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Orgelmatinee im Fuldaer Dom mit Mario Hospach-Martini am 1. Mai

100421_HospachMartiniFulda. Mario Hospach-Martini verfolgt seit seinem Studium eine rege Konzerttätigkeit. Er war bislang u. a. in Kanada, beim Festival in Asiago (Italien) und bei der Internationalen Sommerakademie Mozarteum in Salzburg, im Smetanasaal Prag, in der Istvan-Basilika Budapest, in der Westminster- Abbey London, in der St. Thomas Church in New York, sowie in den Domen und Hauptkirchen in Ascona, Strasbourg, Zürich, Bamberg, Nürnberg, Ulm, Freiburg, Hildesheim, Ratzeburg, Lüneburg, Potsdam, Magdeburg, Erfurt, Schwerin, Freiberg (Dom), und Leipzig (Thomaskirche) zu hören. Regelmäßig konzertiert Mario Hospach- Martini auch an den großen Denkmalorgeln in Süddeutschland. Seine Lehrtätigkeiten an der Hochschule für Musik und Theater Zürich sowie bei der Süddeutschen Orgelakademie ergänzen sein künstlerisches Schaffen. Bei dem Label “Orfeo International” erschien eine CD mit “vierhändiger Orgelmusik “, die Mario Hospach-Martini mit dem Organisten Stefan Johannes Bleicher einspielte. Für das Label Arte Nova Classics (BMG) nahm Mario Hospach-Martini folgende CDs auf: “Barocke Orgelmusik aus Mitteldeutschland” und “Barocke Orgelmusik aus Norddeutschland”.

Bei dem Label OEHMS CLASSICS erschien zuletzt die CD „Die Andreas Silbermann Orgel zu Ebersmünster“. Mario Hospach-Martini spielt Werke von Grigny, Blow, Purcell, Böhm und Bach. 2010 erscheint eine Einspielung sämtlicher Orgelwerke von Robert Schumann zu dessen 200. Geburtstag bei BERLIN CLASSICS, gespielt an der historischen Walckerorgel der Stadtkirche Winterthur/Schweiz.

Programm:

  • J. S. Bach: Sechs Choralbearbeitungen aus „Achtzehn (1685 -1750) Choräle verschiedener Art“
  • Fantasia super „Komm, heilger Geist, Herre Gott“ BWV 651
  • „An Wasserflüssen Babylon“ BWV 653
  • „Nun danket alle Gott“ BWV 657
  • „Nun komm, der Heiden Heiland“ BWV 659
  • Trio super „Allein Gott in der Höh sei Ehr“ BWV 664
  • „Komm, Gott Schöpfer, heilger Geist“ BWV 667

An der Domorgel: Mario Hospach-Martini, Konstanz

Zu den Werken:

Johann Sebastian Bach Sechs Choralbearbeitungan aus „Achtzehn Choräle verschiedener Art“ Johann Sebastian Bach überarbeitete in seinen letzten Lebensjahren in Leipzig einige seiner Werke, die er in früheren Jahren bereits komponiert hatte und die er schließlich in Sammlungen zusammenfasste. Darunter befinden sich die „h-Moll- Messe“, der zweite Teil des „Wohltemperierten Klaviers“ und die Handschrift der so genannten „Achtzehn Choräle“ (BWV 651- 668), groß angelegte Choralbearbeitungen über damals gängige Choräle, die in den Gottesdiensten der Bachzeit ihren Platz hatten.

Orgelkompositionen, denen Melodien aus Kirchenliedern zugrunde liegen, nehmen in Bachs Schaffen einen ganz besonderen und gewichtigen Raum ein. Es ist eigentlich unmöglich, die Schönheit der einzelnen Choralbearbeitungen in Worten zu beschreiben. Die folgenden Ausführungen sollen lediglich eine kleine Hilfestellung für den Hörenden sein. In der im vollen Orgelklang zu spielenden Fantasia über das Pfingstlied „Komm, heilger Geist, Herre Gott“ BWV 651 symbolisieren die schnellen Sechzehntel in den Oberstimmen die Feuerzungen des Pfingsttages, im Bass erklingt der Choral in großen Notenwerten, die Kraft des Heiligen Geistes versinnbildlichend.

„An Wasserflüssen Babylon“ BWV 653 beschreibt das Unglück der Hebräer im babylonischen Exil. Das ganze Stück ist durchwoben von Taktverschiebungen, so genannten Hemiolen, es vermeidet bewusst klare harmonische Ruhepunkte und symbolisiert so meisterhaft das stete Fortfließen der Wasserströme. Die Melodie erklingt verziert im Tenor, zwar auf einem andern Manual als die Sopran- und Altstimme zu spielen, wächst aber fast unmerklich aus den beiden Oberstimmen heraus.

„Nun danket alle Gott“ BWV 657 ist ein freudiges Dankgebet. Der Choral erscheint in großen Notenwerten im Sopran („der große Dinge tut“), gespielt auf einem anderen Manual als die konzertierenden, vor Freude hüpfenden Mittelstimmen. „Nun komm, der Heiden Heiland“ BWV 659 ist die erste von insgesamt drei Bearbeitungen über dieses Adventslied in dieser Sammlung.

Durchgehende, langsam schreitende Achtelbewegungen im Bass stehen für die Schritte des Erlösers, dessen Ankunft die Christen erwarten. Im Sopran erklingt kunstvoll verziert die meditative Melodiestimme. Das Trio über „Allein Gott in der Höh sei Ehr“ BWV 664, ist neben „Herr Jesu Christ, dich zu uns wend“ BWV 655 und „Nun komm, der Heiden Heiland“ BWV 660 das dritte Trio dieser Sammlung. Zwei konzertierende Oberstimmen, gespielt auf zwei unterschiedlichen Manualen, lassen den Choral anfangs nur schwer erkennen, am Ende aber taucht der Choral deutlich in der Bassstimme auf.

Das fröhliche Stück könnte man durchaus als Engelskonzert bezeichnen. „Komm, Gott Schöpfer, heilger Geist“ BWV 667 ist wie das erste Stück auch mit dem vollen Orgelklang zu spielen und ist erneut dem Heiligen Geist gewidmet, beschließt so also thematisch und inhaltlich die sechs Choralbearbeitungen.

Es handelt sich bei diesem Pfingstchoral um den lateinischen Hymnus „Veni Creator Spiritus“. Sehr ungewöhnlich ist die für diese Zeit die kühne Rhythmik der Anfangstakte mit den nachschlagenden Pedalachteln in der Bassstimme. Die Choralmelodie ist zunächst vollständig in der Ober-, dann in der Bassstimme zu hören, der zweite Teil erinnert mit seinen brausenden Sechzehntel in den Oberstimmen deutlich an die Fantasie des Eröffnungsstücks BWV 651.

Mario Hospach-Martini:

Mario Hospach-Martini, Jahrgang 1971, studierte am Mozarteum in Salzburg das Fach “Historische Aufführungspraxis alter Musik” bei Nikolaus Harnoncourt. Seine wichtigsten musikalischen Einflüsse als Organist erhielt er bei Stefan Johannes Bleicher und Michael Kapsner. Bei Michael Kapsner studierte er in den Jahren 1993 bis 2000 an der Staatlichen Hochschule für Musik in Trossingen, wo er sein Aufbaustudium im Fach Orgel nach vorangegangenem Grundstudium mit Auszeichnung absolvierte.

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