Künzell. Zwei Schülerinnen der Rudolf Steiner Schule Loheland, Sophia Kimpel und Lea Schmidt, waren im Rahmen des Projektes „Hessen meets Vietnam – Vietnam meets Hessen“ zu einer zweiwöchigen Begegnungsreise in Hanoi. Gemeinsam mit 50 weiteren Schülern aus ganz Hessen engagierten sich die beiden 18-jährigen in Vietnam für mehr Nachhaltigkeit und einen intensiven interkulturellen Austausch. Vorbereitet und organisiert wurde das Jugendbegegnungsprojekt, für das sich die beiden Loheland Schülerinnen zuvor eigens erfolgreich beworben hatten, vom Hessischen Kultusministerium und dem World University Service.
Während des 14-tägigen Aufenthaltes erwartete die Schüler ein großes Programm und intensive Projektarbeit in vier Arbeitsgruppen, die schon Monate vor der Reise an mehreren Wochenenden in beiden Ländern parallel vorbereitet wurde. So war Sophia Kimpel in der „Umweltgruppe“, in der Infoplakate über Nachhaltigkeit und Umweltthemen sowie Flyer über Müllrecycling erarbeitet und an mehreren Schulen in Hanoi verteilt wurden. “Dazu muss man wissen“, sagt die Schülerin, „dass es in Vietnam keine Mülltrennung wie bei uns gibt und dass manchen Menschen im privaten Recycling sogar einen Gelderwerb finden“. Einer der Höhepunkte der Arbeitsgruppe war der gemeinsame Bau einer Müllskulptur.
Lea Schmidt war in der „Kunst und Kultur Gruppe“ aktiv mit welcher sie in einem Raum der Universität Hanoi, einen Kulturtreffpunkt gestaltete, in der den vietnamesischen Studenten die kulturelle Vielfalt Hessens näher gebracht werden sollte.
Zusätzlich wurden viele Besuche und Ausflüge durchgeführt in denen die hessischen Schüler die vietnamesische Kultur hautnah kennen lernen konnten. So bekamen sie in der Hochschule für Handel und Tourismus in Hanoi von den Studenten ein landestypisches Bühnenprogramm dargeboten und lernten beim gemeinsamen Kochen traditionelle vietnamesische Gerichte kennen. Einen tiefen Einblick in die Geschichte Vietnams erhielten die Schüler bei einem Vortrag des Historikers und Mitglieds der Nationalversammlung Vietnams, Prof. Dr. Duong Trung Quoc. Neben einem Besuch in der deutschen Botschaft wurde zur Besiegelung der deutsch-vietnamesischen Freundschaft an der Uni Hanoi gemeinsam ein Baum gepflanzt. Verschiedene Tagesausflüge zu einer buddhistischen Pagodengruppe, dem Mausoleum und Museum des ehemaligen Staatsoberhauptes Ho Chi Minh sowie zur legendären Ha Long Bucht spiegelten den jungen Hessen die Vielseitigkeit des Landes wieder.
Doch ganz besonders, so die beiden Loheland-Schülerinnen, war der intensive persönliche Kontakt mit den vietnamesischen Projektteilnehmern. Ein Teil des Begegnungs-Konzepts war es, dass je ein deutscher Schüler und ein vietnamesischer Student in der gesamten Zeit ein Hotelzimmer miteinander teilten. Dies hatte nicht nur intensive Gespräche zur Folge, sondern auch ein gutes gegenseitiges Kennenlernen. Einen interessanten Mentalitätsunterschied stellte dabei Lea Schmidt fest: Während ich immer nach Begründungen fragte, warum etwas so oder so ist, fragte meine vietnamesische Zimmerkollegin immer nach den Bedeutungen von etwas“. Denn in Vietnam habe fast alles symbolischen Charakter, so die Schülerin.
Im Oktober werden die 50 vietnamesischen Studenten des Begegnungsprojektes, das jetzt auch von der UNESCO als offizielles Projekt der Dekade der Vereinten Nationen zur „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet wurde, für 14 Tage in Hessen zu Besuch sein. Neben der Fortsetzung der Projektarbeiten werden sie Hessens Natur und Kultur entdecken u.a. auch bei Ausflügen nach Fulda und in die Rhön.