{"id":101875,"date":"2012-09-14T00:20:20","date_gmt":"2012-09-14T00:20:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=101875"},"modified":"2012-09-13T12:10:38","modified_gmt":"2012-09-13T12:10:38","slug":"uber-den-verlust-der-nacht-ausstellung-sternenpark-rhon-und-lichtverschmutzung-eroffnet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=101875","title":{"rendered":"\u00dcber den Verlust der Nacht! Ausstellung \u201eSternenpark Rh\u00f6n und Lichtverschmutzung\u201c er\u00f6ffnet"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/118-Sternenpark.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-101876\" title=\"118 Sternenpark\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/118-Sternenpark-265x176.jpg\" alt=\"\" width=\"265\" height=\"176\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/118-Sternenpark-265x176.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/118-Sternenpark.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a>Wasserkuppe. Im Groenhoff-Haus auf der Wasserkuppe trafen sich auf Einladung des Biosph\u00e4renreservates Rh\u00f6n interessierte B\u00fcrger, Vertreter der regionalen Stromversorger, Natursch\u00fctzer und Kommunalpolitiker um \u00fcber den Schutz der Nacht zu beraten. Prof. Dr. Gerhard Eisenbeis aus Mainz informierte \u00fcber die Gefahren des k\u00fcnstlichen Lichts f\u00fcr die nachtaktive Tierwelt. Im Rahmen der Veranstaltung wurde im Informationszentrum die Photo-Text-Ausstellung \u201eSternenpark Rh\u00f6n und Lichtverschmutzung\u201c er\u00f6ffnet.\u00c2\u00a0<!--more--><\/p>\n<p>Prof. Dr. Eisenbeis warb in seinem Vortrag eindr\u00fccklich f\u00fcr ein neues Bewusstsein beim Umgang mit k\u00fcnstlichem Licht. Schon l\u00e4ngst sei nachgewiesen, dass Reptilien, viele Insekten, Fische, Meeresschildkr\u00f6ten und V\u00f6gel auf k\u00fcnstliches Licht reagieren. Beim Blick aus dem Weltraum zeigt sich, dass die Zentren des Wohlstandes heute auch die Zentren der n\u00e4chtlichen Beleuchtung sind. NASA-Aufnahmen belegen, dass die USA, Europa, Teile Brasiliens, das Niltal, Indien, Japan und S\u00fcdkorea besonders hell erstrahlen. Dem gegen\u00fcber herrscht im australischen Outback vollkommene Dunkelheit. So genannte Lichtkegelstudien in Italien haben gezeigt, dass in Rom und Mailand bereits eine neunfach h\u00f6here n\u00e4chtliche Helligkeit herrscht, als dies nat\u00fcrlich w\u00e4re. Gro\u00dfst\u00e4dte werden zusehends zu einem \u201eMeer des Lichts\u201c mit weithin ausstrahlenden Lichtglocken.<\/p>\n<p>Menschen, Tiere und Pflanzen haben sich in einer langen Evolution an den Wechsel von Tag und Nacht angepasst. Das Leben auf der Erde verl\u00e4uft \u201elichtgesteuert\u201c. Licht wirkt auf viele nachtaktive Tiere anziehend, bewirkt aber auch Ver\u00e4nderung beim Paarungsverhalten und f\u00fchrt teilweise zu Brutplatzverlagerungen. Besonders beeintr\u00e4chtigt wird das Wanderverhalten der Zugv\u00f6gel. Ornithologen sprechen bei n\u00e4chtlich hell erleuchteten Hochh\u00e4usern vom so genannten \u201eTowerkill\u201c.\u00c2\u00a0 So wurden im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie innerhalb eines Jahres am Hochhaus der Postzentrale in Bonn 1.600 tote Goldh\u00e4hnchen (Singvogel) gez\u00e4hlt, die vom Licht angelockt an der Fassade verungl\u00fcckten.<\/p>\n<p>Einen hochentwickelten Lichtsinn haben auch viele Insekten. Sie stellen mit 33.000 Arten in Europa die bedeutendste Tiergruppe dar und nehmen in den \u00d6kosystemen regelm\u00e4\u00dfig Schl\u00fcsselfunktionen ein. Insekten sind Nahrung f\u00fcr andere Tiere, sie sind aber auch Dienstleiter z.B. beim Best\u00e4uben von Pflanzen. Von den 30 Insektenordnungen gelten 13 als lichtempfindlich. Dazu z\u00e4hlen z. B. die Nachtfalter, die Zweifl\u00fcgler oder auch die Netzfl\u00fcgler. Insbesondere das Licht der Stra\u00dfenlaternen lockt regelm\u00e4\u00dfig viele Insekten an. Daher wird seit Jahren nach m\u00f6glichst insektenfreundlichen Beleuchtungsmodellen geforscht. Dabei gilt die Umr\u00fcstung f\u00fcr die Kommunen als Mammutaufgabe. In Deutschland sind sch\u00e4tzungsweise 9 Mio. Stra\u00dfenleuchten in Betrieb.<\/p>\n<p>Am schlechtesten in diesem Punkt schneiden dabei die Quecksilberdampflampen ab. Gefolgt werden sie von Metallhalogenleuchten und Leuchtstoffr\u00f6hren. Zunehmend Bedeutung gewinnen Natriumdampfhochdrucklampen sowie LED-Leuchten. Mehrere wissenschaftliche Studien zeigen, dass die Natriumdampfhochdrucklampen nur noch etwa halb so viele Insekten anlocken wie eine Quecksilberdampflampe. Bei den LED-Leuchten sinkt dieser Wert auf etwa 20 %. Dabei gilt, dass kaltwei\u00dfes Licht mit hohen Blauanteilen sowie UV-Licht eine besondere Anziehung aus\u00fcben. Warmwei\u00dfe LEDs sind heute die insektenfreundlichste Variante. Dabei ist zu beachten, dass gerade LED-Beleuchtungen trotz F\u00f6rderprogramm in Stra\u00dfenlampen durch ihren geringen Energieverbrauch sich bereits nach f\u00fcnf bis sechs Jahren amortisieren. Umso bedauerlicher ist, dass die LED-Leuchten bislang in den Kommunen kaum Verwendung finden.<\/p>\n<p>In der anschlie\u00dfenden Diskussion wurde deutlich, dass neben der technischen Optimierung der Leuchten st\u00e4rker als bisher auch \u00fcber ein generelles oder teilweises Abschalten der Stra\u00dfenbeleuchtung nachgedacht werden sollte. Hier gilt es, noch viel \u00dcberzeugungsarbeit zu leisten, da das subjektive Sicherheitsempfinden eine wichtige Rolle spielt. Gleichwohl zeigen einige St\u00e4dte in Norddeutschland aber auch einzelne Kommunen in der th\u00fcringischen Rh\u00f6n, dass Stra\u00dfenbeleuchtungen nachts ganz oder teilweise abgeschaltet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Martin Kremer vom Biosph\u00e4renreservat Rh\u00f6n machte deutlich, dass die Verminderung der Lichtverschmutzung nicht nur f\u00fcr die Tierwelt von Vorteil w\u00e4re, sondern auch einen Beitrag zur Energie- und Kosteneinsparung w\u00e4re.<\/p>\n<p>Gerade weil die Rh\u00f6n z. Zeit noch in vielen Teilen vergleichsweise dunkel ist, bem\u00fchen sich die Arbeitsgemeinschaft der Rh\u00f6ner Landkreise (ARGE Rh\u00f6n) und das Biosph\u00e4renreservat Rh\u00f6n in Zusammenarbeit mit Dr. H\u00e4nel, Astronom und Leiter des Planetariums am Sch\u00f6llerberg in Osnabr\u00fcck sowie der Sozial- und Kulturwissenschaftlerin und Hobby-Astronomin Sabine Frank um eine Anerkennung als \u201eSternenpark Rh\u00f6n\u201c. Der Leiter der Hessischen Verwaltungsstelle des Biosph\u00e4renreservates Rh\u00f6n, Torsten Raab, sieht dies als Chance, ein Alleinstellungsmerkmal f\u00fcr die Rh\u00f6n zu schaffen, mit dem die Themen Energie, Naturschutz und Schutz der Nacht sinnvoll miteinander kombiniert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Foto v.l.n.r.: Martin Kremer, stellvertretender Verwaltungsstellenleiter Biosph\u00e4renreservat Rh\u00f6n, Prof. Dr. Eisenbeis, Institut f\u00fcr Zoologie der Johannes-Guttenberg-Universit\u00e4t Mainz, Sabine Frank, Sozial- und Kulturwissenschaftlerin und Hobby-Astronomin<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Wasserkuppe. Im Groenhoff-Haus auf der Wasserkuppe trafen sich auf Einladung des Biosph\u00e4renreservates Rh\u00f6n interessierte B\u00fcrger, Vertreter der regionalen Stromversorger, Natursch\u00fctzer und Kommunalpolitiker um \u00fcber den Schutz der Nacht zu beraten. 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