{"id":10117,"date":"2008-06-25T22:05:26","date_gmt":"2008-06-25T20:05:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=10117"},"modified":"2008-06-26T09:08:19","modified_gmt":"2008-06-26T07:08:19","slug":"lasst-den-friedhof-bitte-im-dorf-zur-friedwald-und-ruheforstdebatte-am-beispiel-von-hanau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=10117","title":{"rendered":"Lasst den Friedhof bitte im Dorf &#8211; Zur Friedwald- und Ruheforstdebatte am Beispiel von Hanau"},"content":{"rendered":"<p><strong>Hanau.<\/strong> Friedwald in Hanau und Ruheforst in den W\u00e4ldern der ehemaligen Amerikanischen Kasernen lie\u00dfen die Debatte in Hanau anf\u00e4nglich hochkochen und erstes partei\u00fcbergreifendes  Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den angeblichen Willen der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger, lassen \u201ealternative  Bestattungsformen\u201c ins st\u00e4dtische Parlament einziehen. Aber: s\u00e4gt da nicht die Stadt an ihrem eignen Ast? Muss nicht eine Kommune f\u00fcr jeden B\u00fcrger, der in ihren Grenzen gelebt hat, im Todesfall ein Grab zur Verf\u00fcgung stellen?<!--more--><\/p>\n<p>Das bedeutet, dass st\u00e4dtische Friedh\u00f6fe so ausgelegt sein m\u00fcssen, dass jeder B\u00fcrger und jede B\u00fcrgerin eine Grabfl\u00e4che bekommen kann. Und dazu werden Wegfl\u00e4chen und Rasen gepflegt, auf Kosten der B\u00fcrger und nun sollen sich jeder sich entscheiden k\u00f6nnen, ob er davon gebrauch macht oder nicht und sich gegebenenfalls im st\u00e4dtischen Wald beisetzten lassen.<\/p>\n<p>In Hanau gibt es innerhalb der st\u00e4dtischen Friedh\u00f6fe gen\u00fcgend Alternativen, so die Baumgr\u00e4ber mit Stein und damit Namensgebung, die gerne angenommen werden. Vielleicht k\u00f6nnten noch andere Alternativen geschaffen werden, sogenannte \u201eRastengr\u00e4ber\u201c, die namentlich gekennzeichnet sind, aber keiner gr\u00f6\u00dferen Pflege mehr bed\u00fcrfen, weil st\u00e4dtische Rastenm\u00e4her die Rastenpflege \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Warum m\u00fcssen wir nun wieder vor die Steinzeit (2,6 Millionen Jahr bis 4000 vor unserer heutigen Zeit) gehen, denn in der Steinzeit gab es bereits erste \u201eGemeinschaftsgrabanlagen\u201c, die als Kultst\u00e4tten Ausdruck eines solchen Ahnenkultes und damit Glaubens an ein Weiterleben geschaffen haben. Warum m\u00fcssen wir wieder vor Bonifatius (gelebt 672-754 n.Chr.), der mit F\u00e4llung der Dona &#8211; Eiche zeigen wollte, dass die Toten uns nichts antun, wenn wir ihre Kultst\u00e4tten st\u00f6ren.<\/p>\n<p>Er hat \u2013so die Tradition des Christentums- die Gr\u00e4ber in unsere D\u00f6rfer geholt, denn Kirchen waren und sind eigentlich heute noch Grabst\u00e4tten. Im Urlaub besuchen viele Touristen solche Grabst\u00e4tten und begeistern sich f\u00fcr die kunstvollen Grabst\u00e4tten besonderer Menschen, die wir Heilige nennen. Es sind nichts anderes als Grabst\u00e4tten.<\/p>\n<p>Und wer denkt an die Hinterbliebenen, die zur Grabst\u00e4tte ihres geliebten Angeh\u00f6rigen gehen wollen? Niemand, denn unbefestigte Wege, Dunkelheit und die Naturbelassenheit eines Friedwaldes oder Ruheforstes sind nicht nur Idylle, sondern k\u00f6nnen auch f\u00fcr \u00e4ltere Menschen zur Bedrohung werden.<\/p>\n<p>Warum nicht einen \u201eFriedgarten\u201c schaffen, wie dies z.B. in D\u00fcren der Fall ist. . \u201eDie Gemeinschaftsgrabanlage ist eine Form der pflegeleichten Urnengr\u00e4ber. In D\u00fcren werden auf zwei Quadraten von jeweils 25 qm je 24 Urnen beigesetzt. Die Namen der Verstorbenen finden ihren Platz auf der zentralen quadratischen Steins\u00e4ule. Die Grabfl\u00e4chen sind gemulcht und jeweils mit einer \u00fcppigen Blumenschale besetzt, die von der Friedhofsverwaltung gepflegt wird.<\/p>\n<p>Umrahmt ist die gesamte Grabfl\u00e4che von Nadelb\u00e4umen, Rhododendron und verschiedenen Laubb\u00e4umen. Sie bieten einen sch\u00f6nen gr\u00fcnen Kontrast zu der in grauem Stein gestalteten Anlage. Pers\u00f6nliche Blumengr\u00fc\u00dfe und Grablichter k\u00f6nnen die Angeh\u00f6rigen vor der Grabmals\u00e4ule ablegen.\u201c (Quelle: http:\/\/www.gemeinschaftsgrab.de).<\/p>\n<p>Dazu w\u00e4re durchaus der Wald direkt am Friedhof in Wolfgang geeignet, wenn gute Wege angelegt und B\u00e4nke aufgestellt w\u00fcrden. Die vorhandene Kapelle k\u00f6nnte so gut genutzt werden. Gute Busanbindung w\u00fcrde es den Menschen erm\u00f6glichen dort hin zu kommen.<\/p>\n<p>Nun sagen viele: das brauchen doch die Menschen nicht, die gar keine Angeh\u00f6rige mehr haben. Hanau war vor gut  5 Jahren in Deutschland Voreiter, als eine Gemeinschaftsgrabanlage in Kleinauheim f\u00fcr Mittellose Menschen, egal ob mit oder Angeh\u00f6rige, geschaffen wurde. Ihre Namen sind auf einer solchen Stele vereint. Sie werden von der Gesellschaft nicht vergessen. Leider ist eine \u00dcberbetonung der Individualit\u00e4t, \u00fcber den Tod hinaus, gerade aus bestimmten Richtungen in Hanau gerade dabei, dieses anf\u00e4nglich gute Konzept zu zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem zeigt sich die Kultur einer Gesellschaft daran, wie sie mit ihren Toten umgeht. Das wussten schon die alten Griechen. Es ist also ein gesellschaftlicher Auftrag, Kollektive Formen der Trauer zu gestalten. Allerseelen und Totensonntag zeigen diese christliche Tradition, Gedenken der Opfer von Krieg und Gewalt sind gesellschaftliche Gemeinschaftsformen der Trauer. Vielleicht m\u00fcssen unsere Kirchen st\u00e4rker solche Gemeinschaftsformen wieder pflegen.<\/p>\n<p>Die Katholische Kirche hat hier einen reichhaltigen Schatz an Erfahrungen, die wir durchaus auch unserer modernen Gesellschaft anbieten sollten. Als Trauerbegleiter habe ich vermehrt solche Formen gepflegt und sehe deutlich die Akzeptanz der betroffenen Menschen. Beispiele sind viertelj\u00e4hrliche Trauergottesdienste montags, j\u00e4hrliche Gottesdienste f\u00fcr Menschen, die einen Angeh\u00f6rigen verloren und deshalb ein Paarjubil\u00e4um nicht feiern konnten, Gedenkgottesdienste f\u00fcr fr\u00fch verstorbenen Kinder. Es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn unsere Kirchen sich gerade daf\u00fcr \u00f6ffnen w\u00fcrden und \u2013wie in Mainz seit einigen Jahren schon- eine Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr Menschen ohne Grab schaffen w\u00fcrde. Schon viele Jahre versuche ich, einen solchen Ort in der Stadtpfarrkirche zu schaffen, weil hier t\u00e4glich hunderte von Menschen zum Gebet und Kerzenanz\u00fcnden kommen.<\/p>\n<p>Friedparks, eine weitere Alternative, die eine sinnvolle, aber umfriedete Form der Trauerkultur in Wolfgang erm\u00f6glichen w\u00fcrden. Worum geht es den Menschen, wenn sie vermeintliche alternative Bestattungsformen f\u00fcr sich und ihre Angeh\u00f6rige suchen? Sie wollen die aufwendige und teilweise kostspielige Grabpflege und Anlage nicht mehr selbst \u00fcbernehmen. Vielleicht k\u00f6nnen \u201eGemeinschaftsformen\u201c hier Abhilfe schaffen, ohne gleich \u201edas Kind mit dem Bade auszusch\u00fctten\u201c und zu Urformen der Bestattung zur\u00fcckzukehren.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn auch die Kirchen \u2013und diekatholische Kirche hat eine gut 2000 j\u00e4hrige Erfahrung im Umgang mit Grabst\u00e4tten innerhalb ihrer Geb\u00e4ude &#8211; sich einbringen w\u00fcrden. Vielleicht k\u00f6nnten auch vorhandene Kirchen wieder zu Grabst\u00e4tten werden, wie dies in D\u00fcren, (Westfalen) als Kolumbariumskirche  der Fall ist.<\/p>\n<p>Lassen wir \u2013 bitte! \u2013 den Friedhof im Dorf (oder besser: in der Stadt)  und kehren nicht zur\u00fcck zu der Zeit, da Menschen auf der Wanderschaft waren. Wir sind urbanisiert, verst\u00e4dtert und sollten dies auch in unserer Trauerkultur zum Ausdruck bringen.<\/p>\n<p>Und eines noch: Bitte, liebe Stadtverantwortlichen \u2013 s\u00e4gen Sie nicht an ihrem eigenen finanziellen Ast, denn die vorhandenen Friedh\u00f6fe m\u00fcssen erhalten bleiben, weil sie jedem B\u00fcrger und jeder B\u00fcrgerin zur Verf\u00fcgung gestellt werden m\u00fcssen. Und last but not least der Appell an meine eigene Kirche: \u00d6ffnen wir uns f\u00fcr eine gute und menschengem\u00e4\u00dfe Trauerkultur, damit der Glaube an die Auferstehung wieder lebendiger wird.<\/p>\n<p>Werner Gutheil, Trauerbegleiter<br \/>\nKlinikpfarrer am Klinikum Hanau<br \/>\nEthikberater im Gesundheitswesen<br \/>\nMitglied der Friedhofskommunion in der Stadt Hanau<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Hanau. Friedwald in Hanau und Ruheforst in den W\u00e4ldern der ehemaligen Amerikanischen Kasernen lie\u00dfen die Debatte in Hanau anf\u00e4nglich hochkochen und erstes partei\u00fcbergreifendes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den angeblichen Willen der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger, lassen \u201ealternative Bestattungsformen\u201c ins st\u00e4dtische Parlament einziehen. Aber: s\u00e4gt da nicht die Stadt an ihrem eignen Ast? Muss nicht eine Kommune f\u00fcr jeden &hellip;<\/p>\n<\/div>","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,50],"tags":[],"class_list":["post-10117","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-startseite","category-kirche"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10117","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10117"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10117\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10117"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10117"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10117"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}