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„Mehr Betreuung heißt nicht bessere Betreuung“

Kritik des VBE Hessen am Pakt für Nachmittag + Programm des Hessischen Kultusministerium geht in die zweite Runde +  An vielen Schulen fehlt Fachpersonal für die Betreuung + VBE fordert Qualitätsstandards für Betreuungsangebote

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Hessen heißt das Ziel des Hessischen Kultusministeriums, durch den „Pakt für den Nachmittag“ für ein größeres Bildungs- und Betreuungsangebot an den Schulen zu sorgen, prinzipiell für gut. Auch die Freiwilligkeit der Nachmittagsangebote entspricht den Forderungen des VBE Hessen. Allerdings ist der VBE Hessen angesichts der Erfahrungen aus der ersten Runde des Pakts äußerst skeptisch, ob das Mehr an Angeboten auch eine Verbesserung der Bildung gebracht hat.

„Es gibt bei diesen Angeboten große Qualitätsunterschiede, sowohl zwischen den Schulträgern als auch zwischen einzelnen Schulen“, kritisiert Stefan Wesselmann, Landesvorsitzender des VBE Hessen. Der Grund: Das Land finanziert zwar zusätzliche Stellen, um das „verlässliche und integrierte Bildungs- und Betreuungsangebot“ von 7.30 bis 17 Uhr gewährleisten zu können. Doch diese Stellen werden nur teilweise mit Pädagoginnen oder Pädagogen besetzt – das Kultusministerium hat darauf letztlich wenig Einfluss.

Konkret kann das bedeuten: An der einen Schule richtet ein erfahrener Träger der Jugend- und Bildungsarbeit mit qualifiziertem Fachpersonal Sport- und Theater-AGs aus. Einen Ort weiter stellt ein anderer Träger Betreuerinnen oder Betreuer ohne pädagogische Qualifizierung und auf 450-Euro-Basis ein – oder es springen gar die Eltern selbst in die Bresche.

„Dies kann nicht im Sinne des Erfinders sein“, sagt Stefan Wesselmann, „und es ist auch nicht im Sinne der sozialen Gerechtigkeit.“ Denn die Losung „Mehr Chancen durch mehr Bildung“ geht nur auf, wenn das ganztägige Bildungs- und Betreuungsangebot von Fachpersonal geleistet wird, das auf die Vielfalt der Schülerschaft und die Herausforderungen des Schulalltags vorbereitet ist.

Der VBE Hessen fordert das Kultusministerium deshalb auf, die Qualität der Angebote durch die Vorgabe von Standards sicherzustellen. „Wir haben in Hessen über 30 Schulträger, die finanziell unterschiedlich gut aufgestellt sind und bei denen Bildung einen unterschiedlichen Stellenwert einnimmt“, so der Landesvorsitzende Wesselmann und stellt klar: „Gute Bildung darf keine Frage der Postleitzahl sein. Mehr Betreuung heißt eben nicht bessere Bildung.“

Die Position des VBE Hessen zur Ganztagsschule
finden Sie auf der Homepage des VBE Hessen unter:
https://www.vbe-hessen.de/aktuelles/positionen/artikel/positionen-zur-ganztagsschule/

Zum Hintergrund:
Der Pakt für den Nachmittag ist zum Schuljahr 2015/16 mit 6 Landkreisen gestartet. Zum Schuljahr 2016/17 geht er in die zweite Runde: Neu dabei sind die Landkreise Groß-Gerau, Main-Taunus, Vogelsberg, Hersfeld-Rotenburg, Hochtaunus, Offenbach, Waldeck-Frankenberg und die Städte Gießen, Offenbach und Wiesbaden. In diesen 10 Regionen steigen insgesamt 45 Grundschulen in das Programm zum Ausbau der Ganztagsangebote ein.

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