{"id":105376,"date":"2013-01-02T00:10:17","date_gmt":"2013-01-02T00:10:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=105376"},"modified":"2013-01-02T09:20:06","modified_gmt":"2013-01-02T09:20:06","slug":"bischof-algermissen-hielt-traditionellen-neujahrsempfang-in-fulda-ab-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=105376","title":{"rendered":"Bischof Algermissen hielt traditionellen Neujahrsempfang in Fulda ab"},"content":{"rendered":"<p>Fulda (bpf). \u201eIn unserer von Krisen gesch\u00fcttelten Zeit gilt es, das auf Gesellschaft und Kultur ausgerichtete Engagement der Kirche insgesamt zu verst\u00e4rken und die Kraft zur Mitgestaltung zu steigern.\u201c Dies betonte der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen am Dienstag, 1. Januar, beim traditionellen Neujahrsempfang im Fuldaer Priesterseminar. Als Beispiele f\u00fcr die besondere Verantwortung der Kirche f\u00fchrte der Oberhirte einen \u00f6kologisch verantwortlichen Umgang mit der Sch\u00f6pfung Gottes und die Sorge um den Menschen selbst als Gottes Gesch\u00f6pf an. \u201eEntwicklungen im Bereich der Biotechnologien fordern dringend eine Verst\u00e4rkung des unbedingten Schutzes des Lebens des Menschen vom Anfang bis zum Ende.\u201c Der Schutz des Lebens besch\u00e4ftige die Kirche seit vielen Jahren, so etwa im Zusammenhang mit der T\u00f6tung embryonaler Menschen zugunsten der Stammzellenforschung. Hier habe der Europ\u00e4ische Gerichtshof im Oktober 2011 die Position der katholischen Kirche best\u00e4tigt. \u201eDie Gottebenbildlichkeit des Menschen, seine daraus resultierende Heiligkeit und seine ihm eigene Menschenw\u00fcrde, die wir am hohen Weihnachtsfest feierten, gelten bedingungslos und d\u00fcrfen niemals zur Disposition gestellt werden\u201c, betonte der Oberhirte vor \u00fcber 100 Vertretern aus Kirche und Gesellschaft.<!--more--><br \/>\n<strong>Bioethische Dammbr\u00fcche im Jahr 2012<\/strong><br \/>\nIn seinem Schlusswort zum Neujahrsempfang nannte Bischof Algermissen konkret die Freigabe des sogenannten Trisomie-Tests der Konstanzer Biotech-Firma LifeCodexx. \u201eBei diesem hochbrisanten Bluttest f\u00fcr Schwangere geht es faktisch um die Selektion von Menschen mit Down-Syndrom.\u201c Er sei eine deutliche Versch\u00e4rfung der pr\u00e4natalen Diagnostik und f\u00f6rdere in der Gesellschaft die fatale Tendenz, nach den Schwachen zu fahnden, um sie dann umzubringen. Des Weiteren habe im vergangenen Sommer ein Gesetzesentwurf des Bundesministeriums der Justiz der assistierten Selbstt\u00f6tung T\u00fcr und Tor ge\u00f6ffnet und die Hilfe zum Suizid als Dienstleistung unter der Hand zur Selbstverst\u00e4ndlichkeit gemacht. \u201eKein Mensch jedoch hat je Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber das Leben, weder \u00fcber das eigene noch \u00fcber das anderer. Selbst die n\u00e4chsten Angeh\u00f6rigen d\u00fcrfen sich nicht anma\u00dfen, \u00fcber Leben und Tod eines Familienmitglieds zu entscheiden.\u201c Nach dem Verst\u00e4ndnis der katholischen Kirche k\u00f6nne Sterbehilfe immer nur bedeuten, Beistand und Begleitung im Sterben zu leisten. Niemals sei Hilfe zum Sterben erlaubt, die eine bewusste und gezielte Herbeif\u00fchrung des Todes bedeute. Mit alledem drohe das innere Klima in der deutschen Gesellschaft immer mehr zu kippen und eine l\u00e4hmende Gleichg\u00fcltigkeit Einzug zu halten. Der Bischof rief dazu auf, im Wahljahr 2013 die eigene Stimme auch abh\u00e4ngig zu machen von der Frage, wie ein zu w\u00e4hlender Politiker zum Schutz des menschlichen Lebens in einem umfassenden Sinn stehe. \u201eF\u00fcr mich ist das ein wesentliches Kriterium\u201c, so Algermissen.<\/p>\n<p>Dank an in der Kirche Engagierte<br \/>\nZum Schluss dankte der Oberhirte ausdr\u00fccklich allen in der Kirche ehrenamtlich wie auch hauptamtlich Engagierten, die die fuldische Kirche auf dem Weg zu Gott und in seine Zukunft weitergebracht h\u00e4tten. \u201eSie alle schenken mir die vertrauensvolle Zusage, gemeinsam und vom Evangelium getragen auf dem Weg in die Zukunft unseres Bistums zu sein\u201c, betonte der Bischof. Im Anschluss an seine Ansprache gab Bischof Algermissen die Ernennung von Personaldezernent Monsignore Christof Steinert zum p\u00e4pstlichen Ehrenpr\u00e4laten bekannt.<\/p>\n<p>Generalvikar Prof. Dr. Gerhard Stanke hatte zu Beginn des Neujahrsempfangs im Namen des Bischofs die anwesenden G\u00e4ste aus Kirche und \u00f6ffentlichem Leben willkommen gehei\u00dfen und angek\u00fcndigt, dass das Verwaltungsgeb\u00e4ude des Bisch\u00f6flichen Generalvikariats in Fulda (Paulustor 5) ab Ende des Jahres energetisch saniert werde und die bisch\u00f6fliche Verwaltung dann zeitweise in das ehemalige Liobaheim umziehen werde.<\/p>\n<p><strong>Gedanken zum \u201eJahr des Glaubens\u201c<\/strong><br \/>\nDas auf Initiative von Papst Benedikt XVI. im Oktober 2012 begonnene \u201eJahr des Glaubens\u201c erinnere an den Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils vor 50 Jahren, so der Generalvikar. Ziel des Konzils sei es gewesen, die Lehre der Kirche in voller F\u00fclle zu erfassen und zeitgem\u00e4\u00df auszulegen. Christen sollten auf Wunsch des Papstes besonders im Jahr des Glaubens aus dem Evangelium heraus in die Welt hineinwirken. Zwar sto\u00dfe die katholische Kirche in der heutigen Gesellschaft oft auf Misstrauen und Vorbehalte, doch gebe es andererseits auch hohe Erwartungen von kirchenfernen Menschen an sie, denn in der Religion sei laut Habermas etwas erhalten geblieben, was anderswo l\u00e4ngst verloren gegangen sei. In der postmodernen Welt sei \u201ealles m\u00f6glich, nichts gewiss\u201c, wie es der verstorbene tschechische Schriftsteller und Staatspr\u00e4sident V\u00e1clav Havel ausgedr\u00fcckt habe. \u201eIm Jahr des Glaubens m\u00fcssen wir uns auf die wesentlichen Fragen konzentrieren: Woher komme ich, wohin gehe ich, gibt es eine letzte Gerechtigkeit\u201c, unterstrich Prof. Stanke. Jeder Mensch sei von Gott gewollt und habe \u201eeinen Platz in seinem Herzen\u201c. Der Glaube an Gott befreie von der Angst, nichts zu gelten, und von dem Zwang, sich Liebe \u201everdienen\u201c zu m\u00fcssen. Das Ja, das Gott zu jedem Menschen spreche, gelte \u00fcber dessen Tod hinaus und verweise auf die W\u00fcrde eines jeden. Eine gro\u00dfe Gefahr sah der Generalvikar darin, dass in unserer Gesellschaft die Menschenw\u00fcrde relativiert werde \u2013 wenn man sie \u201ezuerkennen\u201c d\u00fcrfe, k\u00f6nne man sie auch wieder \u201eaberkennen\u201c. \u201eWir haben aber die W\u00fcrde jedes Menschen vielmehr anzuerkennen, weil er von Gott geliebt ist.\u201c Die Botschaft des Evangeliums befreie und gebe die Kraft, sich f\u00fcr Gerechtigkeit einzusetzen, auch da, wo man dies mit seinem Leben bezahle. \u201eDie Hoffnung stirbt nicht \u00e2\u20ac\u0161zuletzt\u00e2\u20ac\u2122, wie es oft hei\u00dft, sondern die Hoffnung wird erf\u00fcllt\u201c, zeigte sich Prof. Stanke \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p>Der Landrat des Landkreises Fulda, Bernd Woide, sprach, auch im Namen des Fuldaer Oberb\u00fcrgermeisters Gerhard M\u00f6ller, f\u00fcr Landkreis und Stadt Fulda der Kirche seine besten Neujahrsw\u00fcnsche aus und hob in seiner Ansprache hervor, dass es Werte gebe, die \u201eabsolut und unverbr\u00fcchlich\u201c seien, so z. B. in der Familie oder in der Gemeinschaft. \u201eWer Wert hat, hat einen Kompass bei sich\u201c, so der Politiker. Die Menschen seien gut beraten, sich den Werten, die jeder in sich habe, zu stellen und sie nicht auf andere zu verlagern. \u201eUnsere Region hier ist anders als andere, denn wir haben noch eine gro\u00dfe innere Bindung an die Kirche\u201c, betonte Woide. Wichtig sei ihm eine gute Zusammenarbeit mit der Kirche, zum Schutz behinderter Menschen und der Kranken und Schwachen. Inklusion von Behinderten in das Regelschulsystem sei ein wichtiger Ansatz, doch d\u00fcrfe ein differenziertes, individuelles Schulsystem mit besonderen F\u00f6rderm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Behinderte keineswegs aufgegeben werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Fulda (bpf). \u201eIn unserer von Krisen gesch\u00fcttelten Zeit gilt es, das auf Gesellschaft und Kultur ausgerichtete Engagement der Kirche insgesamt zu verst\u00e4rken und die Kraft zur Mitgestaltung zu steigern.\u201c Dies betonte der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen am Dienstag, 1. Januar, beim traditionellen Neujahrsempfang im Fuldaer Priesterseminar. 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