Gersfeld/Wildflecken-Oberbach. Was müssen kleine und mittelständische Unternehmen tun, damit sie auch in Zukunft noch eine Chance haben, um im ländlichen Raum zu überleben? Eine Workshop-und Veranstaltungsreihe widmet sich genau dieser Frage. Nach dem Veranstaltungsauftakt unter dem Motto „Unternehmensführung mit Weitblick – Sind Sie noch auf Kurs?“, der Mitte April stattfand, gibt es am 4. Mai um 18.30 Uhr im Informationszentrum „Haus der Schwarzen Berge“ in Wildflecken-Oberbach sowie am 6. Mai um 18.30 Uhr im Groenhoff-Haus auf der Wasserkuppe die Fortsetzung, die unter dem Titel „Wie gestalte ich die Zukunft meines Unternehmens?“ steht.
Um das überzeugende Auftreten geht es dann am 8. Juni um 18.30 in Oberbach sowie am 10. Juni um 18.30 Uhr auf der Wasserkuppe. Die Referentinnen sind Astrid Schäfer, freiberufliche Controllerin aus Hofbieber, und Sandra Schuhmann aus Schondra, die sich mit Personalcoaching, Teambildung und Motivationstraining beschäftigt. Unterstützt wird die Workshop- und Veranstaltungsreihe vom Biosphärenreservat Rhön. Carsten Kallenbach vom Freien Journalistenbüro der Rhön sprach nach der ersten Veranstaltung dieser Art mit Astrid Schäfer und dem Sachgebietsleiter Biosphärenreservat Rhön beim Landkreis Fulda, Martin Kremer.
Herr Kremer, warum unterstützt das Biosphärenreservat Rhön diese Veranstaltungsreihe?
Martin Kremer: In einem Biosphärenreservat geht es darum, den Schutz der Natur, den Umgang mit den natürlichen Ressourcen und die Entwicklung der Region gemeinsam mit den Menschen zu gestalten. Unsere kleinen und mittelständischen Unternehmen sind dabei ganz wichtige Bestandteile. Wenn wir wollen, dass sich auch in Zukunft die Menschen für das Biosphärenreservat Rhön engagieren, dann brauchen sie eine Perspektive, um hier zu bleiben – und diese Perspektive heißt Ausbildung und Arbeit in der Region. Also müssen wir als Biosphärenreservat zwingend daran interessiert sein, dass sich unsere Betriebe darüber informieren, ob sie fit für die Zukunft sind, beziehungsweise wie sie sich aufstellen müssen, um fit für die Zukunft zu werden.
Frau Schäfer, was bieten Sie Unternehmen an, damit sie auch in Zukunft eine Chance im ländlichen Raum haben?
Astrid Schäfer: Nur Unternehmen, die wirtschaftlich klug aufgestellt sind, können vor Ort als kleine Betriebe überleben. Gerade im Biosphärenreservat Rhön gibt es viele, bei deren Betriebsgröße sich eine eigene Controllingabteilung nicht lohnt, diese können aber von den Angeboten externer Dienstleister profitieren. Controlling bedeutet das Durchleuchten des Betriebes. Es geht darum, Abläufe effektiver zu gestalten, beispielsweise unproduktive Zeiten zu minimieren.
Viele Unternehmen setzen Controlling aber gleich mit Zahlen, die viel Bürokratie verursachen, wenig bringen und die Wirklichkeit durch schwer verständliche Fachbegriffe verschleiern. Es gibt Unternehmensberater, die unterhalten sich lediglich mit dem Geschäftsführer, legen ein leider oft sehr theoretisches Konzept vor und verschwinden wieder.
Sandra Schuhmann und ich bieten den kleinen und mittelständischen Betrieben an, zunächst einmal die Produktionsabläufe im Unternehmen zu betrachten und neben der Geschäftsführung auch das Team einzubeziehen. Mit unserer Veranstaltungsreihe wollen wir sie für das Thema Controlling sensibilisieren, ihnen Mut machen, sich mit Zukunftsfragen zu beschäftigen und dazu hinführen, kontinuierlich an strategischen Zielen zu arbeiten.
Wo sehen Sie einen ganz wesentlichen Punkt, was die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen ausmacht?
Astrid Schäfer: Wir nennen das die „Marke Ich“, also die Suche nach dem eigenen, unverwechselbaren Profil. Das kann in der Gastronomie beispielsweise der Bereich Bio sein oder bei den Schreinern das Thema Rhöner Massivholz. Es geht darum, Nischen zu besetzen, die das Unternehmen unverwechselbar machen.
Martin Kremer: Wir haben in der Rhön bereits gut aufgestellte Unternehmen, die sich meiner Meinung nach nicht vor der Zukunft zu scheuen brauchen. Das betrifft das Handwerk genauso wie die Gastronomie. Interessant ist dabei, dass diejenigen am besten dastehen, die auf regionale Rohstoffe zurückgreifen. In der Gastronomie sind regionale Produkte absolut angesagt. An dieser Entwicklung hat neben der Eigeninitiative einiger mutiger Gastwirte auch die Dachmarke Rhön ihren Anteil.
Frau Schäfer, wo klemmt es aus Ihrer Sicht heute noch in einigen Betrieben?
Astrid Schäfer: Eine Kernfrage ist die, wie der Unternehmer sein Team mit ins Boot holt. Wir werden ihm während unserer Veranstaltungen aufzeigen, wie er seine Leute für sich und für seinen Betrieb, also für die gemeinsame Sache, begeistern kann. Wenn Unternehmer und Mitarbeiter an einem Strang ziehen, dann gelingt auch die Zukunft. Ein zweiter Aspekt ist die so genannte Potentialanalyse.
Der Unternehmer muss mit seinem Kerngeschäft Geld verdienen. Da muss er sich notfalls von Bereichen, die schwierig sind, trennen. Und ein immer bedeutender Fakt: das Rückgrat von Unternehmen wird durch Fachwissen und kaufmännische Kompetenz gestärkt, aber auch durch das Auftreten nach außen hin. Zielgerichtete und begeisternde Verkaufsgespräche steigern nachweislich den Umsatz.
An wen wendet sich die Veranstaltungsreihe „Gemeinsam auf Erfolgskurs bleiben“?
Astrid Schäfer: An alle kleinen und mittelständischen Unternehmen der Region; aber durchaus auch an die vielen Einzelunternehmen. Und natürlich wollen wir diejenigen ansprechen, die sich bislang unter Controlling noch gar nichts vorstellen können. Wir wollen Denkanstöße liefern und zeigen, wie einfach und dennoch effektiv Controlling sein kann.