Gießen. Die Orts- und Kreisgruppe Gießen der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland hat bei ihrer Veranstaltung „Gegen das Vergessen“ im Gießener Rathaus des 70. Jahrestages der Deportation der Deutschen in der Sowjetunion gedacht. Die Landesbeauftragte der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Margarete Ziegler-Raschdorf, dankte als Schirmherrin in ihrer Festansprache der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland für die offene und partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Bundes- und Landesebene und auch auf örtlicher Ebene in Gießen.
Die Landesbeauftragte zeigte sich erfreut, dass in der Veranstaltung auch die Ausstellung „Volk auf dem Weg – Geschichte und Gegenwart der Deutschen aus Russland“ gezeigt wurde. Gleichfalls habe sie das Buch „Zeitzeugen berichten“, das im Laufe des Programms präsentiert wurde, beeindruckt. „ Die Zeitzeugen bewahren das russlanddeutsche Kulturerbe und halten es für die Nachwelt fest. Für dieses Buch gebührt dem Orts- und Kreisverband Gießen mit seiner Vorsitzenden Rosa Tugova ein großer und verdienter Dank. Ich bin froh, dass sich mein Einsatz für die Förderung des Buches durch das Hessische Sozialministerium wirklich gelohnt hat“, so Frau Ziegler-Raschdorf.
In ihrer Festansprache ging Frau Landesbeauftragte Ziegler-Raschdorf auf den Erlass des Obersten Sowjet der UdSSR vom 28. August 1941 ein, aufgrund dessen die Deportation der Deutschen in der Sowjetunion erfolgte. Dieser Jahrestag verdiene zu Recht in der deutschen Öffentlichkeit eine besondere Beachtung. Gerade weil das Schicksal dieser Menschen, die als Deutsche nach Deutschland kamen und noch kommen, in unserer Gesellschaft nicht immer die erforderliche Beachtung findet, sollte dieser 70. Jahrestag der Deportation in angemessener Weise begangen werden.
Die jahrzehntelange zwangsweise Verbannung der Deutschen in die entlegensten Gebiete des Russischen Reiches, die brutale Trennung der Familien, der jahrelange Dienst als Zwangsarbeiter in der Trudarmee unter unvorstellbaren Bedingungen, der Verlust der Bürgerrechte und aller kultureller Einrichtungen haben nicht nur die Existenz des Einzelnen und seiner Familie , sondern auch die Grundlagen der nationalen Identität der Volksgruppe erschüttert und vielfach zu einer dauerhaften Entwurzelung geführt, unter der die Deutschen bis heute zu leiden haben. „Wir verneigen uns vor den Menschen, die dieses schlimme Schicksal erlitten haben“, betonte die Landesbeauftragte.
Da die meisten Auswanderer seinerzeit aus Hessen an die Wolga kamen, fühle sich das Land Hessen den Wolgadeutschen besonders verbunden und habe bereits im Jahr 1985 eine Patenschaft über die Wolgadeutschen begründet. Die Hessische Landesregierung erkenne das schwere Leid an, dass die Deutschen aus der ehemaligen Sowjetunion während und nach dem Zweiten Weltkrieg erleiden mussten und wisse um die Verantwortung ihnen gegenüber.
„Ob es um die Eingliederung der Russlanddeutschen in unserem Land oder um die Kulturpflege geht: als Landesbeauftragte werde ich mich weiterhin für Sie einsetzen und Sie unterstützen. Ich versichere Ihnen meine persönliche Verbundenheit und die der Hessischen Landesregierung. Wenn es um Ihre Anliegen geht, dann bin ich Ihre Ansprechpartnerin. Mein Büro steht Ihnen jederzeit offen“, so Frau Ziegler-Raschdorf abschließend in ihrer Festansprache.