Die Zahl der Gläubigen in der katholischen Kirche sei kleiner geworden und werde es in Zukunft noch deutlicher werden, während die Belastungen zunähmen und der Einfluss zurückgehe, unterstrich Bischof Heinz Josef Algermissen am Mittwoch im Fuldaer Dom. Der Bischof dankte den rund 170 Priestern und Diakonen für ihre Bereitschaft, Jesus Christus zu suchen und in ihrer Mitte wohnen zu lassen. Immer wieder nähmen sie die Menschen wieder zu dieser Mitte mit. Nur Priester, in deren Leben Jesus Christus die Mitte sei, könnten in der heutigen Zeit dazu beitragen, dass die Kirche missionarisch sei. Die Kraft überzeugender Menschen bleibe nach wie vor von vielen ersehnt und gesucht.
„Jesus Christus muss unbedingt die Mitte unseres priesterlichen Lebens sein. In persona Christi capitis handeln können wir glaubwürdig nur, wenn wir aus der Mitte der Begegnung mit Christus leben und bereit sind, mit ihm in der Mitte der Menschen zu wohnen, um sie in ihren Herzen zu berühren“, so der Bischof. Nichts sei schlimmer in der Kirche als „laue, graue und kraftlose Mittelmäßigkeit“, was insbesondere für die Amtsträger gelte. „Die Mitte unseres Glaubens ist kein kleinster gemeinsamer Nenner, den irgendwie die meisten noch mitmachen könnten, sondern eine Fülle, die es immer neu zu ermessen gilt“, betonte der Oberhirte. Vor allem in der Hl. Eucharistie versammle der Priester die Menschen zur Mitte und lasse Christus in ihr Innerstes gelangen; im Bußsakrament trage er dazu bei, dass Menschen mit sich und Gott ins Reine kämen; in der Krankensalbung schenke er wie Jesus den Kranken Aufrichtung und Heil.
Priestertag im Maritim
Generalvikar Prof. Dr. Gerhard Stanke begrüßte im Anschluss im Maritim die diesjährigen Jubilare unter den Geistlichen sowie die Missionare, neugeweihten Priester und Diakone und Ruheständler. Er gedachte sodann der im vergangenen Jahr verstorbenen Geistlichen. Stanke betonte, der seelsorgliche Einsatz der Geistlichen sei manchmal ermüdend und fordere angesichts der Veränderungen dieser Zeit immer neu die Bereitschaft, sich auf Neues einzustellen. „Aber ich hoffe, das heißt ich bin auch überzeugt, dass Sie in Ihrem Dienst auch viel Positives erleben in der Begegnung mit den Menschen, immer wieder auch die Bestätigung, dass Ihr priesterlicher Einsatz von den Menschen Ihrer Pfarrgemeinde oder Ihren Pfarrgemeinden geschätzt wird.“
Vortrag über Spiritualität, Stil und Programm von Papst Franziskus
Pater Prof. Dr. Michael Sievernich SJ sprach in seinem anschließenden Festvortrag über „Das Pontifikat von Papst Franziskus. Spiritualität – Stil – Programm“. Franziskusʾ neues Schreiben Amoris laetitia zu Ehe und Familie sei in einem einladenden Sprachstil geschrieben, der die seelsorglichen Möglichkeiten im Geist der Barmherzigkeit ausschöpfe. „Der Papst ändert keine einzige Lehre, aber sein neuer Ton macht die Musik“, betonte der Referent. „Er spricht die Sprache der Anerkennung, der Barmherzigkeit und der Caritas.“ Die geistlichen und ethischen Impulse aus christlicher Inspiration „geben uns allen zu denken und zu danken, auch den religiös Unmusikalischen.“ Der Papst verwende das jesuitische Kriterium der „Unterscheidung der Geister“. In diesem Zusammenhang habe bereits Papst Johannes Paul II. die Würde der Gewissensentscheidung des Menschen hervorgehoben.
Der Jesuit Sievernich, der den heutigen Papst seit über 30 Jahren kennt und im letzten Herbst das Buch „Papst Franziskus – Texte, die ihn prägten“ herausgegeben hat, stellt ein weltweit gestiegenes Interesse an dem aus Lateinamerika stammenden Nachfolger des hl. Petrus fest. Erstmals sei ein Jesuit Papst geworden, der zudem noch als erster den Namen des hl. Franz von Assisi angenommen habe. Die Katholische Kirche, mit 1,3 Milliarden Gläubigen weltweit die größte Glaubensgemeinschaft (17,5 Prozent der Weltbevölkerung), nehme zwar in Deutschland aus demographischen Gründen ab, wachse aber sonst auf den anderen Kontinenten, wobei Amerika 49 Prozent ausmache.
Der soziale Katholizismus sei in der Heimat des Heiligen Vaters stark ausgeprägt – die „Option für die Armen“, die Anerkennung des armen, gläubigen Volkes, sei dort eine Grundhaltung der Kirche. So spiele die Volksfrömmigkeit als die Weisheit des Volkes mit ihrer besonderen Verehrung des Leidens Jesu Christi und der hl. Jungfrau Maria für den Papst eine besondere Rolle. Dabei trügen sein einfacher Stil in der Kommunikation und seine Nähe zu den Menschen zur Erdung seines hohen Amtes bei. Auf lange Beratung folge kurze Entscheidung, und die Kurie werde in Richtung Dienstleistung an den Menschen umstrukturiert. Diesem neuen Führungsstil des Papstes entsprechend gehe es ihm um Spiritualität, Aufbruch und Ökumene.
„In der päpstlichen Programmatik, die mit der kirchlichen Reformagenda innerlich zusammenhängt, stehen oben auf der Tagesordnung globale soziale Fragen wie Armut, Gerechtigkeit, Migration, Frieden, Umwelt“, fuhr Pater Sievernich fort. Das Verhältnis von Glaube und Gerechtigkeit sei ein zentrales Anliegen von Papst Franziskus, der gegen eine „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ kämpfe. Die spirituelle und soziale Programmatik verknüpfe der Heilige Vater in seinem Schreiben Evangelii gaudium (2013). Die Sorge um die Ökologie mit den Problemen Klimawandel, Armut und Ungleichheit beschäftige ihn in seiner Enzyklika Laudato siʾ (2015), und die Realität der Familie, ins „Licht der Liebe getaucht“, rücke mit einer „Logik der pastoralen Barmherzigkeit“ in dem diesjährigen Schreiben Amoris laetitia in den Blick.