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KjG – Ein katholischer, politischer Jugendverband wird 40

Fulda/Hilders. „Jugendliche darin zu unterstützen, ihr Leben verantwortlich zu gestalten“, so beschreibt die Katholische Junge Gemeinde (KjG) selbst eines der Hauptziele ihrer Jugendarbeit. Und seit nunmehr 40 Jahren versucht der Jugendverband die Jugendlichen Mitglieder zu einem „selbstverantworteten religiösen Leben“ zu ermutigen. Als sich 1970 der katholische Jungenverband, die “Katholische Jungmänner-Gemeinschaft (KJG)” mit dem Mädchenverband, der “Katholische Frauenjugend-Gemeinschaft (KFG)” zusammenschloss, wurde dieses Bündnis zunächst recht argwöhnisch beobachtet. Durch diesen Zusammenschluss zur “Katholischen Jungen Gemeinde (KJG)” entstand vor 40 Jahren ein politisch sehr aktiver Verband, der besonders im Bistum Fulda Ende der 80er Jahre für Schlagzeilen sorgte.

„Mit ihrem Engagement stand und steht die Katholische Junge Gemeinde (KjG) damals und heute für eine demokratische und solidarische Gesellschaft und Kirche. Sie setzt sich mit ihren Aktivitäten für eine Politik ein, die sich an der weltweiten Verwirklichung gleicher und gerechter Lebensbedingungen für Mädchen und Jungen orientiert,“ beschreibt Christina Schönherr, Mitglied der Diözesanleitung, die Arbeit des Jugendverbandes. Die Meinungsverschiedenheiten mit Erzbischof Johannes Dyba Ende der 80er Jahre zeigen, dass sich die KJG sehr aktiv und durchaus streitbar in kirchenpolitische Themen einmischt.

Als der damalige Bischof von Fulda den katholischen Jugendverbänden aufgrund deren kirchenpolischer Inhalte Mittelkürzungen und Stellenstreichungen androhte, löste das eine bundesweite Protestwelle aus. In einer Solidaritätsaktion kam es 1989 in Fulda zur „Domumarmung“, einer Menschenkette um den Fuldaer Dom, mit mehreren tausend Jugendlichen aus ganz Deutschland. Ein geschenkter Wohnwagen auf dem Domplatz wurde damals kurzerhand zum KJG-Diözesanbüro umfunktioniert.

Dem Streit folgte die Annäherung mit Erzbischof Dyba und heute wird die KJG bei Verantwortlichen in Kirche und Gesellschaft vor allem wegen ihres konstruktiven politischen Engagements geschätzt. Die KJG engagiert sich für Strukturen, die Mitbestimmung und Mitentscheidung für Jugendliche ermöglichen. So bieten die Gruppen, Projekte und offenen Angebote der KJG Raum für Begegnungen und Beziehungen. In ihnen sollen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene erfahren, daß sie ernst genommen werden und nicht allein stehen.

Besonders in der Integration von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen hat sich die KJG-Fulda in den letzten Jahren bistumsweit einen Namen gemacht. Regelmäßig finden integrative Ferienfreizeiten und Bildungsangebote statt, die von ehrenamtlichen Teams durchgeführt werden.

Der Patron der KJG ist der englische Staatsmann und Autor Thomas Morus (1478-1535). Nicht nur die Inhalte für die Thomas Morus steht, sind für die KJG immer noch von Bedeutung. Vor allem seine Art und Weise und die Haltung, mit der er für seine Überzeugungen eingestanden ist, sind weiterhin vorbildlich:

  • kritisch mitdenken
  • verantwortlich handeln
  • auf das Gewissen hören
  • den Visionen trauen
  • den Humor nicht verlieren

Die KJG Fulda feiert ihr 40 jähriges Jubiläum vom 4.–5.9.2010 beim Thomas-Morus-Haus am Buchschirm bei Hilders. An den beiden Festtagen mit Zeltlager, Konzerten, Open-Air-Gottesdienst, Nacht der Lichter und Familienfest werden viele ehemalige Verbandsmitglieder und Kirchenvertreter als Ehrengäste erwartet. Die Katholische Junge Gemeinde (KJG), Diözesanverband Fulda ist ein Kinder- und Jugendverband mit bistumsweit etwa 1100 Mitgliedern. In der KJG-Diözesanstelle kümmern sich ein Bildungsreferent und ein Verwaltungsmitarbeiter um die Organisation des Verbandes. Sie befindet sich im Bischöflichen Jugendamt in Fulda. Die Diözesanleitung des Verbandes besteht aus 5 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Alter von 21 bis 27 Jahren. Mehr Informationen zur KJG-Fulda unter www.kjg-fulda.de.

Dr. Monika Rack erinnert sich an die Zeit nach dem Konflikt mit Erzbischof Dyba: „Ich war damals Diözesanleiterin (1993-1997) und es gab viele Diskussionen mit Dyba, weil wir als Jugendverband zugleich katholisch und politisch waren. Gewissermaßen hatten wir es aber leicht, weil die Positionen klar waren. Aus der Auseinandersetzung konnten wir viel lernen; umgekehrt schätzte Dyba einen  ebenbürtigen Gegner.“

Die Mitglieder der KJG-Diözesanleitung erläutern, welche Themen die KjG Fulda momentan prägen: „Seit einigen Jahren unterstützen wir die Ministrantenarbeit in den Pfarreien durch besondere Schulungsangebote und durch Aktionen wie den Minitag gemeinsam mit dem BDKJ.“, so Nico Tucher. Einzigartig im Vergleich zu anderen KjG-Verbänden in Deutschland ist die integrative Ausrichtung der KjG Fulda: „Freizeitangebote für Kinder mit und ohne Behinderung haben in Fulda eine lange Tradition; auch die integrative Ferienfahrt für Jugendliche findet schon seit sieben Jahren statt.“,  erklärt Christina Schönherr.

Domkapitular i.R. Josef Mönninger erinnert sich gerne an die vielen schönen Jahre KJG-Arbeit: „In meinen Erinnerungen sind viele dankbare Jahre an so viele prachtvolle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aber auch […] an ernste und harte Gespräche mit Erzbischof Dyba, die ich als Leiter des Seelsorgeamtes mit ihm führen musste.“

KJG-Entstehung – Geschichtlicher Abriss

Die Geschichte der Katholischen Jungen Gemeinde (KjG) ist untrennbar mit der des BDKJ verbunden. Die frühesten katholischen Jugendverbände im heutigen Verständnis waren der Katholische Jungmännerverband Deutschlands (gegründet 1896) und der Zentralverband der katholischen Jungfrauenvereine Deutschlands (gegründet 1915). Nachdem die katholischen Jugendverbände unter der Nazi-Herrschaft verboten waren, gründete sich 1947 der Bund der deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). 1952 gab sich der Stamm-Mannesjugend eine eigene Verbandsstruktur mit Gremien und Leitung und nannte sich in “Katholische Jungmänner-Gemeinschaft (KJG)” um. Die Frauen folgten 1954 und nannten sich “Katholische Frauenjugend-Gemeinschaft (KFG)”. Diese beiden Verbände existierten unter dem Dach des BDKJ getrennt bis Ende der 60er Jahre, als es – damals noch recht argwöhnisch beobachtet – zunehmend gemeinsame Veranstaltungen gab. Beim ersten großen gemeinsamen Bundestreffen von KJG/KFG an Pfingsten 1968 gab es zum Veranstaltungsmotto “Zur Antwort bereit” ein Logo, das später Seelenbohrer heißen sollte. Bei einer gemeinsamen Bundeskonferenz 1969 beschlossen KJG und KFG eine neue Satzung und besiegelten damit ihren Zusammenschluss zum 01.01.1970. Zunächst firmierte der Verband weiterhin unter KJG/KFG; nach einem Namenswettbewerb gab man sich auf der Bundeskonferenz 1970 den neuen Namen “Katholische Junge Gemeinde (KJG)”

Es ist also eigentlich eine Art 40-jähriges Hochzeitsjubiläum, da Strukturen, Personal und Programm der Vorverbände übergangslos in den neuen Verband übernommen wurden. Im Bistum Fulda kann man davon ausgehen, dass diese Entwicklungen jeweils mit vollzogen wurden. Die Diözesankonferenz (DiKo) im Januar 1971 vermerkt in ihrem Protokoll, dass es die Erste des neuen gemeinsamen Verbands KjG sei.

Biographie Thomas Morus

Thomas Morus wurde am 6. Februar 1478 in London geboren. Er machte sich schon in jungen Jahren einen Namen als Anwalt, Politiker, Gelehrter und Schriftsteller. Mit 25 Jahren war er bereits Mitglied des Unterhauses. Als überzeugter Christ hatte Thomas Morus lange geschwankt, ob er Mönch oder Jurist werden solle. Seine Entscheidung, eine weltliche Laufbahn einzuschlagen, hat ihn jedoch in keinster Weise daran gehindert, sich mit theologischen Fragen zu beschäftigen und in der Kirche Verantwortung zu übernehmen. Während im Mittelalter der Glaube an die Vorbestimmtheit des Menschen durch sein unentrinnbares Schicksal vorherrschte, glaubte der Humanist Morus an die Vernunft und Handlungsfreiheit, die jedem Menschen von Gott gegeben ist. In diesem Bewusstsein erzog und lehrte Thomas Morus seinen Sohn und seine drei Töchter.

Dass seine Töchter die gleiche akademische Ausbildung bekommen konnten wie sein Sohn, war Morus sehr wichtig und damit war er sicher seiner Zeit weit voraus, weil Mädchen damals nicht einmal die Schule besuchen konnten. Unter König Heinrich VIII. – bekannt wegen seiner zahlreichen Ehefrauen – war Thomas Morus ein angesehener Politiker. Als sich der Papst weigerte, die erste Ehe Heinrichs aufzulösen, wollte sich der König von der römisch-katholischen Kirche trennen und selbst Oberhaupt der englischen Kirche werden.

Heinrich brauchte einen klugen Politiker, um sein Vorhaben dem Volk schmackhaft zu machen, doch Morus ließ sich dafür nicht gewinnen, sondern stand fest zur Einheit der Kirche. Den Eid, den Heinrich die Bischöfe und seine Beamten schwören ließ, verweigerte Thomas Morus. Auch als er daraufhin in den Londoner Tower eingesperrt wurde, blieb er seinem Glauben und seinem Gewissen treu. Am 6. Juli 1535 wurde Thomas Morus enthauptet. Seinen Humor, für den Thomas Morus bekannt war, hat er sich bis zuletzt bewahrt. Eine Anekdote erzählt, dass er den Henker bei seiner Hinrichtung gebeten habe, beim Zuschlagen mit dem Beil auf seinen Bart zu achten, da dieser keinen Hochverrat begangen habe.

„Rock am Schirm“ – Ein Geburtstag der KjG Fulda

Das Festprogramm

Am 04. und 05. September verwandelt sich der Buchschirm bei Hilders in der Rhön zum großen Festgelände für Jung und Alt. Der Verband lädt Kinder und Jugendliche, Ehemalige und Interessierte ein, um 40 Jahre KjG Geschichte zu feiern. Begegnungen mit interessanten Menschen, Musik, Spiele, eine KjG Ausstellung und ein großer Freiluftgottesdienst bilden den Rahmen für das Event. Neben vielen ständigen Angeboten sind folgende Highlights zu nennen:

Samstag, 04.09.2010

  • 14.30 Uhr – Jugendprogramm mit Workshops und Sportspielen
  • 19.30 Uhr – Riesenlagerfeuer und Live – Konzert mit der Gruppe „Stromverbrauch“
  • 22.00 Uhr – Die Nacht der Lichter

Sonntag, 05.09.2010

  • 10.30 Uhr – großer Open-Air Gottesdienst „Unter Gottes Schirm“ mit Prälat Dr. Lucian Lamza, Prälat Rudolf Hofmann und  Jugendpfarrer Sebastian Blümel
  • 12.00 Uhr – Luftbild, Festbetrieb und für Kinder den „Markt der Möglichkeiten“, – ein Spiel und Spaß Angebot mit 12 verschiedenen Stationen
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