liturgischen Feier werden vielmehr die Ereignisse in der Vergangenheit selbst gegenw\u00e4rtig und wieder lebendig.\u201c So seien auch gl\u00e4ubige Juden bis heute \u00fcberzeugt, dass sie selbst bei der Feier des Pascha aus \u00c4gypten mit ausz\u00f6gen.<\/p>\n<p>Von dieser eucharistischen Grund\u00fcberzeugung lege der Kirchenlehrer Hieronymus ein sch\u00f6nes Zeugnis ab, fuhr Algermissen fort. Hieronymus berichte von einer alten Tradition, dass die Gl\u00e4ubigen in der Osternacht nicht vor Mitternacht aus dem Gottesdienst entlassen werden d\u00fcrften. Da die Christen in dieser Nacht die Wiederkunft des Herrn erwarteten, habe die Osternachtsfeier in der fr\u00fchen Kirche erst nach Mitternacht aufgeh\u00f6rt. Wenn dann freilich die Mitternacht vorbei war und die Wiederkunft des Herrn nicht stattfand, gingen sie keinesfalls entt\u00e4uscht nach Hause. Sie feierten vielmehr die Eucharistie, weil sie \u00fcberzeugt waren, dass sich in der Eucharistie die Wiederkunft des Herrn bereits ereignet habe und dass der Herr verborgen in der Gestalt von Brot und Wein gegenw\u00e4rtig sei. Von daher werde sichtbar, dass die Weisung Jesu \u201eTut dies zu meinem Ged\u00e4chtnis\u201c nicht nur hei\u00dfe, dass man sich an das erinnere, was der Herr f\u00fcr die Christen getan habe, \u201esondern dass wir auch an das denken, was noch kommen wird, und dass wir glauben, dass sowohl das Vergangene wie das Kommende in der Feier der Hl. Eucharistie selbst gegenw\u00e4rtig ist\u201c.<\/p>\n<p>Die Feier der Eucharistie ist laut Bischof Algermissen nicht nur Vergegenw\u00e4rtigung von Tod und Auferstehung Jesu Christi, sondern auch Sehnsucht nach der Wiederkunft des Herrn. Sie sei \u201eAngeld der kommenden Herrlichkeit\u201c, \u201epanis viatorum\u201c, wie am Fronleichnamstag gesungen werde, n\u00e4mlich Brot der Pilger und Nahrung der Hoffnung, die nichts zugrunde gehen lasse. Angesichts der Gr\u00f6\u00dfe des Geheimnisses der Gegenwart Jesu Christi in der Feier der Hl. Eucharistie verstehe man das entschiedene Bem\u00fchen der Kirche, dass die Eucharistie w\u00fcrdig, sch\u00f6n und katholisch gefeiert werde, weil sie nur so auf die Menschen ausstrahlen k\u00f6nne. Das habe noch einmal Papst Benedikt XVI. in seinem Nachsynodalen Apostolischen Schreiben \u201eSacramentum Caritatis\u201c in Erinnerung gerufen.<\/p>\n<p>Davon lege eine alte Legende \u00fcber den Ursprung des Christentums in Russland beredtes Zeugnis ab, rief der Oberhirte in Erinnerung. Die Legende erz\u00e4hle, der F\u00fcrst Vladimir von Kiew sei auf der Suche nach der rechten Religion f\u00fcr sein Volk gewesen. Der Reihe nach h\u00e4tten sich deshalb die aus Bulgarien kommenden Vertreter des Islam und des Judentums, sp\u00e4ter auch die Abgesandten des Papstes aus Deutschland vorgestellt, die ihm jeweils ihren Glauben als den rechten und besten angeboten h\u00e4tten. Bei all diesen Angeboten aber sei der F\u00fcrst unbefriedigt geblieben. Seine Entscheidung sei erst gefallen, als seine Gesandten von einem feierlichen Gottesdienst zur\u00fcckgekehrt waren, an dem sie in der Sophienkirche in Konstantinopel teilgenommen hatten. Voller Begeisterung h\u00e4tten sie n\u00e4mlich dem F\u00fcrst berichtet: \u201eUnd wir kamen zu den Griechen und wurden dorthin gef\u00fchrt, wo sie ihrem Gott dienen\u00e2\u20ac\u00a6 Wir wissen nicht, ob wir im Himmel oder auf Erden gewesen sind\u00e2\u20ac\u00a6 Wir haben erfahren, dass Gott dort unter den Menschen weilt.\u201c<\/p>\n<p>Die Zuwendung der Russen zum Christentum sei in historischer Sicht gewiss in einem langen und komplizierten Prozess vor sich gegangen, meinte der Bischof hierzu. Dennoch enthalte diese Legende vom liturgischen Ursprung des russischen Christentums einen tiefen Kern an Wahrheit. \u201eSie weist auf die geschichtliche Tatsache hin, dass die innere Kraft der Liturgie bei der Ausbreitung des Christentums eine wesentliche Rolle gespielt hat, die man nicht untersch\u00e4tzen sollte.\u201c Algermissen forderte die Gl\u00e4ubigen auf, einander am Hochfest Fronleichnam gegenseitig das Versprechen zu geben, \u201edass wir in unserem Bistum Fulda all unsere Kraft daran setzen, glaubw\u00fcrdig Bedingungen zu schaffen, die deutlich machen, dass sich in der Feier der Hl. Eucharistie je neu Himmel und Erde ber\u00fchren\u201c. Das werde eine gro\u00dfe und bleibende Aufgabe f\u00fcr alle Priester und alle Gemeinden sein.<\/p>\n<p>Der Domchor Fulda unter der Leitung von Domkapellmeister Franz-Peter Huber sang im Gottesdienst und bei der Prozession Chors\u00e4tze aus der \u201eMissa in honorem Beatae Mariae Virginis de Loreto\u201c von V. Goller und von M. Haller, N. Wilton, H. Isaak und W. A. Mozart sowie weitere Chor\u00e4le im Wechsel mit der Gemeinde. Die Orgel spielte Domorganist Prof. Hans-J\u00fcrgen Kaiser. An den Alt\u00e4ren wirkte neben einer Bl\u00e4sergruppe auch der Domchor mit. Beim diesj\u00e4hrigen Fronleichnamsfest k\u00fcndigte zum ersten Mal ein Bl\u00e4serquartett das Pontifikalamt mit Bischof Algermissen einige Minuten vor Gottesdienstbeginn festlich an.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Fulda (bpf). Mit Gottesdiensten und Prozessionen feierten die Katholiken am Donnerstag das Fronleichnamsfest. Eine der gr\u00f6\u00dften Fronleichnamsprozessionen in Hessen fand in Fulda statt, wo das Fest seit \u00fcber 700 Jahren begangen wird. 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