Kinder lieben ihre Smartphones. Aber nicht vorrangig, weil man mit ihnen wichtige Informationen recherchieren und im Notfall um Hilfe rufen kann. Sie schätzen die kleinen technischen Wunderwerke vor allem als Mittel zur Kommunikation mit ihren Freunden und Verbindung zu den sozialen Medien. Ein Stück weit sind sie sogar Prestige- und Identifikationsobjekte, die durch Handyhüllen mit selbstgewähltem Foto zum individuellen Markenzeichen gemacht werden. So sehr, wie die Digitalisierung ein Teil der modernen Kindheit ist, ist es kein Wunder, dass selbst Grundschüler ihr Handy schon mit in die Schule nehmen und es zuweilen nicht einmal im Unterricht aus der Hand legen wollen. Und genau das sorgt immer wieder für hitzige Diskussionen.
Neu entfachter Diskurs
Erst kürzlich forderte die Berliner CDU wieder ein Handyverbot an Grundschulen. Smartphones sollten bereits beim Betreten des Schulgeländes eingesammelt oder im Idealfall gleich ganz zuhause gelassen werden. Eine Forderung, die bei Schülern, Eltern und Pädagogen gleichermaßen auf Widerstand stößt. So wird jetzt sogar das seit nunmehr elf Jahren implementierte Handyverbot im bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetz wieder neu ausdiskutiert. Das Ziel der Opposition: Schulen sollen selbst entscheiden dürfen, ob oder wie streng sie die Benutzung von Handys reglementieren. Die CSU fordert derweil, lieber eine einheitliche Regelung in den Schulordnungen festzulegen.
Die immer wieder auftretenden Debatten haben ein ums andere Mal die Frage aufgeworfen, ob sich ein Trend hin zum “Handy-Embargo” auch in anderen Teilen Deutschlands etablieren könnte. Die Argumente dafür sind durchaus einleuchtend: So sind Smartphones nicht nur ein Quell der Ablenkung im Unterricht, sie stellen auch eine wichtige Basis fürs Cyber-Mobbing dar. Es fehlt an einem kritischen Umgang mit der Technologie und den Medien. Jedoch: Wo könnte man diesen Umgang besser lernen als in der Schule? Das denken sich auch viele Lehrer und integrieren Handys als Recherchewerkzeuge in den Unterricht oder laden professionelle Jugendmedienschutzberater ein.
Und was ist mit Hessen?
Die Schulen in Hessen jedenfalls durften mit dem Thema Handy bislang individuell verfahren – und das wird auch so bleiben, wenn man dem Gros der Schulleiter Glauben schenken kann. Deren Konsens ist nämlich nach wie vor, ein generelles Handyverbot erfülle nur wenig Sinn und lasse sich auch gar nicht konsequent durchsetzen. Eltern müssten sich jederzeit über das Wohlbefinden ihres Nachwuchses erkundigen können, zudem wären Lehrer dafür verantwortlich, wenn die teils hochpreisigen Geräte in ihrer Obhut kaputt oder verloren gingen.
Die Schulen haben ohnehin längst ihre eigenen Richtlinien etabliert: Mancherorts ist die Handybenutzung ein Privileg der Oberstufenschüler, in anderen Einrichtungen darf das Smartphone nur in den Pausen beziehungsweise erst ab der Mittagspause für private Zwecken verwendet werden. Auch räumliche Trennungen ergeben zuweilen Sinn: So haben einige Schulleiter sogenannte “handyfreie Zonen” festgelegt, zu denen etwa die Kantine oder die Bibliothek zählen.

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