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Aktive Frauen am Aschenberg

Fulda. „Es ist toll, plötzlich haben wir eine Aufgabe,“ sagt Rimma, „und ganz viel zu tun“, ergänzt Olga. Sie gehören beide zu der Frauengruppe, die sich im Rahmen des AMIQUS Forschungsprojekts auf dem Aschenberg gebildet und es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Lebensqualität besonders für ältere Migrantinnen in Fuldas ehemaligem Problemviertel zu verbessern. Diese Menschen sind oft nicht mehr in das Berufsleben eingegliedert, ihre Kinder sind groß und so verlieren sie jede Verbindung zu der deutschen Gesellschaft. Ihre Potentiale, Ihr Wissen, Ihre Kreativität liegen daher brach. Diese Potentiale neu zu erschließen und den Betroffenen zu helfen, selbst an ihrer Situation etwas zu ändern, darum geht es bei AMIQUS.

Dass sie das überhaupt können, dass sie selbst etwas an Ihrer Situation und Ihrem Umfeld verändern können, dass Ihre Meinung gefragt ist und dass Sie etwas zu ihrem eigenen Wohl und dem Wohle Aller beitragen können, war für viele eine neue Erfahrung. Eine Erfahrung, die sie geradezu aufblühen lässt, Genau deswegen ist sie kaum zu überschätzen. Denn sie bildet die Grundlage für das Gefühl, sich in Deutschland heimisch zu fühlen. Nur wer merkt, dass er etwas bewegen kann, bewegt auch etwas, nur wer sich ernst genommen und angenommen fühlt, integriert sich und übernimmt – wie im Falle der Aschenberger Frauengruppe – Verantwortung für sich und andere. „Es tut gut, wenn man anderen helfen kann,“ fasst Rosaliya dieses Gefühl zusammen. „Außerdem schweißt es uns zusammen,“ meint Rimma und die anderen Frauen nicken.

Diese Erfahrung ist ganz langsam aus der Projektarbeit der Forschungsgruppe erwachsen. Denn der Ansatz der Forschungsgruppe der Hochschule Fulda war es, die Lebensumstände und die Bedürfnisse der wenig auffälligen und daher oft vergessenen Bevölkerungsgruppe der älteren MigrantInnen in den Blick zu nehmen. Die Teilnehmer sollten dabei von Anfang an nicht „beforscht“, sondern aktiv in den Forschungsprozess integriert werden. Das ist mit großem Erfolg gelungen. Persönliche Ansprache und der Einsatz von Dolmetschern spielen dabei eine wesentliche Rolle. Denn nur so können auch Menschen teilnehmen, die kein oder nur wenig Deutsch sprechen. Je mehr sie sich einbrachten und an den Gesprächen beteiligen wollten, umso besser lernten sie deutsch. Ein positiver Nebeneffekt des Projekts.

Nun trifft sich die große AMIQUS Gruppe jede Woche dienstags um 18:30 Uhr im Bürgerzentrum. Man berichtet von eigenen Aktivitäten und bespricht neue Ideen und Pläne, wie man den Aschenberg und das Leben dort gerade für ältere Bewohner verbessern könnte. „Viele warten inzwischen schon ungeduldig auf den Dienstagabend,“ berichtet Olga. Sie dankt Frank Dölker von der Hochschule Fulda für seine Initiative und sein Engagement, mit dem er die Teilnehmer und besonders die Seniorinnen begleitet, die sich zu einer der vier Untergruppen des AMIQUS-Projekts in der Frauengruppe zusammenfanden.

Ihr erstes größeres eigenes Projekt haben die Damen nun anlässlich des Internationalen Frauentages auf die Beine gestellt: Im Bürgerzentrum haben sie ein Fest organisiert, bei dem sich nicht nur die Tische vor internationalen Köstlichkeiten bogen, sondern ein Programmpunkt den nächsten jagte: Gedichte und Lieder wurden vorgetragen und „am Ende haben wir alle getanzt,“ erinnern sie sich lachend und mit blitzenden Augen. Doch geht es den Frauen nicht nur um Spaß. Die Arbeit mit den Forschern vom Fachbereich Sozialwesen hat sie sensibilisiert, nicht nur für die eigene Situation oder die von Bekannten, sondern auch für politische Gegebenheiten und Zusammenhänge.

Man denke jetzt ganz anders, berichten die Frauen. Man interessiere sich plötzlich dafür, warum die Fuldaer Tafel noch keine Filiale auf dem Aschenberg hat, wo doch der Hauptteil ihrer Klientel lebe. Man interessiere sich plötzlich auch für die Nachbarin, die erst seit einem Jahr in Deutschland sei und immer daheim hocke. Es gibt so viele, denen es genauso geht. Besonders unter den älteren Migranten, denen es ja nicht mehr so leicht fällt eine neue Sprache zu lernen.

Diese Frauen aus ihrer Isolation zu holen, ist eines der Ziele, das sich die Frauengruppe gesetzt hat, aber auch ganz praktische Hilfen stehen auf der Agenda. So planen Sie Vorträge zu Gesundheits- und Ernährungsfragen, gehen sie mit zu Ämtern, helfen bei speziellen Fragen und geben sich gegenseitig Tipps. Dabei können sie auf die Hilfestellung durch die Forscher zählen, die die Gruppe AMIQUS und die Untergruppe der Frauen seit ihrer Gründung begleiten. Mit dieser Unterstützung im Rücken werden die Frauen sicher noch viele Projekte realisieren und auch noch so manches Fest auf dem Aschenberg feiern.

Falls Sie mitmachen wollen: Treff der AMIQUS Gruppe: jede Woche dienstags 18:30 – 20 Uhr im Bürgerzentrum Aschenberg, Treff der Frauengruppe: alle 14 Tage mittwochs 18:30 – 20 Uhr.

Nähere Infos zu dem Forschungsprojekt und den einzelnen Projektgruppen gibt es auf der Homepage des Forschungsprojektes www.amiqus.de, der Hochschule Fulda, Fachbereich Sozialwesen, Prof. Dr. Monika Alisch und Frank Dölker, telefonisch unter 0661 – 9640 2080 sowie in der Geschäftsstelle der AWO Fulda, in der Langebrückenstraße 14, telefonisch unter: 0661 – 480 045-0, Email: info@awo-fulda.de, Langebrückenstraße 14´.

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