Rhön. Die Apfelsaison 2009 wird mit der Rekordernte im Vorjahr nicht mithalten können, das haben die Rhöner Apfelbauern schon beim Blick auf die eigenen Streuobstbestände erkannt. Im Gespräch mit unserer Zeitung bestätigen auch die Verantwortlichen der größten Bio-zertifizierten Streuobstinitiative Deutschlands, der Rhöner Apfelinitiative (RAI), diese Einschätzung.
„Die diesjährige Apfel-Ernte wird sich im langfristigen Mittel einpendeln“, eröffnet Jürgen H. Krenzer, Vorsitzender der RAI, das Gespräch. „Wir werden circa 20 bis 30 Prozent der Rekordernte des Vorjahres einfahren“, ist sich auch Geschäftsführerin Maike Pfannmüller sicher. Auffällig sei, das vor allem frühe Sorten, wie „James Grieve, Jakob Fischer und Gravensteiner“ gut tragen, während für die späten Sorten wie „Boskoop und Rheinischer Bohnapfel“ teilweise totale Ernteausfälle erwartet werden. Das mache sich auch in der Qualität bemerkbar, denn die letzt genannten späteren Sorten seien qualitativ hochwertiger und wichtig für die Herstellung von Apfelsaft und -wein.
Teilweise sei bereits Ende Juli zu beobachten gewesen, dass Apfelbäume ihre Früchte abwerfen. Dies sei jedoch kein Grund zur Beunruhigung, erklärt der Apfelexperte: „Der Baum ist schlau – und trennt sich frühzeitig von allem, was nichts taugt!“ Zwar erwartet auch Krenzer, dass die Ernte in diesem Jahr bereits dieser Tage beginnen, und so auch früher enden wird, dennoch rät er dazu die Ruhe zu bewahren.„Äpfel, die bereits jetzt von den Bäumen gefallen sind, sind von minderer Qualität, oftmals wurmstichig, mehlig, enthalten weder Zucker noch Säure und geben wenig Saft. Solche Äpfel überleben meist nicht einmal den Transport von der Annahmestelle in die Kelterei“, weiß auch die diplomierte Ökotrophologin Maike Pfannmüller, die in der Fliedener Kelterei Elm für das Qualitätsmanagement verantwortlich zeichnet.
Wichtig für die Erzeugung von Qualitätsprodukten sei aber, dass nur reife und gesunde Äpfel an den Annahmestellen angeliefert werden: „Liebe Rhöner, bitte nur reife Äpfel ernten und anliefern“, rät Maike Pfannmüller augenzwinkernd, und weißt darauf hin, dass in diesem Jahr verstärkt Kontrollen an den Annahmestellen durchgeführt werden. Um die Qualität der angelieferten Äpfel genau im Auge zu behalten, wurden auch die Mitarbeiter der Annahmestellen geschult.Neu in diesem Jahr ist ein Computer gestütztes Erfassungssystem der RAI: „Apfellieferanten bekommen ihr Guthaben sofort auf einer Scheckkarte gutgeschrieben, und wir in der Kelterei wissen immer tagesaktuell, wie viele Äpfel wo und von wem bereits angeliefert wurden“, erklärt Pfannmüller, die das System dieser Tage an den Annahmestellen implementiert.
Die Rhöner Apfelinitiative garantiert auch in diesem Jahr einen über die gesamte Saison gültigen Festpreis von 14 Euro je 100 Kilogramm für reife und gesund angelieferte Rhöner Bio-Streuobstäpfel. Auch wenn die Ernte in diesem Jahr früher beginne, sollten die Apfelbauern ihre Äpfel nicht unreif von den Bäumen pflücken: „Im Gegensatz zu vielen Keltereien im Rhein-Main-Gebiet nimmt die Kelterei Elm in Flieden auch im November noch Äpfel an“, so Pfannmüller. Um die regionale Wertschöpfung im Biosphärenreservat stabil zu halten, würden ab diesem Jahr keine Barguthaben mehr ausgezahlt: „Neben dem Lohnmosttausch erhalten die Rhöner Apfellieferanten nun Gutscheine, die bei Tegut einzulösen sind“, erklärt Krenzer. Damit solle das „Apfel-Geld“, immerhin circa 500000 Euro, im regionalen Kreislauf gehalten werden – denn Tegut kaufe mit dem Erlös der Gutscheine wiederum den Rhöner Apfelsaft. (Alexander H. Klüh)