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Schlusslicht bei Lohnlücke: Frauen verdienen 22 Prozent weniger als Männer

Wiesbaden. Um das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen zu beseitigen, ist nach Ansicht von Petra Müller-Klepper, Staatssekretärin im Hessischen Sozialministerium, eine konzertierte Aktion von Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften erforderlich. „Deutschland gehört nach wie vor zu den Schlusslichtern in Europa. Frauen verdienen hier 22 Prozent weniger als Männer, obwohl sie besser ausgebildet sind. Die Gehaltsdifferenz bei akademischen Berufen liegt sogar bei 28 Prozent. Wir treten hier auf der Stelle, bereits seit 15 Jahren liegt die Entgeltungleichheit auf diesem hohen Niveau, während der EU-Durchschnitt sich auf 16,2 Prozent verringert hat. Es ist eine Frage der Gerechtigkeit, dass endlich die Lohnlücke geschlossen wird, und ein gemeinsames Vorgehen erforderlich“, forderte Petra Müller-Klepper anlässlich des Equal Pay Day, der am 21. März 2013 auch in Hessen begangen wird.

Der Equal Pay Day errechnet sich aus aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts. Der Tag wird an dem Tag begangen, bis zu dem Frauen im Schnitt länger arbeiten müssen, um rein rechnerisch genauso viel Geld verdient zu haben wie Männer bereits am Ende des Vorjahres. Nach den Worten der Staatssekretärin ist es an der Zeit, dass auch die Einführung von gesetzlichen Maßnahmen geprüft wird. Die Bundesregierung sei auf der Grundlage eines hessischen Antrags von der Gleichstellungs- und Frauenministerkonferenz aufgefordert worden, eine entsprechende Prüfung vorzunehmen.

Die Ursachen für die Lohnlücke seien vielfältig. Immer noch folge die Hälfte aller jungen Frauen in ihrer Berufswahl traditionellen Rollenstereotypen. Sie entschieden sich für die fünf klassischen „Frauenberufe“ Bürofachkraft, Arzthelferin, Friseurin, Verkäuferin und Kauffrau, die vergleichsweise niedrig bezahlt und mit wenigen Aufstiegschancen verknüpft seien. Hinzu kämen häufigere und längere Erwerbsunterbrechungen aufgrund von Kindererziehung und Pflege von Angehörigen. Gravierende Auswirkungen habe auch die im Vergleich mit den Vollzeit-Arbeitsstellen deutlich schlechtere Vergütung der überwiegend durch Frauen ausgeübten Teilzeit-Arbeitsplätze in Deutschland. „Gleichwohl ist zu unterstreichen, dass Lohnunterschiede in einer Größenordnung von zehn Prozent verbleiben, die nicht durch beobachtbare Merkmale zu erklären sind“, so Petra Müller-Klepper.

Die Staatssekretärin würdigte die bislang auf Bundes- und Länderebene unternommenen Bemühungen zur Förderung von gerechteren geschlechtsspezifischen Lohnstrukturen. Dazu gehöre der Lohntest Logib D, mit dem Unternehmen auch in Hessen ihre innerbetrieblichen Strukturen auf bestehende Lohnunterschiede überprüfen und wirtschaftlich zukunftsträchtige Lösungen entwickeln können. Logib D sei als Modellvorhaben initiiert, gefördert und einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht worden.
„Diesen vielfältigen Maßnahmen ist eins gemeinsam: die Freiwilligkeit ihrer Anwendung. Genau an dieser Stelle stoßen wir auf Grenzen“, so die Staatssekretärin. Trotz einer weitgehenden Übereinstimmung zu diesem Thema in der Gesellschaft befinde sich die Verwirklichung von Lohngleichheit von Frauen und Männern unverändert in weiter Ferne. Ein Durchbruch sei nicht in Sicht. “Wichtig ist die Entwicklung eines wirkungsvolleren Instrumentariums, mit dem das Diskriminierungsverbot bei der Lohnfindung falls nötig auch verpflichtend durchgeführt werden kann“, betonte Petra Müller-Klepper.

Diese Einschätzung der Staatssekretärin wird auch auf EU-Ebene geteilt. Im Mai 2012 hat sich das Europäische Parlament in einem Entschließungsantrag für Empfehlungen für verbindliche und bei Nichterfüllung mit Sanktionen zu belegende Maßnahmen wie z. B. hohe Entschädigungszahlungen und Bußgelder ausgesprochen.

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