Fulda (bpf). „Erzbischof Johannes war ein leidenschaftlicher Verkündiger der österlichen Wirklichkeit; aus österlicher Überzeugung verteidigte er das menschliche Leben in seiner unantastbaren Würde in allen Lebensphasen.“ Dies rief Bischof Heinz Josef Algermissen am Donnerstag, 23. Juli, im Fuldaer Dom in Erinnerung. Mit einem Gedenkgottesdienst und einer akademischen Feier wurde an seinem 9. Todestag des 2000 plötzlich verstorbenen Fuldaer Bischofs Erzbischof Dr. Johannes Dyba in besonderer Weise gedacht.
Fotos (6): Arnulf Müller
Denn der Vorgänger von Diözesanbischof Heinz Josef Algermissen wäre in diesem Jahr 80 Jahre alt geworden und hätte sowohl sein 50. Priesterweihejubiläum wie auch sein 30. Bischofsweihejubiläum begehen können. Algermissen erinnerte vor allem an den Einsatz seines Vorgängers für das unbedingte Lebensrecht des noch nicht geborenen Menschen und seine mahnende Stimme „angesichts zweifelhafter Kompromisse und deutlich wahrnehmbarer Feigheit“ in der Gesellschaft. Das treue Lebenszeugnis Dybas dürfe nicht in Vergessenheit geraten.
Am Ende des Gottesdienstes, an dem über 300 Gläubige teilnahmen, darunter die Familien der beiden Schwestern des Verstorbenen sowie zahlreiche frühere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, zog Bischof Algermissen mit seinen Konzelebranten zur Johanneskapelle, um dort die Gräber von Erzbischof Dyba und seiner Vorgänger zu segnen und mit den Gläubigen für die Verstorbenen zu beten. Der Domchor Fulda und der Jugendkathedralchor sangen in dem Gottesdienst unter der Leitung von Domkapellmeister Franz-Peter Huber in dem Gottesdienst Chorsätze von F. Mendelssohn-Bartholdy und A. Bruckner; an der Orgel spielte Domorganist Prof. Hans-Jürgen Kaiser.
Bei der anschließenden akademischen Gedenkfeier im Auditorium maximum der Theologischen Fakultät Fulda begrüßte Domdechant Prof. Dr. Werner Kathrein rund 100 Gäste aus Familie, Kirche und Gesellschaft und erinnerte „an eine bemerkenswerte Bischofszeit“. Den einen sei Erzbischof Dyba als außerordentlich witziger und schlagfertiger Mensch von großer innerer Freiheit in Erinnerung geblieben, den als Priester ein einfacher, aber moderner Lebensstil, ein kindlicher Glaube und ein grenzenloses Gottvertrauen ausgezeichnet hätten. Andere dächten an ihn als den streitbaren Kirchenmann, der gegen und mit den Medien die christliche Botschaft verkündigt habe. In der Amtszeit Dybas seien 95 Neupriester geweiht worden, eine relativ hohe Zahl. Auch habe Erzbischof Johannes das Bonifatiusfest neu als große Feier fortgeführt, in der sich Weltkirche und lokale Kirche trafen, so etwa mit den Kardinälen Ratzinger (heute Papst Benedikt XVI.) und Sodano und vielen anderen als Festprediger.
Den Festvortrag zu Erinnerung an Erzbischof Johannes Dyba hielt Erzbischof Dr. Erwin Josef Ender (Rom), der wie Dyba im diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhl tätig und zuletzt Apostolischer Nuntius in Deutschland (2003-2007) war. Erzbischof Ender sprach zu dem Thema „Nuntius im Sudan zwischen Bürgerkrieg und islamischem Fundamentalismus“ und führte seinen Zuhörern die schwierige Situation der Christen, die in dem afrikanischen Staat nach wie vor benachteiligt und verfolgt werden, lebhaft vor Augen. Ender, von 1990 bis 1997 päpstlicher Gesandter im Sudan, schilderte die Versuche des islamischen Norden, die südliche Bevölkerung, die zum Teil aus Christen besteht, zu arabisieren und zu islamisieren. Dabei habe er als Nuntius wiederholt gegen die Unterdrückung der Christen protestiert und sich um die Stärkung der Ortskirche bemüht.
Der kurze Papstbesuch des Jahres 1993 – der Sudan unterhält seit 1972 diplomatische Beziehungen mit dem Vatikan – habe eine zeitweilige Milderung der Situation gebracht. Die Kirche im Sudan habe die vielen Prüfungen und Leiden „jedoch nicht einfach passiv hingenommen, sondern sich ihnen als Herausforderungen stets mutig gestellt“, so der frühere Nuntius. Trotz der Verfolgungssituation sei die Kirche in dem afrikanischen Land nicht zerbrochen, sondern sei ständig gewachsen. „Nie zuvor hat es mehr Taufen gegeben, nie zuvor ist die Zahl der Priester- und Ordensberufe größer gewesen.“ Die Zahl der Christen habe vor fünfzig Jahren nur einige hunterttausend betragen, heute seien es rund 3 Millionen, davon zweieinhalb Millionen Katholiken. „Ich bin überzeugt, daß die Kirche im Sudan eine verheißungsvolle Zukunft haben wird, wenn endlich Frieden sein wird“, so Erzbischof Ender.
Die akademische Feier wurde musikalisch umrahmt mit Liedern von Franz Schubert, gesungen von Natascha Jung, am Piano Malte Kühn. Musik von Dimitri Schostakowitsch trugen Felix Günter (Geige), Johanna Günther (Querflöte) und Regens Monsignore Dr. Cornelius Roth (Klavier) vor.





