{"id":108436,"date":"2013-04-29T00:12:37","date_gmt":"2013-04-29T00:12:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=108436"},"modified":"2013-04-28T08:49:55","modified_gmt":"2013-04-28T08:49:55","slug":"der-sturm-das-musical-fur-die-ganze-familie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=108436","title":{"rendered":"DER STURM &#8211; Das Musical f\u00fcr die ganze Familie"},"content":{"rendered":"<p>Bad Hersfeld. Die Bad Hersfelder Festspiele bieten seit drei Jahren Musicals f\u00fcr die ganze Familie. Das erste Musical f\u00fcr kleine und gro\u00dfe Menschen ab 6 Jahre, DAS DSCHUNGELBUCH war ein riesiger Erfolg und wurde deshalb im letzten Jahr wieder aufgenommen. DAS DSCHUNGELBUCH wurde in einer eigens f\u00fcr die Bad Hersfelder Festspiele geschriebenen Fassung gespielt. Der Text kam von Theaterautor Gerold Theobalt, die Musik von Wolfgang Schmidtke, der auch die DSCHUNGELBAND leitete, die live seine vielf\u00e4ltige Musik in den Vorstellungen spielte.\u00c2\u00a0 Im Sommer 2013 hei\u00dft das Musical f\u00fcr die ganze Familie DER STURM und ist eigentlich ein Theaterst\u00fcck von William Shakespeare. DER STURM gilt als sein letztes Werk. In Bad Hersfeld wird die Musicalfassung f\u00fcr die ganze Familie als Welturauff\u00fchrung mit Livemusik auf die B\u00fchne kommen. Den Text hat wiederum Gerold Theobalt geschrieben. Die Musik hat Wolfgang Schmidtke komponiert.\u00c2\u00a0 DER STURM \u2013 f\u00fcr Kinder ab sechs Jahre und Erwachsene und dann auch noch als Musical &#8211; wie soll das denn gehen, fragt sich mancher. Wir fragen Gerold Theobalt.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Gerold Theobalt:<\/strong><br \/>\nAuf den ersten Blick scheint es wirklich absurd. DER STURM gilt zurecht als ein \u00fcberaus komplexes Drama. Hier zieht ein Altmeister seines Faches noch einmal alle handwerklichen Register, um dem Theater Lebewohl zu sagen. Dabei fasst William Shakespeare die Summe seiner Lebenserfahrung in einer bildreichen, gleichwohl ungemein pr\u00e4zisen Sprache zusammen. Doch wer szenische Opulenz und \u00fcberbordende Theatereffekte erwartet h\u00e4tte, sieht sich get\u00e4uscht. Nur einmal \u2013 unmittelbar zu Beginn des St\u00fcckes \u2013 setzt der alte Theaterfuchs f\u00fcr das Publikum die ganze B\u00fchnenmaschinerie seiner Zeit ein und entfacht eben jenen Theatersturm, aus dem sich die weitere Handlung entwickelt. Was dann folgt, sind \u00fcberaus konzentrierte Dialogszenen von gro\u00dfer Klarheit, in denen die letzten Fragen von Schuld und S\u00fchne, von Rache und Vergebung, von Liebe und Tod behandelt werden.<\/p>\n<p>Nicht nur als Kinderst\u00fcck, sehr wohl aber als Familientheater l\u00e4sst sich die Geschichte der aus Mailand vertriebenen (in unserem Fall) Herzogin Prospera, die sich dank ihrer Zauberei auf eine ferne Insel rettet und dort ihre Rachepl\u00e4ne schmiedet, angemessen auf der B\u00fchne erz\u00e4hlen. Anders als das herk\u00f6mmliche Kinderst\u00fcck setzt das Familientheater in seiner Erz\u00e4hlweise die Tradition der gro\u00dfen Geschichten fort, die von jeher alle Generationen in ihren Bann geschlagen haben.\u00c2\u00a0 Die Rezeption solcher Generationen-\u00fcbergreifenden Geschichten lebt vom Gespr\u00e4ch \u2013 vom Phantasieaustausch zwischen Kindern und Erwachsenen. Dabei sollen durchaus auch Verst\u00e4ndnisfragen gekl\u00e4rt werden. Und w\u00e4hrend die Eltern bei ihren Kindern die eine oder andere Bildungsl\u00fccke schlie\u00dfen, bringen gerade die j\u00fcngsten Zuschauer nicht selten Details einer Inszenierung zur Sprache, die der Aufmerksamkeit der Erwachsenen vielleicht entgangen sind.<\/p>\n<p><strong>Wie macht man denn nun so ein Werk so vielen Generationen zug\u00e4nglich?<\/strong><\/p>\n<p>GT: Wir haben viel M\u00fche darauf verwendet, das St\u00fcck sprachlich wie musikalisch f\u00fcr Kinder verst\u00e4ndlich zu machen, ohne die inhaltliche Substanz der gro\u00dfen Vorlage zu besch\u00e4digen. In erster Linie ging es darum, Situationen so zu erz\u00e4hlen, dass sie auch f\u00fcr junge Zuschauer nachvollziehbar sind.<\/p>\n<p>Wie im Original, liegt auch im Musical ein Akzent auf dem Verh\u00e4ltnis von Prospera (Maaike Schuurmans) und Miranda. Ein Beispiel: Wichtiger als das eigentliche Ereignis der Havarie ist es, zu zeigen, was der Schiffsuntergang in einem M\u00e4dchen ausl\u00f6st, das Zeugin einer solchen Katastrophe wurde und dann erfahren muss, dass die eigene Mutter daf\u00fcr verantwortlich ist. \u00dcberhaupt sind Miranda und Ferdinand (Julia Hell\/Fabian Baumgarten), junge Menschen an der Schwelle zum Erwachsensein, bereits bei Shakespeare gro\u00dfe Sympathietr\u00e4ger. Naheliegend, dass sich gerade j\u00fcngere Zuschauer mit ihnen identifizieren werden.<\/p>\n<p>Mehr noch aber wird der Luftgeist Ariel (Patrizia Margaliotta) zum Komplizen des Publikums. Die in Magie erfahrene Generation der Harry-Potter-Leser wird bei ihm nicht nur musikalisch auf ihre Kosten kommen. F\u00fcr Heiterkeit sorgen die beiden Trunkenbolde Stephano und Trinculo (Livio Cecini und Thomas Gimbel). Der Humanist Gonzalo (Daniel Dimitrow) hat etwas von einem gutm\u00fctigen, aber leicht weltfremden Lehrer, der in allem nur das Gute sehen will und dann unweigerlich entt\u00e4uscht wird. Und der furchterregende, mordl\u00fcsterne\u00c2\u00a0 Eingeborene Caliban (Stephan Ullrich) wird auch bei Kindern zumindest dann Verst\u00e4ndnis finden, wenn er sein Los als Sklave beklagt und von Prospera zurecht seine ererbte Insel zur\u00fcckfordert.<\/p>\n<p><strong>Und was sollen wir lernen?<\/strong><\/p>\n<p>GT: Alle Figuren des St\u00fcckes sind moralisch ambivalent: Ist Prospera als unrechtm\u00e4\u00dfig vertriebene Herzogin ein Opfer, so wird sie doch selbst zur Tyrannin gegen\u00fcber Caliban. Antonia und mit ihr K\u00f6nig Alonso und Sebastian haben schwere Schuld auf sich geladen, als sie Prospera und Miranda gewaltsam aus Mailand vertrieben und in einem morschen Boot aussetzten. Aber war es denn nicht n\u00f6tig, eine Regentin abzusetzen, die sich nur noch um Wei\u00dfe Magie\u00c2\u00a0 (sprich: Wissenschaft) und die Erziehung ihrer Tochter k\u00fcmmerte und die Regierungsgesch\u00e4fte str\u00e4flich vernachl\u00e4ssigte?<\/p>\n<p>Mit anderen Worten: der Mensch ist f\u00fcr Shakespeare weder gut noch b\u00f6se, sondern komplex und widerspr\u00fcchlich. Und deshalb ist es im Leben auch manchmal notwendig, \u00fcber den eigenen Schatten zu springen, statt unvers\u00f6hnlich auf seinem Recht zu beharren, und sich mit seinen Gegnern zu vers\u00f6hnen. Diese ethische Forderung des St\u00fcckes werden auch Kinder gut verstehen, erleben sie doch t\u00e4glich, wie schnell man seinen besten Vors\u00e4tzen untreu wird, dass man Fehler begeht, andere verletzt oder selbst verletzt wird. Und sie begreifen, dass das nicht schlimm ist, sondern Teil des sozialen Lebens. Man sollte sich allerdings bem\u00fchen, aus seinen Fehlern zu lernen. Wie schwer das sein kann, zeigt das St\u00fcck in aller Deutlichkeit.<\/p>\n<p>Doch das ist nur ein Teil der Botschaft. Dar\u00fcber hinaus weckt \u201eDer Sturm\u201c eine unb\u00e4ndige Lust, das Abenteuer des Lebens zu bestehen, sich hinauszuwagen auf das schier endlose Meer und zu fremden V\u00f6lkern zu reisen, die so ganz anders leben als wir Europ\u00e4er. Und er zeigt das Wunder der Liebe, das nicht nur die Liebenden selbst betrifft, sondern auf die Mitmenschen abstrahlt und die Kraft besitzt, aus erbitterten Feinden am Ende Verb\u00fcndete zu machen.<\/p>\n<p><strong>DER STURM<\/strong><br \/>\nDas Musical f\u00fcr die ganze Familie<br \/>\nStiftsruine Bad Hersfeld<br \/>\nPremiere: 16. Juni 2013<br \/>\nKarten ab 5 Euro<\/p>\n<p>Es gibt Vorstellungen am Vormittag und am Abend.<br \/>\nAlle Termine und Tickets unter<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.bad-hersfelder-festspiele.de\" target=\"_blank\">www.bad-hersfelder-festspiele.de<\/a><br \/>\noder\u00c2\u00a0 in der Kartenzentrale der<br \/>\n63. Bad Hersfelder Festspiele<br \/>\nTel.: 06621\u00c2\u00a0 640200<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Bad Hersfeld. Die Bad Hersfelder Festspiele bieten seit drei Jahren Musicals f\u00fcr die ganze Familie. Das erste Musical f\u00fcr kleine und gro\u00dfe Menschen ab 6 Jahre, DAS DSCHUNGELBUCH war ein riesiger Erfolg und wurde deshalb im letzten Jahr wieder aufgenommen. DAS DSCHUNGELBUCH wurde in einer eigens f\u00fcr die Bad Hersfelder Festspiele geschriebenen Fassung gespielt. 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