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„Gesünder Sterben“ – Gelungener Kabarettabend im Mehrgenerationenhaus am Fuldaer Aschenberg

Fulda. Dass sogar Gevatter Tod an Burnout leidet und eine Sitzung bei der Supervisorin benötigt, um wieder wie das blühende Leben auszusehen und neue Geschäftsmodelle auf dem Online-Markt zu entwickeln, das gehörte zu den Erkenntnissen eines überaus amüsanten Kabarettabends im AWO-Mehrgenerationenhaus am Aschenberg. Die Veranstaltung gehörte zum Rahmenprogramm der Foto-Ausstellung „leben bis zuletzt“ der Deutschen PalliativStiftung.

Augenzwinkernd und mit viel Humor näherte sich das Organtheater Kassel in seinem aktuellen Programm „Gesünder Sterben“ dem auf den ersten Blick sperrigen Thema Tod und Krankheit. Doch die fünfköpfige Formation bewies vor dem mit gut 150 Besuchern ausverkauftem Saal: Sterben und Lachen, das passt hervorragend zusammen! Und so beschworen die Akteure das Publikum gleich zu Beginn: „Lassen Sie sich nicht sterben. Sterben Sie selbst!“

Mit der Vorstellung von ganz neuen Gesundheitsberufen, Szenen aus dem Alltag, pointierten Chansons sowie mit der Präsentation des „Docomats“ – eines kuriosen Online-Unterersuchungsprogramms für zuhause, das hoffentlich nie den realen Hausarzt ersetzen wird – nahmen Dagmar Witzel, Jens Haupt, Ute Wienkamp, Uwe Jakubcyk und Musiker Welf Kern absurde Entwicklungen im Gesundheitswesen aufs Korn. Bei dieser feinsinnigen und  satirischen Rundreise durch die Auswüchse des modernen Gesundheitswahnsinns stockte dem Zuschauer hin und wieder der Atem. Aber letztlich stellten die Sketche doch nur – grotesk überzeichnet – den Alltag vieler Patienten dar. Dabei gelang der Kasseler Gruppe die schmale Gratwanderung, bei allem Humor nie ins rein Klamaukige abzurutschen.

Zu den neuen Trends, die das Organtheater aufs Korn nahm, gehörte etwa eine Internetseite, auf der man seine Darmflora bestimmen lassen und internationale Darmfreundschaften schließen kann. Derweil hat der Landwirt Stubenbrock Stutenkerl mit einer Pferdepension auf „Hospizwirt“ umgesattelt. Auch Tupperverkäuferin Marianne Hempel gehört zu den Angehörigen „neuer Gesundheitsberufe“: Aus Mangel an farblich ansprechenden und formschönen Urnen kam sie nach Opas Tod auf die Idee, die Modelle „Aschenbrösel“, „Elegancia“ und „Party-Perle“ aus luftdichtem, unverottbarem Plastik auf den Markt zu bringen. „Da bleibt Opas Asche schön locker und verklumpt nicht.“ Hebamme Marianne Kindermann hat unterdessen angesichts der sinkenden Geburtenrate ihr Angebot um das „Komplettpaket Gebärmutter“ erweitert: Sie bringt die Kinder nicht nur zu Welt, sondern trägt sie auch aus – damit es sich finanziell lohnt, gerne auch Mehrlingsgeburten.

Auch in die Rollen von Kasper und Gretel schlüpften die Akteure und nahmen den Fitness- und Jugendwahn der Gesellschaft auf die Schippe. So konnte Kasper überhaupt nicht verstehen, dass Gretel ihren seit dem 20. Lebensjahr beginnenden körperlichen Verfall so selbstverständlich hinnimmt.

Elke Hohmann, Vorsitzende des Fördervereins der Deutschen PalliativStiftung, freute sich über die große Resonanz beim Publikum und machte deutlich, wie gut das Kabarettprogramm zu den Anliegen der Stiftung passt. „Denn Tod und Humor, Sterben und Lachen passen und gehören zusammen.“ Hohmann zitierte einen „klugen Kopf“: „So wie wir leben, sterben wir auch. Deswegen sollten wir uns eine gesunde Portion Humor zulegen.“

Dagmar Witzel beschreibt die Botschaft ihrer Theatergruppe so: „Der Zuschauer soll sich einerseits in dem Stück wiederfinden und dabei andererseits einen ganz anderen Blick auf die Themen Krankheit, Gesundheit und Sterben werfen.“ Das Organtheater wolle eine neue Perspektive anbieten, die „spielerisch die Identifikation mit diesen Dingen zulässt, aber gleichzeitig auch eine gewisse Distanz zum Dargestellten bewirkt. Denn das ist es, was Kabarett und Theater immer anstreben“.

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