{"id":10061,"date":"2008-06-25T00:04:47","date_gmt":"2008-06-24T22:04:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=10061"},"modified":"2008-06-24T23:41:32","modified_gmt":"2008-06-24T21:41:32","slug":"bundesminister-heiner-geissler-bei-kab-friedenswallfahrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=10061","title":{"rendered":"Bundesminister Heiner Gei\u00dfler bei KAB Friedenswallfahrt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Motten\/Kothen. <\/strong>Weder mit deutlicher Kritik am herrschenden Kapitalismus noch mit eindringlichen Ermahnungen zu solidarischem Handeln sparte Bundesminister a.D. Dr. Heiner Gei\u00dfler bei der 43. Friedenswallfahrt der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) Bezirksverband Rh\u00f6n\/Vogelsberg zum Maria Ehrenberg. Seine offene und klare Sprache \u00fcberzeugten die \u00fcber 300 Wallfahrer, die dem Aufruf der KAB Rh\u00f6n\/Vogelsberg, die in diesem Jahr ihr 100-j\u00e4hriges Bestehen feiert, gefolgt waren.<\/p>\n<p><strong>Fotos (3):<\/strong> KAB<\/p>\n<p><a rel=\"lightbox[roadtrip]\" href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2008\/06\/kab4.jpg\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-10102\" title=\"kab4\" src=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2008\/06\/kab4-128x85.jpg\" alt=\"\" width=\"128\" height=\"85\" \/><\/a> <a rel=\"lightbox[roadtrip]\" href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2008\/06\/kab2.jpg\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-10101\" title=\"kab2\" src=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2008\/06\/kab2-128x85.jpg\" alt=\"\" width=\"128\" height=\"85\" \/><\/a> <a rel=\"lightbox[roadtrip]\" href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2008\/06\/kab1.jpg\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-10100\" title=\"kab1\" src=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2008\/06\/kab1-128x85.jpg\" alt=\"\" width=\"128\" height=\"85\" \/><!--more--><\/a><\/p>\n<p>In einem Zeitsprung skizzierte der Sozialpolitiker die Ausgangslage vor knapp 150 Jahren, die gepr\u00e4gt war von der \u201ealten sozialen Frage\u201c und auf die Karl Marx und Friedrich Engels mit dem kommunistischen Manifest reagierte. Erst 4 Jahrzehnte sp\u00e4ter meldete sich die katholische Kirche mit ihrer ersten Sozialenzyklika Rerum Novarum zu Wort. Aufgrund dem, auch in Deutschland, sich zuspitzenden und als durchaus dramatisch zu bezeichnenden zunehmenden sozialen Ungleichgewichtes, forderte er den katholischen Sozialverband mit seinen Mitgliedern auf, wachsam zu sein und sich nicht zu scheuen, die Finger in die offenen Wunden der Gesellschaft zu legen.<\/p>\n<p>Den Ernst der Lage skizzierte Gei\u00dfler mit anschaulichen Beispielen. So betonte er, dass weltweit 300 Menschen ein Verm\u00f6gen von 1 Billion US-$ angeh\u00e4uft h\u00e4tten. Dieses Verm\u00f6gen entspricht genau dem, was die H\u00e4lfte der Menschheit ihr Eigen nennen k\u00f6nne. Zwar w\u00fcrde mit Spenden den vielen Millionen Menschen, die unterhalb der internationalen Armutsgrenze von 2 US-$ pro Tag verdienen, kurzfristig geholfen werden, doch packe diese Barmherzigkeit das \u00dcbel an der Wurzel. \u201eDie Welt wird von einer kapitalistischen Ideologie beherrscht, die beseitigt werden muss\u201c gab sich der ehemalige Generalsekret\u00e4r der CDU k\u00e4mpferisch.<\/p>\n<p>\u201eWollen wir in Zukunft eine Welt mit menschlichem Gesicht oder tolerieren wir, dass Millionen Menschen unter die R\u00e4der kommen?\u201c provozierte Gei\u00dfler die Wallfahrer. Ein menschliches Gesicht der Gesellschaft konnte der Redner kaum ausmachen. Im Gegenteil, an vielen Beispielen, wie auch am Beispiel des Handyherstellers Nokia machte er den Irrweg des momentanen wirtschaftlichen Handelns deutlich.<\/p>\n<p>Um eine Kapitalrendite von 10 % auf 25 % zu steigern, vernichtete der internationale Konzern 3.000 Arbeitspl\u00e4tze in Deutschland und \u201ekippte viele der ehemals besch\u00e4ftigten 3.000 Menschen in verh\u00f6hnender Art und Weise dem Sozialstaat vor die T\u00fcr\u201c. Hier wie auch in der internationalen Immobilien- und Bankenkrise w\u00fcrde deutlich, dass Gewinne privatisiert w\u00fcrden und Verluste sozialisiert. \u201eSoziale Marktwirtschaft, als geistiges und ethisches Abkommen gibt es nicht mehr\u201c stellt der Bundesminister a.D. treffend fest.<\/p>\n<p>Und gerade hier sei das Engagement von konfessionellen Verb\u00e4nden, den Kirchen und den Christen im Allgemeinen gefordert. Katholische Soziallehre und evangelische Sozialethik b\u00f6ten ein festes Fundament, entscheidend Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung zu nehmen. Dabei gehe es nicht darum das Rad der Zeit zur\u00fcckzudrehen, die \u201eGlobalisierung schreitet unaufhaltsam voran\u201c so Gei\u00dfler, es m\u00fcsse vielmehr darum gehen, dass die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen sich auf Augenh\u00f6he begegneten.<\/p>\n<p>\u201eWir d\u00fcrfen uns als Christen nicht mit einem wachsenden Prekariat, mit einer festzementierten 4\/5 Gesellschaft zufrieden geben, nur damit einige wenige immer mehr Macht und Geld verg\u00f6ttern k\u00f6nnen\u201c. Wilde Spekulationen mit dem Ziel wenigen Aktion\u00e4ren die Taschen zu f\u00fcllen, die in den letzten Monaten insbesondere auch die Preise von Grundnahrungsmitteln in die H\u00f6he trieben und damit zunehmend mehr Menschen in den Entwicklungsl\u00e4ndern dem Verhungern nahebringen zeugten nicht nur davon dass das herrschende Wirtschaftssystem krank und unsittlich wie auch nicht konsensf\u00e4hig ist.<\/p>\n<p>Auch demokratische Strukturen w\u00fcrden dadurch gef\u00e4hrdet. Nicht von ungef\u00e4hr kommend sieht Gei\u00dfler die zur\u00fcckgehenden Wahlbeteiligungen an demokratischen Wahlen skeptisch. Von herrschenden Politikern erwartet der Sozialexperte eine st\u00e4rkere F\u00f6rderung von Arbeitnehmern wie von kleinen und mittelst\u00e4ndische Unternehmen. Den katholischen Sozialverband forderte Gei\u00dfler auf, das richtige Menschenbild zu f\u00f6rdern und politisch zu vertreten.<\/p>\n<p>\u201eWie dieses Bild aussieht gibt uns Christen das Evangelium vor\u201c macht er den Versuch eine gerechtere Gesellschaft zu zeichnen. Jeder Einzelne m\u00fcsse als Ebenbild Gottes akzeptiert werden, seine W\u00fcrde gesch\u00fctzt werden, der Mensch d\u00fcrfe niemals nur als Kostenfaktor gesehen werden. So d\u00fcrfe soziale Sicherheit nicht nur die Lohnnebenkosten belasten, indem sie aus Erwerbsarbeitseinkommen finanziert werde, sondern m\u00fcsste von der gesamten Gesellschaft und damit \u00fcber Steuern finanziert werden. \u201eWir sind die N\u00e4chsten f\u00fcr die, die in Not sind &#8211; das ist gelebte Solidarit\u00e4t\u201c endete er seine von den Wallfahrern mit minutenlangem Beifall bedachten Ausf\u00fchrungen.<\/p>\n<p>Den Abschluss der Wallfahrt bildete eine Heilige Messe, die von dem Fuldaer Domkapitular Pr\u00e4lat Rudolf Hofmann zelebriert wurde. Zuvor hatte KAB Di\u00f6zesansekret\u00e4r Michael Schmitt, Fulda den Bezirksvorsitzenden Egon Sch\u00fctz, Geisa und den KAB Di\u00f6zesanvorsitzenden Klaus Schmitt, Neuses begr\u00fc\u00dft. In seinen Ausf\u00fchrungen ging Schmitt auf das Selbstverst\u00e4ndnis der KAB ein, das im Bezirksverband Rh\u00f6n\/Vogelsberg 100 Jahre das Handeln leitete. Unter Bezugnahme auf das diesj\u00e4hrige Jubil\u00e4ums-Misereormotto: \u201emit Zorn und Z\u00e4rtlichkeit &#8211; an der Seite der Armen\u201c ermunterte er die Wallfahrer, auch das Gef\u00fchl \u201eZorn\u201c &#8211; wenngleich oft negativ belegt &#8211; zuzulassen. \u201eWenn Zorn dazu dient, uns in Bewegung zu setzen, in Bewegung hin zu einer gerechteren und friedvolleren Welt, dann wir Zorn zu einer positiven Emotion\u201c so Schmitt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Motten\/Kothen. Weder mit deutlicher Kritik am herrschenden Kapitalismus noch mit eindringlichen Ermahnungen zu solidarischem Handeln sparte Bundesminister a.D. Dr. Heiner Gei\u00dfler bei der 43. Friedenswallfahrt der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) Bezirksverband Rh\u00f6n\/Vogelsberg zum Maria Ehrenberg. 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