Fulda. Wer kennt sie nicht, die Geschichten von Urmel aus dem Eis, Lukas dem Lokomotivführer oder Schlupp vom grünen Stern? Die Augsburger Puppenkiste hat Millionen Augen zum Leuchten gebracht. Wenn dazu ein vielfach bewährtes pädagogisches Konzept kommt, das Kinder frühzeitig stark und selbstbewusst machen will, ist ein tolles Erlebnis vorprogrammiert. Das haben in dieser Woche auch rund 50 Kinder aus Fulda und der näheren Umgebung erfahren. Im Evangelischen Zentrum Haus Oranien wurde das Puppenspiel „Paula und die Kistenkobolde aufgeführt.
Doch: Warum gastiert die Augsburger Puppenkiste in Osthessen? Anlass war die diesjährige Hessen-Tournee des Präventionsprogramms Papilio, das von der AOK Hessen, der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen e.V. (HLS) und den hessischen Fachstellen für Suchtprävention umgesetzt wird. Schirmherr ist Landessozialminister Stefan Grüttner. „Papilio richtet sich an Kinder im Kindergartenalter, vermindert erste Verhaltensauffälligkeiten und stärkt sozial-emotionale Kompetenzen. So kann Sucht- und Gewalttendenzen in späteren Jahren frühzeitig vorgebeugt werden“, erklärt Regina Sahl von der HLS. Die Geschichte von „Paula und den Kistenkobolden“ hilft den Drei- bis Sechsjährigen spielerisch, ihre eigenen Gefühle und die Gefühle anderer kennenzulernen und angemessen mit ihnen umzugehen.
Hessen als Vorreiter
Hessen war das erste Bundesland, das nach der Modellphase in Bayern ab 2006 die flächendeckende Einführung von Papilio startete. Bisher wurden hierzulande über 1.300 ErzieherInnen ausgebildet und rund 26.000 Kinder erreicht. „Je früher wir die Persönlichkeitsentwicklung unserer Kinder positiv unterstützen, umso erfolgreicher können wir Verhaltensauffälligkeiten entgegenwirken. Papilio leistet hierzu einen ganz entscheidenden Beitrag“, erklärt Pfarrer Burkhard Enners, Leiter des Diakonisches Werkes Fulda. Im Stadt und Landkreis sind schon heute 7 Einrichtungen und 50 Erzieherinnen für Papilio zertifiziert, aber es sollen noch mehr werden: „Interessierte Kindergärten und Kitas können sich sehr gerne bei mir persönlich melden“, sagt Tina Wienröder von der Fachstelle für Suchtprävention. Sie kommt – dieser Hinweis ist ihr wichtig – auch gerne für ein Kennenlerntreffen in den Kindergarten, um das Programm ausführlich vorzustellen.
AOK-Beratungscenterleiter Hubert Möller freut sich über die positive Entwicklung des Programms und begründet das Engagement seines Unternehmens: „Als Gesundheitskasse sind wir stolz, seit Anfang an dabei zu sein. Das Programm ist uns wichtig, denn es hilft dabei, unsere Kinder zu gesunden Erwachsenen zu machen. Davon haben auch wir als Gesundheitskasse etwas.“ Die AOK Hessen hat bis 2012 über 800.000 Euro für Papilio in die Hand genommen.
Entwickelt und wissenschaftlich überprüft wurde das Programm in Augsburg, verantwortlicher Träger ist Papilio e.V. Die 1. Vorsitzende Heidrun Mayer erklärt: „In einer mehrjährigen Studie mit 700 Kindern, 100 ErzieherInnen und 1.200 Eltern konnte Papilio nachweisen, dass es tatsächlich wirkt und zudem im Kindergartenalltag machbar ist.“ Besonders wirksam – ebenfalls wissenschaftlich nachgewiesen – ist Papilio bei Kindern, die bereits erste Auffälligkeiten zeigen.
Die bundesweite Verbreitung von Papilio wird von der Robert Bosch Stiftung und der gemeinnützigen Auridis GmbH gefördert. Schirmherr ist der Publizist Ulrich Wickert. Näheres zu Papilio im Internet unter www.papilio.de. An Fortbildungen interessierte ErzieherInnen können sich außerdem an die Fachstelle Prävention wenden:
Fachstelle für Suchtprävention
Tina Wienröder
Tel.: 0661 /Â 8388 219
E-Mail: Wienroeder@diakonie-fulda.de