Fulda. Personalengpässe und Fachkräftemangel auf der einen Seite, qualifizierte Personen auf der anderen Seite, die beruflich nicht voll durchstarten können, weil ihre ausländischen Bildungsabschlüsse nicht anerkannt sind – Wie passt das zusammen? Und vor allem: Wie ist das Problem zu lösen? fragten sich die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion in der Agentur für Arbeit Fulda.
Mehr als 80 Interessierte waren der Einladung des Vereins „uno, eine Welt in Fulda“ ins Berufsinformationszentrum der Arbeitsagentur Fulda gefolgt, um sich über die neuen gesetzlichen Regelungen im „Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz (BQFG)“, das am 1.4.2012 in Kraft getreten ist, zu informieren und Informationen von Arbeitnehmer/-innen und Arbeitgebern aus erster Hand zu erhalten.
Dementsprechend vielseitig war das Podium besetzt. Monika Gonzalez Dehnhardt und Bernd Schulz vom Caritasverband stellten dem Publikum Beratungsmöglichkeiten vor. „Wie groß sind die Aussichten, dass mein Abschluss in Deutschland anerkannt wird?“ oder „Wie lange dauert die Bearbeitung meines Antrags und was kostet es?“ waren Fragen, die von den Experten beantwortet wurden.
Paul Himmelmann, Seniorchef der Firma Paul Himmelmann in Großenlüder machte den Anwesenden Mut. „Trauen Sie sich, einmal ein, zwei Tage auf Probe zu arbeiten. Es lohnt sich!“, erklärte der Unternehmer. Wichtiger als Zeugnisse und Diplome seien ihm persönlich stets die tatsächlichen Fähigkeiten seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Aus Sicht einer Betroffenen schilderte Valentina Timofeev ihre Erlebnisse. Die Spätaussiedlerin war mit zehnjähriger Berufserfahrung in ihrem Heimatland nach Deutschland gekommen und arbeitet heute als Schulassistentin.
„Der Gesetzgeber hat endlich eine rechtliche Grundlage geschaffen, wonach alle Zuwanderergruppen, unabhängig von deren Nationalität und Aufenthaltsstatus, einen Anspruch auf Feststellung der im Ausland erworbenen beruflichen Qualifikation haben. Damit ist ein erster Schritt in die richtige Richtung gemacht worden.
Viele Zuwanderinnen und Zuwanderer verfügen über eine gute berufliche Qualifikation aus dem Herkunftsland und es gibt einen großen Informations- und Beratungsbedarf zur beruflichen Anerkennung der im Ausland erworbenen Bildungsabschlüsse. Deshalb haben wir dies heute zum Thema gemacht; augenscheinlich mit Erfolg“, erklärte Johanna Pflüger nach der informativen Diskussionsrunde.
Zuvor hatte der Leiter der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda, Waldemar Dombrowski, auf die Notwendigkeit hingewiesen, Fachkräfte aus dem Ausland beruflich und gesellschaftlich zu integrieren: „In absehbarer Zukunft werden uns in Deutschland Millionen von Arbeitskräften fehlen. Das ist mit eigenem Nachwuchs nicht zu bewältigen. Wir benötigen gerade abseits der großstädtischen Metropolen eine positive Willkommenskultur, die zur Attraktivität unserer Region beiträgt.“