Brembach. Es war natürlich dieser Tage ein absolutes Dorfgespräch, als eine mobile Käserei aus dem Siegerland auf den Bauernhof der Familie Richter in Brembach fuhr und dort 800 Liter Milch zu Käse verarbeitete. Das Biosphärenreservat Rhön hatte die mobile Käserei für eine Woche lang „gebucht“, um Landwirten der Region eine Möglichkeit aufzuzeigen, ihre Milch alternativ und zu einem besseren Preis zu vermarkten. Insgesamt stoppte die Käserei auf vier Bauernhöfen der hessischen Rhön und in der Agrargenossenschaft „Rhönland“ e.G. im thüringischen Dermbach. „Wir sind auf das Geschäftsmodell der mobilen Käserei im Internet gestoßen, weil wir Nischen und zusätzliche Standbeine für unsere Landwirte finden wollen“, sagt Janet Emig, die Landwirtschaftsberaterin für das Biosphärenreservat Rhön. Bislang gebe es eine solche mobile Käserei in der Rhön überhaupt nicht; deutschlandweit existieren rund 20.
Bereits im März hatten der Verein Natur- und Lebensraum Rhön und das Biosphärenreservat Rhön zu einer Exkursion ins Siegerland eingeladen, um die mobile Käseherstellung vor Ort zu verfolgen. Anschließend konnten fünf einheimische Betriebe gefunden werden, die ausprobieren wollten, wie hofeigener Käse schmeckt. Auf den fünf Rhöner Höfen wurde ausschließlich Schnittkäse nach Gouda-Art und Bergkäse hergestellt. Nun befinden sich die Laibe wieder im Siegerland, wo sie reifen. Nach der Lagerung treten sie die Reise zurück ins Biosphärenreservat Rhön an. Den Landwirten steht es danach frei, ob sie ihn vermarkten oder einfach nur selbst verzehren.
Der Landwirtschaftsbetrieb der Familie Richter in Brembach bearbeitet rund 60 Hektar, das meiste davon ist Grünland. 45 Milchkühe stehen im Stall. „Meine Tochter hat ebenfalls den Beruf des Landwirts erlernt und möchte in den Betrieb mit einsteigen. Aber um zwei Familien zu ernähren, dazu ist der Hof mit seiner jetzigen Struktur zu klein. Da kam uns das Angebot des Biosphärenreservats Rhön mit der mobilen Käserei sehr recht, und wir wollen einfach ausprobieren, ob das ein Geschäftsfeld für die Zukunft sein könnte“, sagt Landwirt Albert Richter. Wenn der Schnitt- und Bergkäse aus dem Siegerland zurück sind, soll es auf dem Hof in Brembach einen Tag der offenen Tür geben – natürlich mit einer großen Käseprobe. „Wenn der Käse eine gute Qualität hat, dann werden wir die Produktion bestimmt weiter verfolgen“, meint der Landwirt. Zunächst einmal wurden 800 Liter Milch verarbeitet – das ergibt immerhin 80 bis 85 Kilogramm Käse.
Um mit Käse Geld zu verdienen, muss er natürlich verkauft werden. Rund 15 bis 16 Euro wird das Kilogramm kosten, und das bei Erzeugungskosten von neun bis zehn Euro. „Der Landwirt muss diesen Preis nehmen, damit er gewinnbringend wirtschaftet. Er hat aber auch sehr gute Argumente für diesen Preis: es ist hofeigene Milch von seinen eigenen Kühen, die auf den Weiden rund um seinen Bauernhof grasen – mitten in einer unberührten Landschaft“, sagt Janet Emig. Was in anderen Regionen sehr gut funktioniere, sei aus ihrer Sicht auch im Biosphärenreservat Rhön machbar. Noch dazu komme die Auszeichnung der Region mit dem Titel „UNESCO-Biosphärenreservat“ – das sei ein weiteres Verkaufsargument.
Normalerweise ist die „Käserei on tour“ aus Kreuztal im Siegerland nur hauptsächlich in einem Umkreis von 50 Kilometern tätig. „Das hier ist eine absolute Ausnahme, aber wir tun es auch gern, um den Landwirten und der Bevölkerung zu zeigen, wie handwerklich gefertigter Käse entsteht und schmeckt“, sagt Dagmar Busch. In der mobilen Käserei können zwei mal 600 Liter Milch verarbeitet werden. Dadurch können zur gleichen Zeit unterschiedliche Sorten entstehen. Zunächst wird die kuhwarme Milch eingepumpt und auf 20 Grad erhitzt. Dann kommen die Kulturen hinzu, und bei rund 33 Grad setzt die Säuerung ein. Anschließend fügen die mobilen Käser natürliches Kälberlab hinzu, und die Milch wird „dick gelegt“, wie die Experten sagen. Wenn die Konsistenz stimmt, wird die Käsemasse geschnitten und abgefüllt. „Wir stellen in unserer mobilen Käserei ausschließlich Rohmilchkäse her. Das bedeutet, er ist nicht pasteurisiert. Unsere Kulturen greifen gewissermaßen die bösen Bestandteile an und erhalten die guten. Das ist Käseherstellung nach alter handwerklicher Tradition“, erklärt Dagmar Busch.
Thomas Homrighausen von der mobilen „Käserei on tour“ legt aus seiner Sicht die Vorteile für den Landwirt dar, sich des Geschäftsmodells der mobilen Käserei zu bedienen: „Er braucht keine eigene Käserei zu bauen und spart so erhebliche Investitionskosten. Außerdem spart er sich die Arbeitskosten, denn die Zeit bei der Käseherstellung ist nicht zu unterschätzen.“ Darüber hinaus ermögliche es eine mobile Käserei auch kleineren Betrieben, hofeigenen Käse zu erzeugen und beispielsweise bei Hoffesten zu verkaufen. „Ein guter Käse braucht ein gutes Grünland. Deshalb betrachten wir die Käseproduktion in der Rhön als sehr wichtig, denn letztlich wird durch diese neue Vermarktungschance für Milch auch die Landschaft erhalten“, betont der stellvertretende Leiter der Hessischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön, Martin Kremer. Insofern stelle das Grünland in der Rhön einen wahren Schatz für die Landwirtschaft dar.
Für Landwirtschaftsberaterin Janet Emig wäre es wünschenswert, dass sich in der Region jemand findet, der das Geschäftsmodell einer mobilen Käserei im Biosphärenreservat Rhön, und zwar auf alle drei Landesteile bezogen, aufbaut. „Ich bin mir sicher, dass die Qualität unserer Rhöner Milch einen sehr guten Käse hervorbringt. Deshalb ist aus meiner Sicht eine mobile Käserei in unserer Region ein lohnenswertes Standbein“, unterstreicht sie.