Petersberg-Marbach. Sie gehören zur Klasse der Reptilien, zur Familie der Vipern und zur Gattung Echte Otter, eine kleine bis mittelgroße Giftschlange Eurasiens, die von allen Vipern das größte und zugleich das nördlichste Verbreitungsgebiet besitzt. Die Rede ist von der Kreuzotter (Vipera berus), die heute kaum mehr vom gewöhnlichen Besucher der Natur wahrgenommen wird. Dennoch gehört sie für Herbert Schmitt, Vorsitzender des NABU Petersberg, zu einer schützenswerten Art, für die er sein ehrenamtliches Engagement und seine mittlerweile erworbene große Kompetenz einsetzt.
Die Kreuzottern, so erklärt uns die Internetseite der Ortsgruppe, sind kräftige Ottern mit dickem Körper, einem wenig vom Hals abgesetzten Kopf, rötlichen Augen mit senkrecht geschlitzten Pupillen sowie recht kurzem Schwanz. Typisch ist ein brauner (Weibchen) oder grauer (Männchen) Rücken, auf dem ein dunkles und zusammenhängendes Zickzackband verläuft. Gelegentlich treten zeichnungslose, einfarbig rötliche oder schwarze Tiere auf. Die vorgewölbten Schilder über den Augen und die schlitzförmige Pupille verleihen der Kreuzotter ein grimmiges Aussehen. Die Rückenschuppen sind gekielt. Erwachsene Tiere erreichen Längen zwischen 35 und 90 Zentimeter. In Deutschland war die Kreuzotter früher weit verbreitet, sie wird aber immer seltener. In Hessen kommt die Kreuzotter nur vereinzelt im Spessart, im Hohen Meißner, in der Rhön und im Landkreis Fulda vor. Als Nahrung dienen ihr Wühlmäuse, Frösche und Eidechsen.
Kreuzottern leben an Bahndämmen, Straßenböschungen und Feuchtwiesen entlang von Fluss- und Bachläufen. Allen Standorten gemeinsam ist der direkte Anschluss an ein größeres Waldgebiet. Dort werden Wegränder, Schneisen und Lichtungen bewohnt. Oft kommt auch hier den Straßenrändern und Gräben eine hohe Bedeutung für die lokale Verbreitung der Art zu. Solch bevorzugte Verbreitungsgebiete sind auch der Petersberger Ortsteil Marbach, Schmitts Heimatort, mit seinen Feuchtgebieten und Bachrändern sowie das Biotop des Haunesees und der Dammersbacher Wald, die gute Voraussetzungen für die Kreuzotter bieten.
Doch warum sorgt sich ein Tierschützer gerade um die Kreuzotter, sind doch andere Tiere wesentlicher präsenter und augenfälliger im Bewusstsein der Menschen? Schmitts Antwort ist einfach, aber plausibel: „Es sind geheimnisvolle Jäger“, um die sich viele Mythen ob ihres Giftes rankten. Es gehe darum, ganz konkret einer „Verarmung der Tier- und Artenwelt hier vor Ort vorzubeugen“. Da Kreuzotter keinen großen Fortbewegungsraum haben, sind sie besonders gefährdet, wenn ihre Standorte beschnitten oder zerstört werden.
Die Kreuzotter ist eine Tagjägerin; hier besteht die Möglichkeit, ihr zu begegnen. Temperaturen bis zu 33 Grad Celsius machen ihr nichts aus, sie liebt die Sonne. Im März verlässt sie ihre Winterruhe, ihre Eier behält sie bis kurz vor der Geburt des Nachwuchses im Körper. Ein Umstand, der die Kreuzotter ebenfalls so besonders mache, erläutert Schmitt. Dabei brauche die Kreuzotter aber ein störungsfreies Leben, um sich in Ruhe fortbewegen und ihren Nachwuchs, im Durchschnitt acht bis zehn Jungen, gebären zu können. „Keine aufgeräumten Landschaften und Verinselungen wie heute“, konstatiert der Tierschützer vehement. Eigentlich „wissen die Tiere am besten, wo sie leben wollen, aber wir schränken sie ein, und so sind wir gezwungen, Reptilienfangzäune wie beispielsweise an der B 27 auf Höhe Marbach zu errichten, um ihren Lebensraum zu sichern“, ergänzt Schmitt weiter.
„Wir brauchen Öffentlichkeitsarbeit und viele engagierte Helfer, um auf Veränderungen der Landschaft hinzuweisen und die Schönheit des Draußen in einer unberührten Natur zu betonen.“ Die eher unauffällige Kreuzotter habe keine so starke Lobby wie andere gefährdete Tierarten und müsse daher um so mehr geschützt werden, lautet das ambitionierte Credo Schmitts. Ihr geheimnisvolles Wesen und das Erhalten ihrer Lebensräume könnten dafür sorgen, dass die Kreuzotter wieder zum gewohnten Bestandteil der Natur vor der Haustüre werde – „wie vielleicht zu den eigenen Kindheitszeiten“, so Schmitts Hoffnung.