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Bischof Algermissen erteilte „Missio canonica“ – Abschluss des „Tages der Katechese“

Fulda/Hanau/Kassel/Marburg. In einer Eucharistiefeier im Hohen Dom zu Fulda hat Bischof Heinz Josef Algermissen am Donnerstag 32 Religionslehrerinnen und elf Religionslehrern aus der Diözese die „Missio canonica“ erteilt. Mitgestaltet durch Domorganist Prof. Hans-Jürgen Kaiser an der Orgel sowie dem Mädchenchor des Marianums Fulda unter der Leitung von Maike Desoi, bildete die Messfeier den Abschluss des traditionellen „Tages der Katechese“ in der Bonifatiuswoche. In seiner Predigt vor über 200 Religionslehrern und Katecheten rief Bischof Algermissen diesen zu: „Fragen Sie sich bitte, ob Sie Ihr Glaube bewegt, andere zum Glauben an Christus zu bewegen.“ Der Bischof gab den Empfängern der Missio canonica den Wunsch mit auf den Weg, suchende und fragende Menschen zu bleiben, die sich mit Mittelmäßigkeit nicht zufriedengäben.

Algermissen hatte zu Beginn seiner Predigt an die Berufung des jungen Samuel erinnert, den der alte Hohepriester Eli erzog – und den er für einen Größeren, nämlich Gott selbst, freigeben musste. Im Evangelium habe Johannes der Täufer gespürt, dass seine Aufgabe an den jungen Männern, die sich um ihn geschart hatten, erfüllt sei: „Der Größere ist da, auf den er sie vorbereitet hat. Die Stunde ist da, sie an diesen weiterzugeben.“ Hier werde ein wichtiges Grundgesetz der Nachfolge sichtbar, fuhr der Bischof fort. In der Regel werde niemand unmittelbar zum Dienst an Gott und in die Nachfolge Jesu berufen. „Jede und jeder verdankt es dem Glauben, der Erfahrung und der Hilfe anderer, wenn sie oder er den Ruf vernimmt und folgen kann.“

Die Begegnung zwischen Gott und Mensch, zwischen Jesus und dem Jünger sei etwas sehr Persönliches. Das Ja des Glaubens könne einem keiner abnehmen. Dieses Ja als Antwort zu geben, bezeichnete Algermissen als einen ganz persönlichen Akt, der nicht einmal auf den liebsten Menschen delegiert werden könne. „Die Schwelle muss jeder in eigener Verantwortung überschreiten, aber bis an diese Schwelle werden wir von anderen geleitet, die schon Erfahrung mit Gott haben.“ Es seien dies die Eltern, Freunde, Priester, Lehrer, Frauen und Männer, die einen im besten Wortsinn seelsorglich begleiteten.

„Es gibt nichts Schöneres, als solche Hilfestellung leisten zu dürfen auf dem Weg zu Christus hin“, stellte Algermissen heraus. Das werde einen immer wieder beglücken. Aber man müsse auch genau spüren, wann die eigene Aufgabe zu Ende sei und wann man zurücktreten müsse, um den, für den man bisher die Autorität war, an einen anderen weiterzugeben. „Auch wenn zum Beispiel ein junger Mensch andere Wege einschlägt, als wir es wünschen – wir müssen ihm seine Freiheit geben!“, forderte der Oberhirte. Jeden rufe nämlich Gott auf andere Weise. Auch wenn man überzeugt sei, dass einer nicht auf Gott zugehe, müsse man, wenn die Stunde da sei, seine Freiheit achten. „Man kann niemanden zu Gott zwingen“.

Jesus selbst habe die Freiheit der Männer, die auf ihn zukamen, vornehm geachtet. „Was wollt ihr von mir?“, heiße es in der Einheitsübersetzung. Die Vulgata, dem Urtext sehr viel näher, formuliere: „Quid quaeritis?“, also: „Was sucht ihr?“ Es sei interessant, dass dies die allererste Frage Jesu im Johannesevangelium ist. „Heißt das vielleicht auch, dass nur, wer wirklich ehrlich sucht, Jesus als Weg, Wahrheit und Leben findet und in Jesus Gott?“, fragte der Bischof. In einem Gespräch mit Jesus als dem Rabbi wollten sich die Suchenden zunächst nur informieren.

„Sie gingen mit ihm und sahen, wo er wohnte, und sie blieben den Rest des Tages bei ihm.“ Die Stunde, in der der Jünger zum ersten Mal die Schwelle Jesu überschritt, und das erste Zusammensein mit ihm seien ihm als Schlüsselerlebnisse unvergesslich geblieben. Wie sehr diese Begegnung gezündet habe, erkenne man daran, dass Andreas schon in den nächsten Tagen seinen Bruder Simon zu Jesus führte. Auch hier gelte wieder das gleiche Gesetz: „Einer führt den anderen, einer hilft dem anderen weiter“.

Der traditionelle „Tag der Katechese“ wird von der Abteilung Schule-Hochschule-Medien und dem Seelsorgeamt im Bischöflichen Generalvikariat sowie dem Diözesanverband des Deutschen Katechetenvereins (DKV) veranstaltet. Die Begrüßung erfolgte in diesem Jahr durch Schulamtsdirektor i. K. Winfried Engel, woran sich ein Vortrag von Prof. Dr. Hans Mendl (Passau) zum Thema „Orientierung finden in postmoderner Pluralität – Lernen an fremden Biografien“ anschloss, der am Nachmittag in Arbeitskreisen vertieft wurde.

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