Fulda. Im Rahmen einer fünfteiligen Fortbildungsreihe ,,Erziehung, Bildung und Betreuung von Kindern unter drei Jahren”, durchgeführt vom Bildungswerk der AWO, konnten 10 Erzieherinnen aus den städtischen Kindertagesstätten Sickels, Fuldaaue, Johannesberg, und Edelzell, erfolgreich zertifizierten werden. „Ich freue mich, dass wir in diesem wichtigen Feld der pädagogischen Arbeit unsere Erzieherinnen weiterbilden konnten“, so Oberbürgermeister Gerhard Möller.
Die wichtigsten fachlichen Inhalte dieser Fortbildung zur pädagogischen Arbeit mit Kindern unter drei Jahren:
Bedeutung des Bindungsaufbaus in der Eingewöhnungsphase
Wenn Kinder sich in die Einrichtung eingewöhnen, benötigen sie die Begleitung durch ihre Eltern, da sich sonst keine sichere Bindung zwischen Erzieherin und Kind bilden kann. Diese Bindung ist die Basis für die seelische Gesundheit des Kindes, seine Lern- und Entwicklungsfähigkeit bis in die Erwachsenenzeit hinein und für eine gelingende, positiv verlaufende Kindergartenzeit.
Bildung und Lernen
Bildung und Lernen findet für Kinder unter 3 Jahren über das selbstbestimmte Spiel als wichtigste Lernform überhaupt statt. Erwachsene haben längst vergessen, was sie selbst als kleines Kind erforschen mussten, um die Welt zu verstehen. ,,Verschwinden die Dinge, wenn ich wegschaue — oder sind sie noch da. Fällt alles zu Boden oder gibt es da Ausnahmen?” Es entspricht dem natürlichen Lernverhalten von kleinen Kindern, ihren Tag spielend zu verbringen. Kinder spüren intuitiv, dass sie auf diese Art und Weise am Besten lernen. Das kindliche Interesse führt dazu, die oftmals auch zeitlich begrenzten Entwicklungsfenster optimal auszunutzen.
Bildungsförderung für Kinder unter drei
Kinder unter 3 brauchen für ihre Bildung eine anregende Umgebung, genügend Zeit für ihre Forschungen und aufmerksam beobachtende Pädagoginnen und Pädagogen, die erkennen an welchen Themen die Kinder gerade Interesse zeigen und den nötigen Rahmen dafür schaffen. Oftmals werden Kinder in ihrem Tun jedoch nicht wirklich ernst genommen. Sie werden von ihren Vorhaben abgelenkt und scheinbar qualifizierte Angebote, in denen Kindern den Lernstoff vermittelt bekommen, erhalten einen höheren Stellenwert.
Aufbau und Förderung des kindlichen Selbstbewusstseins
Der wesentliche Teil des menschlichen Selbstbewusstseins (,,Das Wissen, darüber was wir sind.”) bildet sich im Alter zwischen 0 und 4 Jahren. Es bildet die Grundlage für ein gesundes Selbstvertrauen (,,Das Wissen, was wir können.”). Die beste Art das kindliche Selbstbewusstsein zu stärken, ist das Kind in seiner individuellen Person als etwas Einzigartiges uneingeschränkt anzunehmen und es daran zu gewöhnen sich selbst im Rahmen seiner kindlichen Möglichkeiten an Handlungen, Selbsteinschätzungen und Entscheidungen alters entsprechend zu beteiligen.
Die Ergebnisse der Fortbildungsreihe, die von Oktober 2009 bis Februar 2010 in Zusammenarbeit mit drei Referentinnen gestaltet wurde, fließen nun in die verschiedenen Bereiche der pädagogischen Arbeit der beteiligten Kindertageseinrichtungen ein: Gestaltung der Eingewöhnungszeit, Pädagogische Planung, Haltung und Kommunikationsverhalten der Fachkräfte, Zusammenarbeit mit den Eltern, Gestaltung eines entwicklungsfördernden Rahmens, Selbstreflexion als Qualitätssicherungsinstrument und Fachinformationen für Eltern und Öffentlichkeit.