Fulda. Er hat viel erlebt. Die Geschichten von früher sprudeln deshalb geradezu aus ihm heraus. Mit Begeisterung und viel Gestik springt er zwischen den Jahrzehnten, Ländern, berühmten Interviewpartnern – wie Bubi Scholz und Mohammed Ali – und vielen sportlichen Ereignissen hin und her. Während der 87-Jährige etwas schlecht hört, scheint er aber keinen Namen und keine Jahreszahl vergessen zu haben. „Als die Nordkoreaner bei der Fußball-WM 1966 in London im Achtelfinale gegen Portugal standen, führten sie erst 3 zu 0, verloren dann aber 3 zu 4“, erzählte der ehemalige Sportjournalist Hans-Joachim Rauschenbach, als er von Bürgermeister Dr. Wolfgang Dippel im Stadtschloss empfangen wurde. Er sei damals der Erste gewesen, der das nordkoreanische Team interviewen konnte.
Volontariat in Fulda
Da der in Dresden Geborene seine journalistische Karriere 1945 mit einem Volontariat bei der Fuldaer Volkszeitung begann, war es der Wunsch des rüstigen Rentners, noch einmal nach Fulda zu fahren. „Es war uns ein Anliegen, Ihnen diesen Besuch zu ermöglichen und daher begrüße ich Sie im Namen der Stadt ganz herzlich“, betonte Sportdezernent Dr. Dippel im Beisein des Vorsitzenden von SC Borussia 04 e.V. Fulda, Heinz Straeter, und einiger mit Rauschenbach bekannten Sportfreunden. „Ich freue mich sehr, dass ich hier sein kann“, erwiderte Rauschenbach und nahm interessiert die Präsente der Stadt – zwei Bücher über Fulda und die Sportstadt Fulda – vom Bürgermeister entgegen.
Bei der Fahrt durch die Stadt habe er frühere Bezugspunkte gesucht, aber viele würde es nach der langen Zeit leider nicht mehr geben. Fulda habe sicher aber schön entwickelt, hob der ehemalige Sportjournalist hervor. Nachdem er nach Kriegsende das Lazarett in Bad Salzschlirf verlassen hatte, trat Rauschenbach am 01. Dezember 1945 das Volontariat bei der hiesigen Lokalzeitung an. Bis 1958 hat er in Fulda gelebt und danach ging er zum Hessischen Rundfunk nach Frankfurt. Während er also zunächst nur beim Hörfunk arbeitete, war er ab 1961 auch beim Fernsehen tätig.
Kommentare mit vielen Metaphern
Dabei kommentierte er unzählige Welt- und Europameisterschaften sowie Olympische Spiele, wobei seine Spezialgebiete die Sportarten Boxen, Eiskunstlauf und Fußball waren. Außerdem moderierte er auch die Sportschau in der ARD. Allerdings habe er anfangs gesagt: „Fechten und Eiskunstlauf mache ich nicht, das versteht kein Mensch.“ Schließlich habe er sich doch überreden lassen, über Eiskunst-laufwettbewerbe berichtet und mit der Zeit viel über diese Sportart gelernt. Dem für seine Metaphern berühmten Journalisten fiel dazu auch gleich sein Kommentar zu einem Eiskunstlauf der deutschen Damen ein, den er sodann mit einem breiten Grinsen wiederholte: „Sie laufen wie zwei Suppenhühner auf dem Weg zum Suppentopf.“ Auf die Kombination zwischen dem elegante Eiskunstlauf und dem eher rauen Boxen angesprochen, bemerkte Rauschenbach bestimmt: „Beine braucht man bei beidem, schnelle Beine – das ist die Verbindung.“
Kritik am heutigen Sportjournalismus
Auf den heutigen Sportjournalismus ist Hans-Joachim Rauschenbach, der mittlerweile in Bad König im Odenwald wohnt, allerdings gar nicht gut zu sprechen. Der Sport sei kommerziell geworden, so dass nur noch das Geld regiere und die Quote das Verhalten der Journalisten bestimme. „Als Reporter kann man gar nichts Schlechtes mehr über die Veranstaltung des eigenen Senders sagen, obwohl die Zuschauer doch eigentlich die ehrliche Meinung des Reporters hören wollen“, stellte der gut informierte Renter auf Nachfrage des Bürgermeisters fest.
Kritisch äußerte er sich auch zu der mittlerweile gängigen Praxis, dass die Moderatoren bei der Berichterstattung von Experten unterstützt werden: „Warum braucht man diese Experten? Ich war zum Beispiel in New Orleans und Moskau auch alleine, ich wusste das alles selber.“ Da erstaunt es nicht, dass Rauschenbach stets die Ansicht vertrat, dass jeder – Sportler wie auch die Journalisten – sein Talent voll ausschöpfen sollte. Dieser Gedanke spiegelt sich auch in seinem Lebensmotto wider: „Verliere nie ohne alles gewagt zu haben“. (cp)

