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Künftige Fachkräfte erfolgreich bereits an der Schule gewinnen

Großes Interesse an den Themen Fachkräftesicherung und Chancen für Azubis während des Besuchs bei FFT / EDAG in Mücke mit Vogelsberg-Consult-Geschäftsführer Thomas Schaumberg (Fünfter von links). Foto: Vogelsberg Consult

Großes Interesse an den Themen Fachkräftesicherung und Chancen für Azubis während des Besuchs bei FFT / EDAG in Mücke mit Vogelsberg-Consult-Geschäftsführer Thomas Schaumberg (Fünfter von links). Foto: Vogelsberg Consult

Vogelsbergkeris. In Zukunft genügend Fachkräfte haben und allen jungen Menschen in der Region eine Chance für eine gute Berufs- und Lebensperspektive geben – das sind zwei Seiten einer Medaille. Dies wurde deutlich bei einem Besuch der Vogelsberg Consult GmbH (VBC) bei der FFT-EDAG Produktionssysteme GmbH und Co. KG in Mücke. Dort trafen sich die Kooperationspartner der VBC, um einen druckfrischen Leitfaden für Ausbildungsbetriebe in Augenschein zu nehmen, den sie gemeinsam entwickelt haben. Das Ziel der Broschüre: neue Wege gehen, um junge Leute für attraktive Ausbildungsberufe zu gewinnen. Das besondere an diesen neuen Wegen: sie sind bereits zwei Jahre lang in Schulen und Unternehmen erprobt worden. Personalverantwortliche aus 18 Unternehmen und Lehrkräfte aus vier Schulen haben bei dem Projekt der VBC mitgewirkt. Der Leitfaden wird am 5. September offiziell der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Thomas Schaumberg, Geschäftsführer der Vogelsberg Consult GmbH, dankte den Partnern – von denen einige in Mücke beim Firmenbesuch dabei waren – für ihr wertvolles Engagement, ohne das die Handreichung nicht hätte entstehen können. „Die Mitarbeit der Unternehmen und der Schulen sichert die nötige Praxistauglichkeit – wir wollten bei dieser wichtigen Herausforderung bewusst keine akademische Betrachtung des Themenfeldes herstellen“, hob Schaumberg während der Firmenbesichtigung von FFT/EDAG – dieses Unternehmen zählt zu den 22 Partnern – hervor. Der verbesserte Übergang von der Schule in den Beruf stehe schon seit einigen Jahren oben auf der Tagesordnung der Wirtschaftsfördergesellschaft.

„Fit hoch 2“ – so heißt das Projekt der VBC. Dabei geht es um die Stärkung der kleinen und mittleren Unternehmen. Die gut lesbare Handreichung solle die Ausbilder in den Unternehmen „fit machen in zweierlei Hinsicht“, so Schaumberg: fit für die Azubi-Akquise direkt an den Schulen und zweitens fit für den Umgang mit „schwierigen Jugendlichen“. Fachkräftesicherung sei das Vogelsberger Top-Thema. Die demografische Entwicklung erfordere dringend, alle Ressourcen zu mobilisieren. Dabei dürfe sowohl aus sozialen als auch aus wirtschaftlichen Gründen kein Jugendlicher zurückgelassen werden. Auch Jugendliche, die man bisher als „schwierig vermittelbar“ angesehen habe, müssten nun integriert werden. „Da kommen die heimischen Unternehmen nicht drum herum“, unterstreicht Schaumberg. Wie man junge Menschen für einen modernen Beruf direkt hier in der Region gewinnen kann, dazu sei der VBC-Leitfaden eine echte Hilfestellung.

Die in Mücke bei FFT anwesenden Vertreter der Unternehmen Duoplast, Giese, Diegel, Langheinrich und Smartig sowie der Oberwaldschule Grebenhain, der Geschwister-Scholl-Schule Alsfeld sowie der Mittelpunktschule Angersbach bestätigten diese Einschätzung nachdrücklich.

Im Projekt „Fit hoch 2“ stecke bereits die Erfahrung von „Unternehmen an Schule“ drin, erläuterte VBC-Projektmitarbeiterin Anette Wettlaufer. Sie lobte die ausgezeichnete Arbeit von Heike Hohmann (Beratungsstelle B:24), die seit Jahren Wirtschaft und Schule zusammenbringe und bereits vielen jungen Leuten ganz neue Perspektiven aufgezeigt habe. Der Kontakt mit vielen Jugendlichen habe unter anderem gezeigt, dass es keinen Grund für Vorurteile gegenüber Hauptschülern geben solle. „Das sind tolle junge Leute“, sagte Frau Wettlaufer.

Diplom-Volkswirt Harald Finke erläuterte die Kernziele des Projekts: Auf das „Wie“ komme es an, wenn die Ausbildungsbetriebe auf die jungen Leute zugehen wollen, um ihre Fachkräfte in Zukunft zu sichern. Etliche Methoden seien nun erprobt und in dem Leitfaden als gesicherte Check-Liste in der Praxis anwendbar.

Finke nannte als Beispiele den „Schnuppernachmittag“ im Unternehmen, die Betriebsvorstellung direkt in der Schule, die „Express-Akquise“, den Unternehmenstag und den Praxistag in der Schule. Um erfolgreich zu sein, müsse jedoch nicht nur die Methode stimmen, sondern im Vorfeld müsse sich das Unternehmen wichtige Fragen beantworten: Welche Ziele werden genau verfolgt? Wie viel Zeit kann für neue Akquise-Aktionen aufgewandt werden? Wen will ich erreichen? Welche Schulen bieten sich als Kooperationspartner an? Wie und mit wem nehme ich Kontakt auf?

FFT: High-Tech „Made im Vogelsberg“

Jürgen Bodo Geiss, Ausbilder bei FFT / EDAG in Mücke, lobte das VBC-Projekt als „sehr praxistauglich“. FFT bilde 76 junge Menschen aktuell aus. Daher sei die Akquise neuer Bewerber ein „Dauerauftrag“. Herr Geiss und weitere Mitarbeiter stellten den Gästen aus Unternehmen und Schulen das Unternehmen vor, das für den Weltmarkt – vor allem für die Automobil-Industrie – schlüsselfertige High-Tech-Produktionsanlagen herstellt. Als Beispiel hierfür hatten die Gäste Gelegenheit, die gerade in Konstruktion befindliche Fertigungseinheit für den Einbau von Fensterscheiben in den neuen Volvo zu besichtigen.

45 Fachleute aus sechs Nationen bauen die etwa 100 Kubikmeter große Automateneinheit in Mücke zusammen und testen sie in allen Einzelheiten für den Fertigungsprozess in Schweden solange, bis „alle Handgriffe des Roboters“ auf den Hundertstel Millimeter genau stimmen. Dann wird die Anlage komplett auseinander genommen, auf 30 Lkw verladen und nach Schweden transportiert. Dort wird die computergesteuerte Fertigungseinheit von den FFT-Mitarbeitern innerhalb weniger Tage wieder aufgebaut und in den Prozess der Volvo-Fertigungsstraße integriert. VBC-Geschäftsführer Schaumberg zeigte sich „wieder einmal beeindruckt, welch hochkarätige Unternehmen hier bei uns im Vogelsberg zu finden sind – High-Tech made im Vogelsberg!“ Informationen zu dem Leitfaden gibt es hier: Vogelsberg Consult GmbH, info@vogelsberg-consult.de, Telefon 06631 / 96160.

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