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Schutzambulanz wird von Gewaltopfern zunehmend genutzt

Wiesbaden/Fulda. Die neue Schutzambulanz Fulda, ein Modellprojekt des Landes Hessen in Kooperation mit dem Landkreis Fulda, wird als Anlaufstelle für Opfer von häuslicher Gewalt zunehmend in Anspruch genommen. Diese positive Zwischenbilanz der Einrichtung, die seit Mai 2010 in Betrieb ist, zog Petra Müller-Klepper, Staatssekretärin im Hessischen Sozialministerium. „Bis Mitte November 2011 haben 204 Menschen die Schutzambulanz aufgesucht und angegeben, dass sie Opfer von interpersoneller Gewalt geworden sind oder bei denen andere einen solchen Verdacht äußerten. Die Altersspanne reichte von 2 bis 92 Jahren. Die Schutzambulanz bietet den Betroffenen konkrete, effektive Hilfe und leistet wertvolle Arbeit.“

Foto: Max Colin Heydenreich

Der überwiegende Teil der Hilfesuchenden, nämlich 86 Prozent, war weiblich. „Dies spiegelt die hessenweite Situation wider. Frauen sind deutlich höher als Männer von Gewalt in der Paarbeziehung belastet. Die Polizeistatistik zu Fällen häuslicher Gewalt weist kontinuierlich aus, dass die Opfer zu knapp 90 Prozent weiblich sind“, so die Staatssekretärin. Häusliche Gewalt sei die häufigste Ursache für Verletzungen bei Frauen, häufiger als Verkehrsunfälle, Überfälle oder Vergewaltigungen zusammen. Sie komme in allen sozialen Schichten vor.

Unter den weiblichen Hilfesuchenden waren 11 Prozent unter 18 Jahre alt, bei den männlichen waren es 29 Prozent. 4 Prozent der Opfer waren älter als 65 Jahre. Meistens handelte es sich bei den Angreifern um Partner oder ehemalige Partner (38 Prozent), Verwandte (19 Prozent) oder Bekannte (16 Prozent). Lediglich in 13 Prozent der Fälle waren die angreifenden Personen fremde oder nur flüchtig bekannte Personen. Zu 67 Prozent waren die mutmaßlichen Angreifer männlich. In 6 Prozent der Fälle waren Personen beider Geschlechter am Angriff beteiligt.

Gewaltbetroffene fanden den Zugang zur Schutzambulanz Fulda auf verschiedenen Wegen. Etwa die Hälfte nahm selbst Kontakt auf. Entscheidend für den Kontakt war der Hinweis auf das Angebot der Schutzambulanz durch die Gesundheitsversorgung (59 Fälle, 29 Prozent), das psychosoziale Hilfesystem (40 Fälle, 20 Prozent), die Polizei (37 Fälle, 18 Prozent) oder das Jugendamt (20 Fälle, 10 Prozent). „Dies zeigt die Vernetzung und Kooperation der unterschiedlichen Akteure“, lobte Petra Müller-Klepper.

Die Schutzambulanz Fulda biete allen von Gewalt Betroffenen die Möglichkeit der Hilfe an. Dazu zählten Betroffene von Partnergewalt, Kinder und Jugendliche, Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderungen. Ein Schwerpunkt der Arbeit der Schutzambulanz sei es, Opfern von häuslicher Gewalt eine Anlaufstelle zu bieten. Vor allem werde die Möglichkeit von Gewaltopfern verbessert, strafrechtliche, zivilrechtliche oder sozialrechtliche Schritte einzuleiten. “Die Schutzambulanz hat sich als ein zentraler Baustein des Opferschutzes in der Region etabliert”, stellt der Erste Kreisbeigeordnete des Landkreises Fulda Dr. Heiko Wingenfeld fest. “Opfer haben jetzt endlich die Möglichkeit, Gewaltfolgen gerichtsverwertbar dokumentieren zu lassen und stehen nicht alleine.“

„Die Schutzambulanz ist aber nicht nur eine Anlaufstelle für Opfer von Gewalt. Auch Menschen, die Gewalt ausüben und einen Weg aus der Gewaltspirale suchen, finden dort Ansprechpartner, die weitere Hilfen vermitteln“, unterstrich Staatssekretärin Petra Müller-Klepper. Mittlerweile seien 31 Männerberatungsstellen in Hessen in der Täterarbeit aktiv.

Hintergrund

Die Schutzambulanz Fulda ist ein Modellprojekt des Landes Hessen, das bis 31. Dezember 2012 läuft. Träger sind das Hessische Sozialministerium und der Landkreis Fulda. Sie wurde bewusst in den öffentlichen Gesundheitsdienst integriert, da es bislang keine flächendeckende systematische Versorgung von Gewaltbetroffenen in den Gesundheitseinrichtungen gibt. Um zu erforschen, wie Interventions- und Präventionsprogramme dauerhaft ins Gesundheitswesen integriert werden können, wird das Projekt von der Hochschule Fulda wissenschaftlich begleitet. Die Schutzambulanz Fulda wird unterstützt durch die Institute der Rechtsmedizin an der Justus-Liebig-Universität Gießen und am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Darüber hinaus erfolgt ein enger Austausch mit Schutzambulanzen in Italien, Frankreich und der Schweiz.

Kontakt

Schutzambulanz Fulda Zentrum Vital
Gerloser Weg 20
36039 Fulda
Telefon (0661) 60 06-695 und -696
E-Mail: Schutzambulanz@Landkreis-Fulda.de

Außerdem können von Gewalt Betroffene im Internet unter www.familienatlas.de Anlaufstellen für Beratung und Kooperation in Hessen finden.

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