„Mit gesellschaftlichem Engagement Verantwortung zu übernehmen ist eine der Lösungen, um die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen. Mit dieser Zielsetzung arbeitet die Bürgerstiftung im Rahmen ihrer vorgegebenen Möglichkeiten. Das bedeutet hinsehen und nicht wegsehen; nicht zur Seite treten, sondern etwas tun“, so der Vorstandsvorsitzende der Bürgerstiftung Großenlüder, Jürgen Bien, an der 5. Stifterversammlung, die im Bürgerhaus in Uffhausen stattfand.
Neben den Rechenschaftsberichten des Vorstandes und des Kuratoriums der Stiftung sprach traditionsgemäß einer der Stifter ein Grußwort. In diesem Jahr war das der Erststifter Hans Georg Gies, geschäftsführender Gesellschafter der Metzgerei Gies aus Großenlüder. Mit den Worten „Die Bürgerstiftung war, ist und bleibt eine gute Sache“, brachte er sein Engagement auf den Punkt.
Den diesjährigen Gastvortrag hielt der renommierte Palliativmediziner Thomas Sitte, der zum Thema „Sterben gehört zum Leben“ referierte.
„Der Mensch erlebt (meist) passiv drei Dinge im Laufe seines Lebens: er wird geboren, er wird geliebt, bzw. verliebt sich und er wird sterben. Deshalb gehört Sterben zum Leben“, das nahm Thomas Sitte, Vorstandsvorsitzende der Deutschen PalliativStiftung, zum Anlass, um die Zuhörer aufzufordern, sich rechtzeitig mit ihrem letzten Lebensabschnitt auseinanderzusetzen.
Der mittlerweile guten Tradition folgend hatte die Bürgerstiftung zu ihrer 5. Stifterversammlung Thomas Sitte als namhaften Referenten eingeladen. In seiner Begrüßung stellte der Vorsitzende, Jürgen Bien, fest, dass das Thema einen Aktualitätsbezug habe. Diese Aktualität griff Thomas Sitte auf, sprach über das zur Zeit im Bundestag diskutierte Gesetz zur Änderung des Umgangs mit Beihilfe zur Selbsttötung, die bestehenden Rechtsprobleme am Lebensende, über Patientenverfügung und das Recht auf palliative Versorgung mit entsprechender Symptomkontrolle, wenn keine heilenden Maßnahmen mehr erfolgen.
Seine daraus abgeleitete Forderung: „Werden sie Sterbehelfer“ hätte sicher doppeldeutig sein können, wenn er sich nicht gleichzeitig als erfahrener Palliativmediziner und vielfacher Sterbehelfer von jeglicher Hilfe zur Lebensverkürzung abgrenzen würde. Mit seinem Bekenntnis „Beihilfe zum Sterben darf es für Ärzte nicht geben“ sprach er sich gegen jedwede Sonderregelung für Ärzte aus.
Damit warb er für mehr Zivilcourage „das zu tun, was menschlich geboten ist“. Denn das ist seine Definition von Sterbehilfe, ganz im Sinne einer hospizlichen Betreuung, die aus einer palliativ-medizinischen, einer palliativ-pflegerischen und einer menschlich-seelsorgerischen Begleitung besteht.
Sittes Vortrag beschränkte sich aber nicht nur auf Rechtsfragen und ärztliche Zuständigkeiten, sondern er nahm seine Zuhörer mit in seine Erfahrungswelt und eigene Erlebnisse mit Sterbenden. Sitte, der zur Zeit in einem Kinderhospiz arbeitet, sprach äußerst sensibel und achtsam über die Betroffenen und deren Autonomieverluste. Dafür forderte er menschenwürdige Behandlungen gerade zum Zeitpunkt des Sterbens. Damit rührte er seine Zuhörer an, er führte sie auf sehr menschliche Art durch dieses schwere Thema, versuchte dem Sterben seinen Schrecken zu nehmen, blieb aber immer Realist, der nichts beschönigte, sondern immer um die Endgültigkeit des menschlichen Lebens weiß. „Das alles setzt rechtzeitiges palliatives Denken voraus“.
Die Rechenschaftsberichte zum Berichtsjahr 2014 wurden von Jürgen Bien, Klaus Schönherr, Heike Münker und Karl-Heinz Buus vorgetragen.
Als Erfolg wertete Bien die Förderung von verschiedenen Projekten und Initiativen mit einer Gesamtsumme von 3.318,28 €, so ein Zuschuss für den Ankauf von Hard- und Software für das Senioren-Internet-Cafe, die Förderung der Anschaffung neuer Krippen des Kultur-, Heimat- und Geschichtsvereines Großenlüder sowie die Fortführung des Lese- und Erzählprojektes.
Ein besonderer Dank ging an den Geschäftsführer der Firma IWETEC, Wilhelm Lang, der eine großzügigen Spende in Höhe von 5.000 € anlässlich des 25-jährigen Firmenjubiläums an die Bürgerstiftung überreichte.
Das Highlight in 2014 war die große Benefizveranstaltung der TSG Künzell.
Zum 31.12.2014 ergab sich ein Stiftungsvermögen von 80.900 €.