Rhön. Zweieinhalb Jahre haben Joachim Jenrich, Diplom-Biologe und Mitarbeiter der Hessischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön, und seine Mitautoren am neuen Buch über Kleinsäuger gearbeitet. Jetzt konnte es der Öffentlichkeit präsentiert werden. Es schließt eine Lücke in der wissenschaftlichen Literatur und erntet seit seinem Erscheinen nur Lob von den Fachleuten auf diesem Gebiet aus ganz Europa. Das Buch behandelt alle 34 Kleinsäugerarten aus den Gruppen Spitzmäuse, Echte Mäuse, Wühlmäuse, Schlafmäuse, Maulwurf, Waldbirkenmaus und Feldhamster. „Alle diese Arten kann man in Gewöllen, beispielsweise von Eulen finden“, erläutert Biologe Joachim Jenrich. Mit Hilfe des völlig neuartigen Bestimmungsschlüssels, der als zugehöriges Buch oder auch einzeln erworben werden kann, ist es nun möglich, gesicherte Aussagen über die Verbreitung der einzelnen Kleinsäuger in einem bestimmten Gebiet zu treffen.
Neben dem Gersfelder Joachim Jenrich beteiligten sich Paul-Walter Löhr, Pädagoge im Ruhestand aus Mücke im Vogelsberg, Diplom-Biologe Johannes Lang aus Lich und Dr. Franz Müller, einer der bekanntesten deutschen Tierillustratoren aus Hettenhausen, am Kleinsäuger-Buch. Alle vier Autoren arbeiteten eng mit der Universität Leipzig, der Universität Halle-Wittenberg, der Universität Tübingen und der Zoologischen Staatssammlung München zusammen.
Auch zum Museum Alexander König in Bonn, zum Nationalmuseum Prag, zum Bundesamt für Naturschutz, zum Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum in Frankfurt, zum Naturkundemuseum Kassel und zum Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart gab es enge Kontakte. Ebenfalls eingebunden waren Deutschlands bekanntester Kleinsäugerkundler Dr. Hans-Jürgen Kapischke aus Dohna in Sachsen und Deutschlands Greifvogelspezialist Nummer 1, Dr. Theodor Mebs aus Castell in Süddeutschland.
Die Fotos stammen von Frank Leo aus Elsterberg, Martin Wenisch aus Langgöns, Jiri Bohdal aus Prag und Arnulf Müller aus Poppenhausen. Insgesamt hat das Buch 240 Seiten mit 380 Abbildungen und der Bestimmungsschlüssel 40 Seiten mit 250 Abbildungen.
„Wir haben bewusst alle deutschen Fachleute in unsere Arbeit eingebunden, um am Ende ein Werk zu erhalten, das in seinem Aufbau bislang einzigartig ist“, sagt Joachim Jenrich. Aufgrund der Beschreibungen im Buch und mit Hilfe der Abbildungen im Bestimmungsschlüssel sei es nun möglich, in Deutschland und den angrenzenden Gebieten territorial gesehen Rückschlüsse auf die Ökologie und das Vorkommen von Kleinsäugern zu ziehen.
Inzwischen haben bereits alle in Frage kommenden Universitäten das neue Kleinsäuger-Buch bestellt. Alle Museen und wissenschaftlichen Einrichtungen bekommen es automatisch, erklärt Jenrich. Alleine das Land Hessen habe sofort nach Erscheinen Bücher in einem Umfang von 4 000 Euro erworben.
Das Buch „Kleinsäuger“ und der Bestimmungsschlüssel dazu sind im Michael Imhof Verlag in Petersberg erschienen. Herausgeber ist der Naturkundeverein Osthessen. Das Biosphärenreservat Rhön, sagt Jenrich, habe ebenfalls einen großen Anteil an der Realisierung, da es sich im Rahmen einer Druckkostenpauschale beteiligte.
„Es ist wichtig für ein von der UNESCO anerkanntes Biosphärenreservat, dass unter seiner Beteiligung auch Fachveröffentlichungen erscheinen, die über das eigentliche Territorium weit hinausreichen“, meint der Leiter der Hessischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön, Otto Evers. Er regt sogar an, das Buch in den Nationalen Naturlandschaften Deutschlands zu verbreiten, zu denen neben den Biosphärenreservaten auch die National- und Naturparke gehören.
„Für uns ist es das bisher größte Projekt, das wir überhaupt als Schriftstück in Angriff genommen haben“, sagt Elmar Kramm, der 2. Vorsitzende des Naturkundevereins Osthessen. Gleichzeitig wünscht er sich für die Zukunft eine weitergehende Zusammenarbeit mit dem Biosphärenreservat Rhön. Unter anderem sei geplant, eine Buchreihe zur Naturkunde im Biosphärenreservat herauszugeben, kündigt Kramm an.